Verheerender Großbrand

Deutschland nimmt 150 Minderjährige aus Moria auf – Seehofer gesteht „humanitäre Notlage“ ein

  • Tim Vincent Dicke
    vonTim Vincent Dicke
    schließen

Deutschland nimmt nach der Katastrophe in Moria bis zu 150 Minderjährige aus dem Lager auf. Innenminister Horst Seehofer kündigt weitere Hilfsmaßnahmen an.

  • Der verheerende Großbrand im Flüchtlingslager Moria macht mehr als 10.000 Menschen obdachlos.
  • Bundesinnenminister Horst Seehofer spricht von einer „humanitären Notlage“.
  • Deutschland nimmt bis zu 150 Minderjährige aus Moria auf.

+++ 11.25 Uhr: Nach dem Großbrand im griechischen Flüchtlingslager Moria wollen sich nach Angaben Horst Seehofers neben Deutschland neun weitere EU-Staaten an der Aufnahme von 400 unbegleiteten Minderjährigen beteiligen. „Unsere Kontakte mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben bis zur Stunde dazu geführt, dass sich mit uns zehn europäische Mitgliedsländer an den Hilfen – das heißt an der Umsiedlung für die unbegleiteten Minderjährigen – beteiligen“, sagte der CSU-Politiker. Man sei aber noch mit weiteren Ländern im Gespräch.

Seehofer zur Lage in Moria: „Nichtlösung“ der gemeinsamen Asylpolitik für Katastrophe verantwortlich

Ein Großteil der Menschen – je 100 bis 150 – werde von Deutschland und Frankreich aufgenommen. Eine genaue Zahl könne aber erst genannt werden, wenn die Gespräche mit den anderen EU-Staaten abgeschlossen seien.

Die „Nichtlösung“ in den Verhandlungen zu einer gemeinsamen europäischen Asylpolitik habe zu der jetzigen katastrophalen Situation in Moria geführt, sagte Seehofer. Er teilte zudem mit, dass Griechenland am Donnerstag Vorschläge übermittelt habe, wie Deutschland bei der Unterbringung und Versorgung der obdachlos gewordenen Menschen vor Ort helfen könne. Die Bundesregierung wolle sich nun mit den deutschen Hilfsorganisationen zusammensetzen, um möglichst umfassend zu helfen.

Der für Migration zuständige Vizepräsident der EU-Kommission Margaritis Schinas sagte: „Moria existiert nicht mehr.“ Mithilfe der Europäischen Union solle nun eine neue, modernere Einrichtung errichtet werden, in der Asylverfahren schneller durchgeführt werden könnten. Dies wolle er dem griechischen Regierungschef vorschlagen.

Seehofer zur Situation in Moria: Diese Länder nehmen Minderjährige auf

+++ 11.07 Uhr: Die Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Horst Seehofer zur Situation in Moria ist beendet.

+++ 11.06 Uhr: Neben Deutschland, Frankreich und dem Nicht-EU-Land Schweiz nehmen folgende Länder Minderjährige aus Moria auf: Finnland, Luxemburg, Slowenien, Niederlande, Kroatien, Portugal und Belgien.

+++ 10.55 Uhr: Auch die Schweiz, die kein Mitglied der Europäischen Union ist, werde einen Teil der 400 Minderjährigen aus Moria aufnehmen, teilt Horst Seehofer mit.

+++ 10.47 Uhr: „Wir haben es mit einem gewaltigen, globalen Problem zu tun“, sagt Seehofer. Wenn Deutschland alleine handeln würde, könne man die europäische Lösung nicht durchführen.

+++ 10.45 Uhr: Die 400 Minderjährigen sollen bereits diesen Monat auf die EU-Länder verteilt werden, teilt Seehofer mit. Die Aufnahme der Jugendlichen sei jedoch nur der erste Schritt, weitere Hilfsmaßnahmen sollen folgen. Insbesondere Kinder und Familien sollen bei diesen im Fokus stehen.

Pressekonferenz mit Innenminister Seehofer: Nichtlösung der Flüchtlingspolitik für Moria verantwortlich

+++ 10.40 Uhr: Laut Horst Seehofer sei die Nichtlösung der Migrations- und Flüchtlingspolitik für die verheerende Situation in Moria verantwortlich.

+++ 10.37 Uhr: Die Qualität der Flüchtlingspolitik müsse verbessert werden, betont Schinas. Er sei aber zuversichtlich, dass die europäischen Regierungen dabei mithelfen werden.

+++ 10.23 Uhr: Es müsse ein System dauerhafter Solidarität geben. „Moria ist für uns eine sehr starke Mahnung dafür, was wir in Europa ändern müssen“, so Schinas. Mithilfe der Europäischen Union solle nun eine neue, modernere Einrichtung errichtet werden, in der Asylverfahren schneller durchgeführt werden könnten. Dies wolle er dem griechischen Regierungschef vorschlagen.

+++ 10.21 Uhr: Die EU treffe in Zukunft Abkommen mit Transitländern, damit Menschen ihr Leben nicht mehr Schleppern anvertrauen müssen, betont Schinas.

Pressekonferenz zu Moria: Griechische Regierung muss in der „dramatischen Situation“ unterstützt werden

+++ 10.19 Uhr: Die Reaktion auf die Situation in Moria müsse kurzfristig sein. Die EU solle zukünftig gemeinsam handeln, 2016 sei dies bereits versucht worden. Dies sei jedoch gescheitert, weil einige europäische Regierungen dies nicht unterstützt hätten, so Schinas.

