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US-Präsidentschaftswahl 2020: Wird eine von ihnen Vizepräsidentin unter Joe Biden? Elizabeth Warren (links) und Kamala Harris werden jedenfalls hoch gehandelt.

Demokraten suchen Kandidatin

US-Präsidentschaftswahl 2020: Wer Vizepräsidentin unter Joe Biden werden könnte

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Die Demokraten wollen zurück ins Weiße Haus. Ihr designierter Präsidentschaftskandidat ist Joe Biden. Doch wer kommt für das Amt der Vizepräsidentin infrage? 

  • US-Präsidentschaftswahl 2020: Die Demokraten wollen das Weiße Haus zurückerobern 
  • Joe Biden ist designierter Präsidentschaftskandidat der Demokraten im Kampf gegen Donald Trump
  • Eine Frau soll Biden als Vizepräsidentin unterstützen

Washington – Die Demokraten wollen Donald Trump aus dem Weißen Haus vertreiben. Designierter Kandidat für die Präsidentschaftswahl am 3. November 2020 ist Joe Biden. Noch nicht entschieden ist die Frage, mit wem zusammen Biden ins Rennen ums höchste Amt der Vereinigten Staaten gehen wird. Fest steht bisher nur, dass eine Frau den Posten der Vizepräsidentin übernehmen wird. So viel hat Biden schon verraten.

Das Amt galt lange Zeit als nicht sonderlich verlockend, zu gering war bis ins 20. Jahrhundert hinein der Einfluss auf die Arbeit der Regierung. Doch das hat sich inzwischen geändert. Auch wenn ein Posten als Senatorin oder Gouverneurin auf den ersten Blick noch immer attraktiver erscheint, ist die Rolle als wichtigste Beraterin des Präsidenten nicht zu unterschätzen. 

Joe Biden war selbst Vizepräsident unter Barack Obama  

Zudem kann es natürlich auch ein Sprungbrett sein zu Höherem. So war George Bush Vizepräsident unter Ronald Reagan, ehe er schließlich zum Präsidenten gewählt wurde. Auch Joe Biden hat das Amt des Vizepräsidenten unter Barack Obama zu jener Reputation verholfen, die ihm nun im Vorwahlkampf sehr zustatten kam.

Außerdem darf nicht vergessen werden, dass ein Vize das Amt im Falle eines Ausscheidens übertragen bekommt – was bisher neunmal der Fall war. Zuletzt sind Harry S Truman (nach dem Tod F ranklin Delano Roosevelts), Lyndon B. Johnson (nach der Ermordung John F. Kennedys) und Gerald Ford (nach dem Rücktritt Richard Nixons) zu Präsidenten ernannt worden – ohne zunächst vom Volk selbst gewählt worden zu sein.

Wer aber sind die Kandidatinnen, die Joe  Biden im Kampf ums Weiße Haus unterstützen könnten? Die Liste ist lang, doch wahrscheinlich wird es auf eine der folgenden Frauen hinauslaufen.

Mögliche Vizepräsidentinnen unter Joe Biden – die Favoritinnen 

  • Kamala Harris, Senatorin aus Kalifornien 
  • Elizabeth Warren, Senatorin aus Massachusetts 
  • Amy Klobuchar, Senatorin aus Minnesota

Kamala Harris hat schon viele Amtsträger ins Schwitzen gebracht 

Dass Kamala Harris als Favoritin auf den Posten als Vizepräsidentin gilt, erscheint im ersten Moment verwunderlich. Denn keine andere als Harris hat in den TV-Debatten der Demokraten die erste scharfe Attacke gegen Joe Biden geritten. Harris warf Biden nichts weniger als Rassismus vor. 

Doch das war früher und ist damit ganz offenbar Schnee von gestern. Jetzt nämlich könnte Biden die Unterstützung der Senatorin aus Kalifornien gut gebrauchen. Vor allem wird ihr zugetraut, in einer TV-Debatte ihren republikanischen Gegenspieler Mike Pence das Fürchten zu lehren. Dies auch deshalb, weil Harris bisher so manchen Amtsträger ins Schwitzen gebracht hat. 

So hat die Tochter eines Jamaikaners und einer Inderin den jetzigen Supreme-Court-Richter Brett Kavanaugh bei dessen Anhörung immer wieder in Bedrängnis gebracht, auch der Justizminister und Trump-Vertraute William Barr wich ihren Fragen zum Abschlussbericht des Russland-Sonderermittlers Robert Mueller lieber aus - woraufhin Harris dem Justizminister den Rücktritt nahelegte. Das alles hinterließ Eindruck - bei Freund und Feind. 

