+
Im Sommer will sich Donald Trump in einer neuen Rolle zeigen – der des weltgrößten Diplomaten.

Ausland

Der Präsident der Lüfte

  • schließen

Donald Trump plant Besuche im Ausland – und hofft auf gute Bilder fürs heimische Publikum.

Er schläft am liebsten im eigenen Bett und verbringt seine Zeit außerhalb des Weißen Hauses fast ausschließlich in Hotels oder Golfclubs, die ihm gehören. Im Wahlkampf predigte er eine isolationistische Politik und hat seither mit der halben Welt Handelskriege angezettelt. Doch in diesem Sommer will sich Donald Trump in einer neuen Rolle zeigen – der des weltgrößten Diplomaten. Mehr als 57 000 Kilometer wird er nach Berechnungen amerikanischer Medien bis zum August in der Air Force One zurücklegen und dabei Frankreich und Japan sogar zwei Mal besuchen.

Bereits an diesem Freitag steigt der US-Präsident zum ersten Mal in den Flieger gen Tokio. Protokollarischer Anlass ist der erste Staatsbesuch beim neuen Kaiser Naruhito am Montag. Doch vorher verbindet Trump die Pflicht mit der Kür: Mit Premierminister Shinzo Abe wird er eine Runde Golf spielen und später ein Sumo-Turnier besuchen. Dem Sieger will er einen „Trump-Cup“ verleihen. Nach japanischen Medienberichten wurden für den Besuch eigens die Sitzkissen der VIP-Loge gegen normale Stühle ausgetauscht. Wie in Japan vermischen sich auch bei anderen Reisen offizielle mit privaten Teilen, die dem Vergnügen oder eigenen Geschäftsinteressen dienen.

Auf jeden Fall dürften die Besuche in Japan, Großbritannien, Irland, Frankreich und Südkorea schöne Bilder für das Publikum in der Heimat abwerfen, wo der Präsident ansonsten im Stellungskrieg mit dem Kongress festhängt und sich die Demokraten im Vorwahlkampf gegenseitig beharken.

Posieren mit Staatschefs

„Wenn die Dinge in Washington heiß sind, ist es verlockend, sich als Diplomat zu präsentieren, mit ausländischen Regierungschefs zu treffen und die Aufmerksamkeit der Medien umzulenken“, sagte der Geschichtsprofessor Julian Zelizer von der Princeton-Universität der Nachrichtenagentur AP. Wenige Tage nach der Rückkehr aus Japan bricht Trump nach Europa auf, wo er vom 3. bis 8. Juni an mehreren Feiern in England und Frankreich zum 75. Jahrestag des D-Day, der Landung der Alliierten in der Normandie, teilnimmt. In Großbritannien wird er die vom Brexit zerzauste Premierministerin Theresa May und Königin Elizabeth II. treffen.

Den zweiten Teil der Reise aber plant Trump in seinem Golfhotel im irischen Doonberg zu verbringen, was im Vorfeld zu diplomatischen Verwicklungen führte. Das Anwesen, das der Milliardär 2014 für elf Millionen Dollar erwarb und seither mit 30 Millionen Dollar aufpäppelte, ist nämlich nicht unumstritten.

Nicht nur soll die Anlage um 50 Ferienhäuser erweitert, sondern vor allem durch einen Damm vor Erosion geschützt werden, was nach Meinung von Umweltschützern die Dünenlandschaft bedroht. Irlands Premierminister Leo Varadkar weigerte sich laut irischen Medienberichten, den Gast auf dessen Privatanwesen zu treffen. Trump drohte angeblich, stattdessen zu seinem Golfclub in Schottland zu fliegen. Am Dienstag gab das Weiße Haus bekannt, dass sich die beiden Politiker im 60 Kilometer entfernten Flughafenort Shannon treffen wollen.

G20-Gipfel in Japan

Ende Juni fliegt Trump schon wieder nach Japan – zum G20-Gipfel, wo er den chinesischen Präsidenten Xi Jinping und Russlands Präsidenten Wladimir Putin treffen will. Im Anschluss steht ein Staatsbesuch in Südkorea auf dem Programm. Ende August schließlich will Trump am G7-Gipfel im französischen Biarritz teilnehmen. Die Begeisterung der übrigen Teilnehmer dürfte sich in Grenzen halten. Allen ist das Vorjahresereignis noch in unguter Erinnerung: Da trat der US-Präsident auf dem Rückflug die mühevoll ausgehandelte Abschlusserklärung mal eben per Twitter in die Tonne.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion