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Freunde und Verwandte trauern bei der Beerdigung von Shah Marai. Marai war Chef-Fotograf der Agentur AFP in Afghanistan und wurde am 30 April 2018 bei einem Selbstmordanschlag in Kabul getötet - so wie mindestens acht weitere Journalisten.

Tag der Pressefreiheit

Getötet, weil sie Journalisten waren

Ob in Mexiko, Afghanistan oder den USA: Überall auf der Welt sind in den vergangenen Monaten Journalisten umgebracht worden.

Joey Llana kritisierte im Radio philippinische Lokalpolitiker, Lyra McKee berichtete von Unruhen in Nordirland und Ahmed Hussein-Suale war an der Aufdeckung eines Korruptionsskandals im ghanaischen Fußballverband beteiligt. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie nichts taten als ihren Job - und dafür mit dem Leben bezahlten.

Großbritannien, Lyra McKee

Lyra McKee.

Reporterin Lyra McKee (29) wurde vor zwei Wochen in ihrem nordirischen Wohnort Derry erschossen. Am Gründonnerstag stand sie bei Unruhen in der Nähe von Polizeifahrzeugen, als eine Kugel ihren Kopf traf. Seit ihren Anfängen als Journalistin verfolgte sie die Spannungen in Nordirland, die nach dem Friedensabkommen von 1998 immer noch bestehen. Eine Gruppe namens „Neue IRA“ bekannte sich zu der Tat und entschuldigte sich. Die Behörden nahmen drei Tatverdächtige fest, setzten sie aber schnell wieder auf freien Fuß. McKee war die erste ermordete Journalistin in Großbritannien seit 2001.

Afghanistan, Shah Marai

Shah Marai.

Er galt als wohl wichtigster Fotograf der afghanischen Hauptstadt Kabul: Shah Marai (48). Er war einer von neun Medienschaffende, die am weltweit tödlichsten Tag für Journalisten im vergangenen Jahr starben. Sie alle wollten über die Folgen des Bombenanschlags am 30. April in Kabul berichten, als eine zweite Bombe am Tatort explodierte. Der Afghane Marai arbeitete bei der Nachrichtenagentur AFP und machte im Laufe der Jahre mehr als 18 000 Bilder aus Afghanistan. Er hielt nicht nur die Rolle der Taliban, sondern auch das alltägliche Leben am Hindukusch fest. Bei AFP fing Marai 1996 als Fahrer und Übersetzer an, bevor er sechs Jahre später Cheffotograf wurde. Er hinterließ seine Ehefrau und sechs Kinder.

Ghana, Ahmed Hussein-Suale

Ahmed Hussein-Suale.

Ahmed Hussein-Suale (31) war auf dem Nachhauseweg in seinem alten BMW, als er im Januar 2019 mit drei Schüssen ermordet wurde. Der prominente Journalist hatte sich mit investigativen Enthüllungen über Beamte und Richter bei vielen Mächtigen unbeliebt gemacht. „Wenn Sie ihn irgendwo sehen, brechen Sie ihm die Ohren“, hatte beispielsweise ein Parlamentarier seine Anhänger aufgerufen. Hussein-Suale war vergangenes Jahr an der Aufdeckung eines großen Korruptionsskandals im ghanaischen Fußballverband beteiligt. Der Mord schockierte Ghana, das als das Land mit der größten Pressefreiheit in Afrika gilt.

Philippinen, Joey Llana

Joey Llana.

„Nur, weil Sie ein Journalist sind, sind Sie von der Tötung nicht ausgenommen, wenn Sie ein Hurensohn sind“, ließ der philippinische Präsident Rodrigo Duterte vor drei Jahren wissen, kurz vor Ablegung seines Amtseids. Seitdem sind laut dem nationalen Journalistenverband im Land mindestens zwölf Journalisten ermordet worden. Einer von ihnen war der prominente Radio-Moderator Joey Llana. Der 38-Jährige wurde im vergangenen Juli von einem Killerkommando niedergestreckt, als er in seinem Auto unterwegs war. Die Schützen entkamen, die Polizei teilte mit, keine Anhaltspunkte zu haben. Zuletzt hatte sich Llana mit kritischen Kommentaren den Zorn von Lokalpolitikern zugezogen.