Mögliche Vizepräsidentin Kamala Harris: Zeit als Staatsanwältin sorgt für Kritik 

Feinde hat sich Harris allerdings nicht nur bei den Republikanern gemacht. Denn ihre Zeit als Bezirksstaatsanwältin von San Francisco und Generalstaatsanwältin von Kalifornien ist vielen Demokraten nicht ganz geheuer. So ging sie gegen das Schulschwänzen vor – und zwar so rigoros, dass Eltern schon mal im Gefängnis landeten. Später nannte sie das eine „nicht beabsichtigte Konsequenz“. 

Auch legte Harris einmal als Generalstaatsanwältin Berufung gegen ein Urteil in Kalifornien ein, das die Todesstrafe für verfassungswidrig erklärte. Ohne ihren Einspruch wäre die Todesstrafe in Kalifornien vielleicht schon damals abgeschafft worden, und nicht erst im März 2019, als Gouverneur Gavin Newsom ein Moratorium anordnen ließ, das jede Hinrichtung im Staat verhindert, solange er noch im Amt ist. Auch wenn sie  persönlich gegen die Todesstrafe ist, wird ihr damaliges Verhalten nach wie vor kritisch gesehen.

Mögliche Vizepräsidentin Elizabeth Warren: Lautstarke Kritikerin der Wall Street 

Elizabeth Warren kämpfte noch bis in den März hinein darum, selbst für die Demokraten als Präsidentschaftskandidatin anzutreten. Doch gegen Joe Biden und Bernie Sanders hatte sie am Ende keine Chance. Vielleicht ja auch deshalb, weil sie zwischen den Stühlen stand. Den Biden-Anhängern war sie zu progressiv, den Sanders-Fans nicht links genug. So konnte Warren in der entscheidenden Phase des Vorwahlkampfs ihre Position nie so recht finden.

Jetzt allerdings könnte sich dies als Vorteil für sie erweisen. Denn wenn es ein Bindeglied zwischen der Linken und der Mitte innerhalb der Demokraten gibt, dann ja wohl Warren, die einst als Juraprofessorin an der Eliteuniversität Harvard den Ruf einer national anerkannten Expertin im Insolvenzrecht erwarb.  Mit ihrem ausgeklügelten politischen Programm hat sie es jedenfalls schon immer verstanden, Pluspunkte zu sammeln.  

Ihre vielleicht radikalste Idee ist ihre „Ultra-Millionärssteuer“ auf Vermögenswerte von mehr als 50 Millionen Dollar – ein Vorschlag, der in den USA gut ankommt. Selbst die Republikaner stehen einer Vermögenssteuer prinzipiell positiv gegenüber

Elizabeth Warren nimmt Mike Bloomberg auseinander 

Schon früher hat sich Warren als lautstarke Kritikerin der Wall Street einen Namen gemacht. Einer ihrer bekanntesten Auftritte hatte sie am 20. September 2016, als sich der frühere Boss der Bank Wells Fargo vor dem US-Senat für seine Rolle in einem der größten Finanzskandale der vergangenen Jahre verantworten musste. John Stumpf wird diese Befragung sicher sein ganz Leben lang nicht mehr vergessen, so schlecht ließ ihn Warren dabei aussehen.

Mindestens genauso heftig ging sie im Vorwahlkampf Michael Bloomberg an. Als der Milliardär das erste Mal an einer TV-Debatte teilnahm, nahm sie ihn nach allen Regeln der Kunst auseinander. Manch einer meinte sogar, Bloomberg wäre von Warren umgenietet worden. So sah das jedenfalls auch ein Scherzbold, der Bloombergs Wikipedia-Eintrag entsprechend verfeinerte.

Mögliche Vizepräsidentin Amy Klobuchar: Vertreterin eines moderaten, pragmatischen Kurses

Kurz nachdem sich Joe Biden Anfang April als Präsidentschaftskandidat Nummer eins entpuppt hatte, kam die Frage nach einer möglichen Vizepräsidentin unter ihm auf. Damals galt noch nicht Harris, sondern Amy Klobuchar als Favoritin. Dies wohl vor allem deshalb, weil die Senatorin aus Minnesota als Vertreterin eines moderaten und pragmatischen Kurses ähnlich gepolt ist wie Biden selbst. 

Zwei also, die auf einer Wellenlänge liegen – das schien damals ein erfolgversprechendes Rezept. Doch inzwischen mehren sich die Zweifel daran. Strategen der Demokraten befürchten, dass ein solches Team nicht aufregend genug sei, um gerade auch die linken Stimmen im eigenen Lager zu sammeln.

Amy Klobuchar befürwortet Abschaffung der Todesstrafe

Trotzdem ist Klobuchar noch lange nicht aus dem Rennen. Vor allem ihre Beliebtheit im Mittleren Westen macht sie zu einer aussichtsreichen Kandidatin für den Posten der Vizepräsidentin. Zudem ist ihre Kritik am Irak-Krieg ein nicht zu unterschätzender Faktor, um auch skeptische Stimmen von links zu überzeugen. 

