1. Startseite
  2. Politik

Präsidentschaftswahl in Frankreich: Macron warnt vor „Brexit-ähnlicher“ Niederlage

Erstellt:

Von: Christoph Klaucke

Kommentare

Präsident Emmanuel Macron verliert kurz vor der Frankreich-Wahl an Boden – und fürchtet eine Niederlage. Konkurrentin Marine Le Pen holt in Umfragen auf.

Paris – Am Sonntag wird in Frankreich gewählt. Der amtierende Präsident Emmanuel Macron galt lange Zeit als großer Favorit, seine Wiederwahl schien nur noch Formsache. Doch je näher die Präsidentschaftswahl in Frankreich 2022 rückt, desto mehr holen seine Herausforder:innen auf. Macron selbst ist gewarnt.

Überschattet vom Ukraine-Krieg schleppt sich der Wettstreit um Frankreichs höchstes Staatsamt dem Ende entgegen. An diesem Sonntag ist die erste Runde, zwei Wochen später womöglich die Entscheidung. In der Stichwahl um den Platz im Élysée-Palast wird ein neues Duell zwischen dem Liberalen Emmanuel Macron und der Rechten Marine Le Pen erwartet – so wie 2017. Macron liegt Umfragen zufolge zwar immer noch in Führung, sein Vorsprung beginnt aber zu schmelzen. Laut einer Umfrage des international renommierten Marktforschungsinstituts Ipsos vom letzten Samstag wird erwartet, dass der 44-Jährige in der ersten Wahlrunde am Sonntag 26 Prozent auf sich vereinen wird. Seine größte Widersacherin Marine Le Pen kommt demnach nur auf fünf Punkte weniger und soll 21 Prozent erreichen.

Präsidentschaftswahl in Frankreich 2022: Macron warnt vor „Brexit-ähnlicher“ Wahlschlappe

In dieser Konstellation könnte es zwei Wochen später, am 24. April, zur Stichwahl kommen. Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich würde Macron Ipsos zufolge 53 Prozent holen, Le Pen 47. Doch das Ergebnis könnte sich bis dahin noch drehen. Macron ist sich dieser Entwicklung bewusst und warnt seine Unterstützer:innen bereits vor einer „Brexit-ähnlichen“ Wahlschlappe.

NameEmmanuel Macron
ParteiLa République en Marche
Geboren21. Dezember 1977 (Alter 44 Jahre), Amiens, Frankreich
EhepartnerinBrigitte Macron (verh. 2007)
Präsident Frankreichseit 2017

„Die Gefahr des Extremismus hat ein neues Ausmaß erreicht, weil in den letzten Monaten und Jahren Hass und alternative Wahrheiten normalisiert wurden. Wir haben uns daran gewöhnt, in Fernsehsendungen antisemitische und rassistische Autoren zu sehen“, sagte Macron vor 35.000 Zuschauern in einem Stadion außerhalb von Paris.

Wende bei Frankreich-Wahl? Laut Umfrage 40 Prozent aller Wähler:innen unentschieden

„Schaut was mit Brexit und so vielen anderen Wahlen passiert ist. Es war unwahrscheinlich, was schließlich tatsächlich passierte. Deswegen will ich euch sagen: Nichts ist unmöglich“, erinnerte Macron eindringlich. Die Wahlbeteiligung könnte umso mehr Bedeutung bekommen, weil einige Linke mittlerweile ein erhebliches Problem damit haben dürften, dem Ex-Sozialisten Macron ihre Stimmen zu geben.

Präsidentschaftswahl in Frankreich 2022: Emmanuel Macron spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung über den Brexit.
Präsidentschaftswahl in Frankreich 2022: Emmanuel Macron spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung über den Brexit. © Francois Mori/dpa

Denn während der frühere Wirtschaftsminister als „Präsident der Mitte“ einst linke und rechte Positionen vereinen wollte, steht er aktuell doch mit konservativen Themen da. Zudem seien 40 Prozent der zulässigen Wähler:innen noch unentschlossen.

Präsidentschaftswahl in Frankreich 2022: Le Pen nutzt Macrons Schwächephase

Le Pen scheint davon zu profitieren. Die französische Rechtspopulistin hat bei ihrem dritten Anlauf bei der französischen Präsidentschaftswahl größere Aussichten als je zuvor auf einen Wahlsieg. In anderen Umfragen liegen Amtsinhaber Emmanuel Macron und Len Pen nur noch zwei, drei Punkte auseinander – etwa so viel, wie die Fehlermarge beträgt. „Ja, ich kann diese Präsidentschaftswahl gewinnen und das werde ich, mithilfe der französischen Menschen. Sie haben verstanden, wenn sie wählen, werden sie gewinnen“, sagte Le Pen kürzlich.

Anfangs schien es so, dass Le Pen in ihrem rechten Hoheitsgebiet große Konkurrenz durch den rechtsextremen Populisten Éric Zemmour bekäme. Aber letztlich half ihr Zemmour, seriöser zu wirken und weniger radikal. Fachleute warnen vor einer Art „Wölfin im Schafspelz“, weil ihr Programm noch immer extreme Forderungen enthält. Beispielsweise spielt ihr die steigende Islamphobie in Frankreich in die Karten.

Zemmour bei Präsidentschaftswahl in Frankreich wohl chancenlos

Kurzfristig lag der Politikneuling, der von manchen als französischer Donald Trump betitelt wurde, in den Umfragen auf Rang zwei. Der mehrfach wegen rassistischer Äußerungen verurteilte 63-Jährige sorgte mit extremen Positionen für Wirbel. Im Anlauf zur Wahl war es das Duo Zemmour-Le Pen, das mit Themen wie Migration, Sicherheit und nationale Identität die anderen vor sich hertrieb.

Nun ist Zemmour in den Umfragen allerdings zurückgefallen. Während die Mitbewerber:innen auf das durch den Ukraine-Krieg noch elementarer gewordene Thema Kaufkraft umschwenkten, hielt er an seinem Lieblingsthema Migration fest. Vermutet wird, dass einige seiner Fans ihre Stimme nun schon im ersten Wahlgang Le Pen geben könnten. (ck/dpa)

Auch interessant

Kommentare