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60 JAHRE DANACH

Die Predigt

Elisabeth Spiess erlebte als 19-jährige Schülerin der Krankenpflege noch am Karfreitag 1945, dem 30. März, wie ein Pfarrer über den "Sinn des Krieges" predigte.

Der Pfarrer unserer Schwesternschaft war als Soldat in Gardelegen stationiert. Das Krankenhaus "Magdeburg Altstadt" hatte nach dem schwersten Luftangriff am 16. Januar alle Kranken und Verletzten nach Uchtspringe (nicht weit von Gardelegen entfernt) mit Lastautos gebracht. Dort waren Häuser, in denen früher geistig Behinderte lebten, für unser Krankenhaus schon seit Herbst 1943 genutzt und immer mehr belegt.

Der Pfarrer bot am Karfreitag für uns Schwestern und Schülerinnen am Vormittag Gottesdienst mit Abendmahl an und am Nachmittag einen Vortrag: "Vom Sinn des Krieges". Dazu kamen dann aber nur noch die Stationsschwestern in den großen Ess-Saal. Sieben von uns Schülerinnen wohnten im Zimmer hinter dem Saal und hörten durch die schlecht schließende Tür zu - und feixten. Niemand redete ein Wort, aber alle fühlten wir: Das kann mit dem Dritten Reich nicht mehr lange dauern!

Die Amerikaner kamen noch vor dem 8. Mai. Sie belegten eines unserer Not-Krankenhäuser mit Elendsgestalten aus dem KZ (es war wohl Buchenwald). Wir erfuhren zum ersten Mal, was dort geschehen war.

Elisabeth Spiess, Frankfurt am Main

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