+++ 10.16 Uhr: Margaritis Schinas sagt, dass die EU die griechische Regierung in dieser „dramatischen Situation“ unterstützen müsse. Die oberste Piorität sei, gemeinsame Hilfe anzubieten. Bei seinem Besuch auf Lesbos habe er den vielen Helfern gedankt.

+++ 10.11 Uhr: Es sei wichtig, eine europäische Lösung für die Situation in Moria zu finden, betont Innenminister Horst Seehofer. Deutschland habe in der Vergangenheit bereits viele Flüchtlinge aufgenommen und viel humanitäre Hilfe angeboten.

Pressekonferenz mit Seehofer zu Moria: EU-Länder nehmen Minderjährige auf

+++ 10.08 Uhr: Zehn EU-Länder haben sich darauf geeinigt, 400 Minderjährige aufzunehmen, so Seehofer. Ein Großteil der Menschen - je 100 bis 150 - werde von Deutschland und Frankreich aufgenommen.

+++ 10.06 Uhr: „Gott sei Dank gab es keine Verletzten und keine Toten, aber es ist ohne Zweifel eine humanitäre Notlage“, sagt Seehofer zu Moria. Am wichtigsten sei es, den Menschen vor Ort eine gute Versorgungslage zu sichern. Dabei arbeite die Bundesregierung eng mit der griechischen Regierung zusammen.

+++ 10.03 Uhr: Horst Seehofer startet nun mit der Pressekonferenz zu Moria. Margaritis Schinas, Vizepräsident der EU-Kommission, ist per Video zugeschaltet.

Erstmeldung vom Freitag, 11.09.2020, 09.59 Uhr: Berlin – Nach dem verheerenden Großbrand im griechischen Flüchtlingslager Moria auf Lesbos berichten am Freitag (10 Uhr) Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und der Vizepräsident der EU-Kommission, Margaritis Schinas, über die aktuelle Lage nach dem Feuer und die Hilfsmaßnahmen. Die Pressekonferenz ist zwar für 10 Uhr geplant, der Beginn kann sich jedoch verzögern. Wie das Ministerium am Donnerstagabend (10.09.2020) mitteilte, wird Schinas, der auf Lesbos war, per Video aus Athen zugeschaltet.

Verheerende Situation in Moria: Deutschland und Frankreich wollen Minderjährige aufnehmen

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron verständigten sich bereits, minderjährige Migranten aus Moria aufnehmen – möglichst gemeinsam mit anderen EU-Ländern. Um die Übernahme habe sie Regierungschef Kyriakos Mitsotakis gebeten, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag bei einer Diskussion mit dem Vorsitzenden der Europäischen Volkspartei EVP, Donald Tusk, in Berlin.

Eine konkrete Zahl, wie viele Menschen Deutschland aufnehmen wird, nannte Merkel nicht. Unterdessen hat Griechenland bis Donnerstag bereits 400 Minderjährige, die ohne Begleitung ihrer Eltern unterwegs sind, von der Insel Lesbos in die Hafenstadt Thessaloniki geflogen.

Horst Seehofer und der Vizepräsident der EU-Kommission, Margaritis Schinas, informieren in einer Pressekonferenz über das weitere Vorgehen nach dem Großbrand in Moria.

„Wir reden derzeit in Moria von etwa 12.000 Menschen, die buchstäblich auf der Straße leben“

Für Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil kann die Zusage Deutschlands und Frankreichs, minderjährige Migranten aus Moria aufzunehmen, nicht das letzte Wort sein. „Wir reden derzeit in Moria von etwa 12.000 Menschen, die buchstäblich auf der Straße leben“, sagte der SPD-Politiker dem Sender „Antenne Niedersachsen“. Diese Menschen hätten keinerlei Perspektive – „das war schon vor dem entsetzlichen Brand ein offenkundiger Skandal“.

„Wenn wirklich große, handlungsfähige Länder wie Deutschland und Frankreich zusammen meinen, man käme mit 400 Minderjährigen aus, dann ist das schlichtweg zu wenig“, kritisierte Weil. „Was ist denn dann eigentlich mit den anderen über 11 000 Menschen, die sich nach wie vor in einer solch entsetzlichen Lage befinden? Wir brauchen eine Lösung.“ Am besten wäre es, wenn alle europäischen Länder sich an der Aufnahme der Menschen beteiligten, das sei aber nicht realistisch. Er forderte eine „Koalition der gutwilligen EU-Partner“.

Großbrand im Flüchtlingslager Moria: Deutsche Städte schreiben Brief an Bundesregierung

Zuvor hatten bereits zehn deutsche Städte der Bundesregierung in einem Brief angeboten, Menschen ohne Obdach hierzulande aufzunehmen. „Wir sind bereit, Menschen aus Moria aufzunehmen, um die humanitäre Katastrophe zu entschärfen“, hieß es in einem Schreiben der Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister von Hannover, Potsdam, Freiburg, Oldenburg, Düsseldorf, Göttingen, Gießen sowie Köln, Bielefeld und Krefeld.

Das Lager Moria war in der Nacht zum Mittwoch bei mehreren zeitgleichen Bränden fast vollständig zerstört worden. Statt der vorgesehenen rund 3000 Migranten waren dort mehr als 12.000 Menschen untergebracht. Die griechische Regierung stellte gezielte Brandstiftung als Auslöser fest. (Tim Vincent Dicke mit dpa)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Gregor Fischer

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare