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Putin ist überraschend verwundbar

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Von: Tobias Utz

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Da Russland seine Kriegsziele verfehlt, reagiert Putin. Die PR-Maschinerie des Kreml hat derweil eigene Pläne.

Moskau – Der innenpolitische Druck für Wladimir Putin steigt. Abseits der verheerenden Verluste der russischen Armee im Ukraine-Konflikt haben zahlreiche Soldatenfamilien bislang keine Kriegsprämien erhalten. Zudem mussten durch die Finanzierung des Kriegs gegen die Ukraine viele Projekte aufgeschoben werden. Ein Beispiel ist der infrastrukturelle Ausbau in mehreren Regionen. Was Chancengleichheit angeht, wird die Schere zwischen der Stadt- und Landbevölkerung seit Jahren größer.

Dass die verfehlten Ziele im Ukraine-Krieg und die innenpolitische Drucksituation nicht spurlos an Putin vorbeigeht, zeigt eine Reihe an abgesagten Veranstaltungen des Kreml. Jüngstes Beispiel: die Jahrespressekonferenz des russischen Präsidenten. Quasi in letzter Minute ließ Putin die geplante Machtdemonstration platzen. Was in der internationalen Presse bereits zum Zeitpunkt der Absage vermutet wurde, bestätigten nun mehrere anonyme Kreml-Beamte der Moscow Times. Einem Bericht zufolge, war die Angst, dass die Pressekonferenz thematisch vom Ukraine-Krieg dominiert werden würde, zu groß. Ein weiterer möglicher Drohnenangriff in Russland, wie kürzlich von der ukrainischen Armee verübt, sorgte für Verunsicherung. „Niemand kann zu 100 Prozent garantieren, dass ein solcher Angriff nicht stattfinden würde“, sagte einer der Kreml-Beamten.

News zum Ukraine-Krieg: Schwere Verluste haben wohl direkte Wirkung auf Putin

Putin sagte bereits im Sommer seine traditionelle TV-Ansprache ab. Auch dies war stets ein PR-Event des Kreml. Hinzu kommt der weiterhin fehlende Termin von Putins Rede zur Lage der Nation, die sonst jährlich stattfindet. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow versprach bereits mehrfach vor laufender Kamera, dass der Präsident diese noch im Jahr 2022 halten werde. Schließlich berichtete die Nachrichtenagentur Tass am Mittwoch (14. Dezember), dass die Rede auf das kommende Jahr verschoben werde.

Wladimir Putin
Wladimir Putin, Präsident von Russland, auf der Krim-Brücke. © Mikhail Metzel / AP / dpa

Dass Entwicklungen eines Kriegs unmittelbare Auswirkungen auf das Verhalten der Politik hat, überrascht wohl kaum. In Russland wurde allerdings stets versucht, diesen Eindruck zu vermeiden. Schließlich zeugt es von Betroffenheit. Den Kreml-Beamten, die sich gegenüber der Moscow Times äußerten, zufolge waren die Planungen der jährlichen Pressekonferenz Putins bereits weit fortgeschritten. „Die Situation an den Fronten und ihre ungünstige Entwicklung wurden besprochen“, so einer der Beamten in Moskau. „Aber alle nickten mit dem Kopf – der Chef ist ein Fels, er kann damit umgehen. Er wird [die Pressekonferenz] nicht absagen wollen, und seine Fähigkeit und Erfahrung in der Arbeit mit ‚großen Genres‘ wird es ihm ermöglichen, die Situation zu seinen Gunsten zu wenden. Schließlich ist Russland heute wirklich eine belagerte Festung, und Putin ist ihr Kommandant“.

News zum Ukraine-Krieg: Kreml für „gute Nachrichten“ für Russland

Aus dem Kreml heißt es dazu lediglich, dass Putin mit „guten Nachrichten“ in Verbindung gebracht werden solle. Das spiegelt sich unter anderem darin wider, dass zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter großer russischer Energie- und Verkehrsunternehmen offenbar angehalten wurden, PR-Events mit Putin und Mitgliedern der russischen Regierung zu planen. Das berichtet ebenfalls die Moscow Times.

Wladimir Putin
Der armenische Premierminister Nikol Pashinyan (l.) und der russische Präsident Wladimir Putin auf dem EAEU-Gipfeltreffen in Kirgistan. © Vladimir Voronin / AP / dpa

Im Vergleich zur innenpolitischen Strategie der „guten Nachrichten“ setzt die Regierung um Putin auf dem Schlachtfeld weiterhin auf Brutalität. Ein Deserteur berichtete kürzlich davon. Am Verhandlungstisch hingegen, setzt Russland auf neue Verbündete, da das Land international zunehmend isoliert ist. (tu mit dpa/AFP)

Hinweis der Redaktion

Die Informationen zum Ukraine-Krieg stammen teilweise von Kriegsparteien im Ukraine-Konflikt. Sie lassen sich nicht unmittelbar auf unabhängige Weise verifizieren.

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