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Die Schärpe dieses Mannes stammt aus dem verwüsteten Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Ouagadougou.
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Die Schärpe dieses Mannes stammt aus dem verwüsteten Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Ouagadougou.

Nach Unruhen

Präsident von Burkina Faso gibt auf

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Der Präsident von Burkina Faso, Blaise Campaoré, tritt nach heftigen Protesten zurück. Der Chef der Streitkräfte übernimmt die Führung des Landes.

Blaise Campaoré, der Präsident des westafrikanischen Staates Burkina Faso, hat am Freitagnachmittag seinen Rücktritt erklärt. Sprecher der Streitkräfte des Landes gaben sowohl auf einer Massenkundgebung wie im Staatsfernsehen bekannt, dass der seit 37 Jahren herrschende Präsident seine Demission unterzeichnet habe. Der 63 Jahre alte Staatschef soll sich im Süden des Landes, womöglich aber auch auf dem Weg ins Exil nach Ghana befinden.

„Ich erkläre ein Machtvakuum und plädiere für einen Übergangsprozess, der innerhalb von 90 Tagen zu freien und transparenten Wahlen führt“, hieß es in einer im Fernsehen verlesenen Stellungnahme Campaorés. Der Abdankung des Präsidenten waren tagelange Unruhen und Massenproteste vorausgegangen. Auch am Freitag versammelten sich wieder Zehntausende Demonstranten sowie führende Oppositionsvertreter in der Hauptstadt Ougadougou, um den sofortigen Rücktritt des Präsidenten zu fordern.

Den Höhepunkt der Proteste hatte Ouagadougou am Donnerstag erlebt, als Protestierer das Parlamentsgebäude, mehrere Regierungsämter und ein Luxushotel in Brand steckten. Auch in anderen Städten des Landes kam es zu Unruhen und Plünderungen. Militär und Polizei setzten Tränengas und scharfe Munition ein. Mindestens dreißig Personen sollen bei den Zusammenstößen getötet worden sein.

In einer Fernsehansprache hatte Streitkräftechef Honoré Nabéré Traoré bereits am Donnerstagnachmittag die Auflösung des Parlaments, die Bildung einer Übergangsregierung sowie eine nächtliche Ausgangssperre bekanntgegeben. Allerdings meldete sich am Donnerstagabend dann auch Campaoré im staatlichen Fernsehen wieder zu Wort. Er habe den Wunsch des Volkes nach einem Wechsel vernommen, sagte der Präsident. Er werde jedoch jetzt noch nicht zurücktreten, sondern den einjährigen Übergangsprozess weiter als Staatschef lenken. Gleichzeitig kündigte Campaoré die Rücknahme seiner Pläne zu einer Verfassungsänderung an, die ihm eine weitere Amtszeit ermöglichen sollten. Diese Absicht hatte die Unruhen ausgelöst.

Am Freitag forderten Zigtausende von Menschen auf den Straßen Ouagadougous unverändert den sofortigen Rücktritt Campaorés. Dieser wurde bereits am frühen Nachmittag durch einen Militärsprecher bekanntgegeben. Das Ende der Präsidentschaft des Ex-Offiziers wurde von den Demonstranten mit überschwänglichem Jubel quittiert.

Streitkräftechef Traoré gab am Nachmittag bekannt, dass er selbst die Führung des westafrikanischen Staats übernehme, bis in spätestens 90 Tagen Wahlen abgehalten werden. Der Ankündigung der Militärs waren Gespräche mit der Opposition vorangegangen, an denen auch Zéphirin Diabré, der Chef der größten Oppositionspartei, teilgenommen hatte. Nicht alle gesellschaftlichen Gruppen sind mit der vorübergehenden Machtübernahme der Militärs einverstanden.

Campaoré war vor 37 Jahren selbst durch einen Militärputsch an die Macht gekommen, damals schon der fünfte Coup in der Geschichte des 1960 von Frankreich unabhängig gewordenen Landes. Er entmachtete seinen „Che Guevara“ Thomas Sankara und ließ ihn umbringen. Der charismatische Marxist Sankara hatte Obervolta in Burkina Faso umbenannt, was in der Sprache Burkina Fasos „das Land der Aufrechten“ bedeutet. Nach seiner Machtübernahme schwor Campaoré dem Marxismus ab, regierte zunächst als Militärdiktator und ließ sich 1991 in einer Wahl als Präsident vom Volk bestätigen.

Campaoré unterhielt enge Beziehungen sowohl zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich als auch zu den USA. Paris und Washington nutzen Burkina Faso als Basis für militärische Aktionen gegen Islamisten in der Sahelzone. Der gestürzte Präsident machte sich auch als Vermittler in den Konflikten in der Elfenbeinküste und in Mali einen Namen. Frankreichs Präsident François Hollande forderte Campaoré jüngst mit einem Brief zum Rücktritt auf und bot ihm als Ausgleich eine Position in einer internationalen Organisation an.

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