Im Vorwahlkampf zur Präsidentschaftswahl 2020 befürwortete sie eine Abschaffung der Todesstrafe und eine Erhöhung des Mindestlohns auf 15 US-Dollar. Im Gegensatz zu Warren spricht sie sich nur für moderate Steuererhöhungen für Einkommensstarke aus, eine Vermögenssteuer lehnt sie dagegen ab.

Mögliche Vizepräsidentinnen unter Joe Biden – die Geheimtipps

  • Gretchen Whitmer, Gouverneurin von Michigan 
  • Stacey Abrams, frühere Fraktionsvorsitzende im Repräsentantenhaus von Georgia

Gretchen Whitmer: Eine Lieblingsfeindin von Donald Trump

Donald Trump hat viele Feinde. Die „Fake News“-Medien, Amtsvorgänger „Obamagate“ Barack Obama, „Crooked“ Hillary Clinton und noch viele mehr. Dazu gehört seit Beginn der Corona-Krise auch Gretchen Whitmer. Denn die Gouverneurin von Michigan steht einem Bundesstaat vor, der besonders hart vom Coronavirus getroffen worden ist. 

Als Maßnahme rief Whitmer den Notstand aus. So etwas findet nie Trumps Beifall. Dass sie den Präsidenten dann auch noch scharf kritisierte, weil die Regierung bei der Beschaffung von Tests und Schutzausrüstung versagt habe, machte die Sache nicht besser. 

„Befreit Michigan“: Trump gegen Whitmer

Und Trump lederte mal wieder auf seine ureigene Art los. Er sprach von jener „Frau in Michigan“, die bloß rumsitze, nichts tue und der Regierung in Washington die Schuld in die Schuhe schiebe. In der Liste der Bundesstaaten, die Trump von Kontaktverboten und Ausgangssperren „befreit“ sehen wollte, gehörte natürlich auch Michigan. Dass Whitmer später von der Polizei vor einem wütenden, mit Sturmgewehren bewaffneten Mob beschützt werden musste, war Trump wahrscheinlich ziemlich egal. 

Ihrer Popularität in der eigenen Partei hat das Scharmützel mit Trump aber einen deutlichen Aufschwung verliehen. Da Trump bei der US-Wahl 2016 in Michigan knapp die Nase vorne hatte, könnte eine Vizepräsidentin Whitmer hier vielleicht den Ausschlag zugunsten Bidens bringen.

Stacey Abrams gehört dem linken Flügel der Demokraten an 

Stacey Abrams ist in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Von 2007 bis 2017 gehörte sie dem Repräsentantenhaus von Georgia an und war seit 2011 Vorsitzende der demokratischen Fraktion. Im Jahr 2017 kündigte Abrams, die ähnlich wie Warren demlinken Flügel der Demokraten zugerechnet wird, ihre Kandidatur für die Gouverneurswahl in Georgia an. Mit ihrem Erfolg in der Vorwahl wurde sie zur ersten schwarzen Frau der US-Geschichte, die von einer der beiden großen Parteien für ein Gouverneursamt aufgestellt wurde. Ihr Gegner war ein Mann von Trumps Gnaden: Brian Kemp.

Abrams setzte sich Wahlkampf für eine Reform des Strafrechts, mehr soziale Gerechtigkeit, Investitionen in Bildung und besseren Krankenversicherungsschutz ein. Sie musste sich Kemp aber bei der Wahl im November 2018 mit 48,8 zu 50,3 Prozent der Stimmen geschlagen geben. 

Auch bei ihr gilt Ähnliches wie bei Gretchen Whitmer. Georgia, das seit 1996 bei Präsidentschaftswahlen fest in der Hand der Republikaner ist, steht diesmal auf der Kippe. Abrams könnte als Vizepräsidentin das Zünglein an der Waage sein.

Mögliche Vizepräsidentinnen unter Joe Biden – die Außenseiterinnen

  • Catherine Cortez-Masto, Senatorin aus Nevada 
  • Val Demings, Kongressabgeordnete aus Florida 
  • Tammy Duckworth, Senatorin aus Illinois 
  • Tammy Baldwin, Senatorin aus Wisconsin 
  • Susan Rice, von 2013 bis 2017 nationale Sicherheitsberaterin von Barack Obama

Joe Biden wird sich in den kommenden Monaten für eine Vizepräsidentin entscheiden

Wen Joe Biden für das Amt der Vizepräsidentin nominieren wird, ist noch völlig offen. Viele Insider sind der Meinung, dass es besser für ihn wäre, die Vielfalt innerhalb der demokratischen Partei zu betonen, die multikulturelle Mixtur sozusagen. Das spricht für Kamala Harris. Doch noch steht die Entscheidung aus.

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