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Der emeritierte Politikprofessor Arnulf Baring trommelt für mehr deutsch-nationales Selbstbewusstsein.
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Der emeritierte Politikprofessor Arnulf Baring trommelt für mehr deutsch-nationales Selbstbewusstsein.

Vertriebenenverband

Preis für Kriegsschuldleugner Tilitzki

  • VonJoachim F. Tornau
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Beim Deutschlandtreffen der Ostpreußen in Kassel geht es wieder einmal um die Befreiung von der NS-Vergangenheit. Christian Tilitzki soll einen Preis für seine stark kritisierte Doktorarbeit erhalten.

Natürlich soll am Ende die Nationalhymne gesungen werden. Aber was das heißt, darüber scheint bei der Landsmannschaft Ostpreußen immer noch Unsicherheit zu herrschen. „Deutschlandlied (3. Strophe)“, hat der Vertriebenenverband darum sicherheitshalber ins Programm seines Deutschlandtreffens geschrieben, zu dem am Wochenende mehr als 5000 Besucher in Kassel erwartet werden.

Kein „Deutschland, Deutschland über alles“ also. Oder: noch nicht. Denn wenn es nach dem Festredner geht, der auf der sonntäglichen „Großkundgebung“ der Ostpreußen sprechen wird, dann sollten sich die Deutschen endlich auch wieder zu der verpönten ersten Strophe bekennen: Seit Jahren zieht der Publizist und emeritierte Politikprofessor Arnulf Baring durch das Land und deutsche TV-Talkshows und trommelt für mehr deutsch-nationales Selbstbewusstsein.

Das kommt gut an bei den Vertriebenen, aber auch bei der CDU, die ihn immer wieder einlädt: Zum „Tag der Heimat“ trug Baring sein Mantra im September vergangenen Jahres vor der CDU-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen vor. Die Deutschen, klagte er, „lassen sich immer noch erpressen mit dem Hinweis auf die unvergleichlichen Verbrechen Hitlers“. Und das sei „unanständig“ – schließlich hätten „alle anderen Völker“ eine schlechtere Bilanz als die Deutschen.

Für den 82-Jährigen sind Nationalsozialismus (den er im Übrigen wie Erika Steinbach für eine linke Bewegung hält) und Holocaust nicht mehr als eine Episode der insgesamt ruhmreichen deutschen Geschichte.

„Missraten“ zwar, wie er in Düsseldorf formulierte, aber eben kurz. „Wir müssen uns nicht verstecken“, sagte Baring. „Wir können ohne weiteres zugeben, dass wir nicht nur das größte, sondern in vieler Hinsicht auch das wichtigste europäische Volk sind.“ Deutschland, Deutschland über alles. Seine Versuche, die Deutschen von der Last der verbrecherischen NS-Geschichte zu befreien, werden auch in Kassel sicher wieder reich beklatscht werden. Immerhin: An der deutschen Schuld am Zweiten Weltkrieg zweifelt Baring nicht. Das tun dafür andere, die von den Vertriebenen ebenfalls hofiert werden.

Einem von ihnen, dem Politologen Christian Tilitzki, verleiht die Landsmannschaft bei ihrem Deutschlandtreffen sogar einen Preis – für seine Bücher über Ostpreußen. Seine Doktorarbeit hat der Schüler des Rechtsaußen-Historikers Ernst Nolte über die Universitätsphilosophie in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“ geschrieben. Ein 1480 Seiten starkes Machwerk, das die Kritik fast einhellig als unhaltbare Verteidigung nationalsozialistischer Denker einstufte.

Von „intellektuellem Antisemitismus“ schrieb die Zeitung „Die Zeit“. Sozusagen im Vorbeigehen wirft Tilitzki in seinem Buch auch die Kriegsschuldfrage auf. Über eine Mitschuld der USA am Zweiten Weltkrieg schwadroniert er. Und – wie Rechtsextreme es gerne tun – über eine „jüdische Kriegserklärung“ als Auslöser des Holocaust. Offiziell will die Landsmannschaft Ostpreußen mit Neonazis nichts mehr zu tun haben. Wenn es um die Revision der Geschichte geht, aber zieht man am gleichen ideologischen Strang, immer noch.

Für den 18. Mai hat das Kasseler „Bündnis gegen Rechts“ zu Protesten gegen das Deutschlandtreffen aufgerufen.

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