1. Startseite
  2. Politik

Französischer Linksaußen Mélenchon kandidiert als Anti-Macron

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Lukas Zigo

Kommentare

Der Vorsitzende der französischen Linkspartei, Jean-Luc Melenchon
Der Vorsitzende der französischen Linkspartei, Jean-Luc Mélenchon, im Jahr 2017. (Archivfoto) © Francois Mori/dpa

Vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich 2022 positioniert sich der Linke Jean-Luc Mélenchon als „Anti-Macron“.

Paris – Nachdem die französischen Sozialisten in den vergangenen Jahren immer wieder ins Straucheln geraten sind, will der Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon nun seine Anhänger:innen vereinen. Der wegen seiner publikumswirksamen Rhetorik als „Mélen-Show“ bekannte Politiker, versammelte seine potenziellen Wähler:innen zuletzt auf dem Place de la République im Zentrum von Paris. In Umfragen wechselt Mélenchon zwischen dem dritten und vierten Platz.

„Wir werden gewinnen! Mélenchon! Präsident!“, skandierten die Anhänger:innen vor einer 45-minütigen Rede, in der der rebellische Linke die Gegensätze zum aktuell amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron hervorhob. Der 70-Jährige kritisierte Macrons Plan für andere Lehrmethoden an den Schulen und sprach sich für eine Senkung des Rentenalters von 62 auf 60 Jahre aus. Macron, der in den Umfragen aktuell vorne liegt, will das Rentenalter auf 65 Jahre anheben, um die Rentenkasse auszugleichen.

Frankreich: Mélenchon mit populistischem Wahlkampf

In seiner Rede auf dem Place de la République in Paris machte Mélenchon die Eckpfeiler seines Wahlkampfes deutlich. „Die Zeit ist reif für eine kollektive Entscheidung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, in dessen Dienst die Wirtschaft stehen muss, und nicht umgekehrt“, sagte Mélenchon vor der Menge.

Unter Macron hingegen werde es „das Ende der republikanischen Schule, das Ende des einen und unteilbaren französischen Volkes“ geben, behauptete er. „Wählen Sie mich und Sie werden mit 60 in Rente gehen!“

Mélenchon will mit Frankreich aus der Nato austreten

Der ehemalige Vorsitzende der französischen Linkspartei hat auch versprochen, den Kapitalverkehr zu kontrollieren, Langzeitarbeitslosen Arbeitsplätze zu garantieren und einen Mindestlohn von 1400 Euro netto pro Monat einzuführen. Der Linksaußen-Kandidat will Frankreich außerdem aus der Nato zurückziehen und künftige Freihandelsabkommen der Europäischen Union blockieren.

Mélenchons Kampagne erhielt diesen März Auftrieb, als die Frauenrechtsikone und Linke Christiane Taubira aus dem Rennen ausstieg. Die traditionelle Mitte-Links-Partei „Parti Socialiste“ (Sozialistische Partei) gerät an den Rand der Bedeutungslosigkeit und die Grünen haben Mühe, eine breite Unterstützerbasis zu mobilisieren. Mélenchon appelliert an unentschlossene Wähler:innen sowie diejenigen, die ihn sonst vielleicht nicht unterstützen würden. Nach Angaben der Wahlkampfleitung nahmen rund 100.000 Menschen an der Kundgebung teil.

Frankreich: Präsidentschaftswahl findet am 10. April statt

Die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich 2022 findet am 10. April statt. Wenn kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält (was noch nie vorgekommen ist), wird in der Stichwahl am 24. April der Sieger zwischen den beiden Finalisten ermittelt, die in der ersten Runde die meisten Stimmen erhalten haben.

In 2017 scheiterte der charismatische Mélenchon am Erreichen der Stichwahl, in welcher Macron die Rechtsaußen Herausforderin Marine Le Pen schlug. (lz)

Auch interessant

Kommentare