USA, Wendi Winters

Wendi Winters.

Die Öffentlichkeit in den USA war schockiert, als ein Schütze im Juni 2018 im Staat Maryland eine Zeitungsredaktion stürmte und vier Journalisten sowie eine kaufmännische Mitarbeiterin tötete. Der Angriff auf die „Capital Gazette“ war ein persönlicher Racheakt eines frustrierten Lesers. Der mutmaßliche Täter hatte die Zeitung vorher erfolglos wegen übler Nachrede verklagt. Zudem hatte er mehreren Journalisten, die dort arbeiteten, den Tod gewünscht. Eines seiner Opfer war die Lokalreporterin Wendi Winters (65). Einem Zeugen zufolge rettete sie vor ihrem Tod einigen ihrer Kollegen das Leben, indem sie den Täter mit einem Papierkorb angriff. So konnten einige von ihnen entkommen.

Mexiko, Rafael M. Manríquez

Rafael Murúa Manríquez.

Drei Journalisten wurden allein 2019 schon in Mexiko getötet, darunter der Radioreporter Rafael Murúa Manríquez (34). Er berichtete in der von Drogengewalt geplagten Provinz Baja California ständig über Justiz und Sicherheit und erhielt deshalb bereits mehrere Morddrohungen – sowohl von kriminellen Banden, als auch von örtlichen Beamten. Deshalb wurde er in ein bundesweites Schutzprogramm aufgenommen – ohne Erfolg. Im Januar wurde seine Leiche am Rande einer Autobahn gefunden. Mexiko gilt als das gefährlichste Land für Journalisten in Lateinamerika. Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen wurden dort 2018 mindestens zehn Journalisten ermordet.


Slowakei, Jan Kuciak

Jan Kuciak.

Es war eine Hinrichtung: Der Investigativ-Journalist Jan Kuciak und seine Verlobte wurden am 21. Februar 2018 in ihrem Haus erschossen. Noch am selben Vormittag gab die Polizei an, das wahrscheinlichste Motiv für die Tat sei die Arbeit Kuciaks. Der 27-jährige Journalist hatte mit seinen Texten über mutmaßlichen Steuerbetrug vor allem prominente Unternehmer im Blick, die nach seinen Recherchen Geschäftsverbindungen zu den regierenden Sozialdemokraten ebenso wie zu Kreisen der organisierten Kriminalität hatten. Der Doppelmord wurde zum Impulsgeber einer Protestbewegung, unter deren Druck mehrere Minister sowie Langzeit-Regierungschef Robert Fico zurücktraten. Im Zuge der Ermittlungen nahm die Polizei inzwischen acht Personen fest, von denen vier des Mordes verdächtigt werden.

Zentralafrikanische Republik, Orkhan Dzhemal

Orkhan Dzhemal.

Als Kriegsreporter war Orkhan Dzhemal schon in vielen Unruheherden der Welt unterwegs, darunter Libyen, Syrien, Ostukraine und Südossetien. Ende Juli 2018 wurde der russische Journalist in der Zentralafrikanischen Republik getötet. Auch sein Kameramann Kirill Radtschenko und Produzent Alexander Rastorgujew starben. Das Team untersuchte russische Militäraktivitäten in dem von einem Bürgerkrieg geplagten Land, im Auftrag des vom Kreml-Gegner Michail Chodorkowski finanzierten „Investigations Management Center“. Die drei Journalisten wurden laut lokalen Quellen an einem Checkpoint getötet, als bewaffnete Männer aus dem Busch kamen und auf ihr Fahrzeug schossen.

Alle Porträts von Ties Brook

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