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Handeschütteln zwischen den Siegern: Winston Churchill (links), Harry S. Truman (Mitte) und Josef Stalin (rechts) reichen sich zum Abschluss vor Churchills Residenz in Potsdam am 23. Juli 1945 die Hand.
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Handeschütteln zwischen den Siegern: Winston Churchill (links), Harry S. Truman (Mitte) und Josef Stalin (rechts) reichen sich zum Abschluss vor Churchills Residenz in Potsdam am 23. Juli 1945 die Hand.

In Potsdam wurde die Teilung besiegelt

Churchill schwante Böses / Statt Weltfrieden kam Kalter Krieg / Einigkeit bei Nürnberger Prozessen

Von ROLAND LOSCH (MÜNCHEN, AP)

Auf ihrer letzten Konferenz vor der deutschen Kapitulation beschworen US-Präsident Franklin Roosevelt, der britische Premier Winston Churchill und der sowjetische Diktator Josef Stalin noch einmal das oberste Ziel ihrer Koalition: "Es ist unsere unbeugsame Absicht, den deutschen Militarismus und Nazismus zu zerstören und sicherzustellen, dass Deutschland nie wieder in der Lage sein wird, den Weltfrieden zu stören." Das gelang ihnen.

Aber statt einer neuen, friedlichen Weltordnung, wie sie sie im Februar 1945 in Jalta feierlich anstrebten, zog der Kalte Krieg herauf. Schon wenige Tage nach der deutschen Kapitulation telegrafierte Churchill an Roosevelts Nachfolger Harry Truman: "Die Lage in Europa beunruhigt mich zutiefst." Stalin missachte die Beschlüsse von Jalta und versuche, die besetzten osteuropäischen Länder unter kommunistische Kontrolle zu bringen: "Ein eiserner Vorhang ist vor ihrer Front niedergegangen." Und auch US-Außenminister Grew fürchtete bereits im Mai 1945, das Kriegsergebnis werde "lediglich die Übertragung von totalitärer Diktatur und Macht von Deutschland und Japan auf die Sowjetunion sein, das in der Zukunft eine ebenso große Gefahr für uns sein wird, wie die Achsenmächte es waren".

Der Eroberungs- und Vernichtungskrieg des "Großdeutschen Reiches" hatte die ungleichen Partner zusammengezwungen. Gemeinsam hatten sie Wehrmacht und SS niedergekämpft, und grundsätzlich waren sie sich auch einig, wie mit dem besiegten Feind zu verfahren sei. Im August 1945 vereinbarten die drei Siegermächte - Frankreich saß noch nicht mit am Tisch - auf der Potsdamer Konferenz, Deutschland industriell abzurüsten, zu entnazifizieren und den NS-Verbrechern in Nürnberg den Prozess zu machen. Außerdem sollte Deutschland den überfallenen Staaten Reparationen zahlen.

Harte Verhandlungen

Aber je konkreter es wurde, desto heftiger kollidierten die Weltanschauungen und Interessen der beiden neuen Supermächte USA und Sowjetunion. Deutschland gemeinsam regieren? "Ein Wahn", schimpfte der US-Diplomat George Kennan, "abwegig und undurchführbar." In der Sowjetunion hatte der Krieg die meisten Opfer gekostet.

Jetzt wollte Stalin das sowjetische Territorium mit Annexionen und der Ausweitung seines Machtbereichs auf Mittel- und Südosteuropa absichern. In Potsdam stellte er Amerikaner und Briten vor vollendete Tatsachen: Die Sowjetunion verschiebt ihre Grenze nach Westen, Polen wird für Abtretungen im Osten mit Schlesien und Pommern im Westen entschädigt, und die deutsche Zivilbevölkerung wird von dort ebenso vertrieben wie aus der Tschechoslowakei und Ungarn.

Die Westalliierten blockten dafür bei den Reparationen ab. Jede der vier Besatzungsmächte sollte ihre Besatzungszone allein regieren und ihre Reparationen in ihrer Zone entnehmen. Nur beschränkt sollte die Sowjetunion Lieferungen aus den Westzonen bekommen, zum Teil im Tausch gegen Lebensmittel. Über "Deutschland als Ganzes" betreffende Fragen sollten formell die vier Oberbefehlshaber in einem Alliierten Kontrollrat gemeinsam entscheiden - einstimmig. Sowjetische und französische Wünsche nach einer Internationalisierung des Ruhrgebiets, das zur britischen Zone gehörte, scheiterten natürlich.

Der Historiker Hermann Graml schreibt, schon in Potsdam hätten die Alliierten stillschweigend die Teilung Deutschlands beschlossen, um den Anschein der Einigkeit zu wahren. Ein Jahr später wechselten die USA allerdings den Kurs: Statt Fabriken zu demontieren und den Deutschen auf unabsehbare Zeit Care-Pakete schicken zu müssen, brachten sie die Wirtschaft wieder auf die Beine. Ab Januar 1947 bildeten amerikanische und britische Zone die Bizone mit einer verkappten deutschen Regierung - ungeachtet sowjetischer Proteste.

Vereinte Nationen mit Vetorecht

In Jalta hatte Stalin zugestimmt, in den befreiten europäischen Staaten so rasch wie möglich demokratische Wahlen abzuhalten. Stattdessen kamen von Polen bis Bulgarien kommunistische Regime an die Macht. Im März 1947 verkündete Truman die Doktrin von der "Eindämmung" der sowjetischen Expansion und ließ den Marshall-Plan zum europäischen Wiederaufbau auflegen. Bis zur Öffnung des eisernen Vorhangs 1990 wurde die gesamte Weltpolitik vom Kampf der beiden Blöcke bestimmt.

Ein anderer Keim für das Wirtschaftswunder im Westen war schon im Kriegsjahr 1944 auf einer internationalen Konferenz in Bretton Woods gelegt worden: 44 Staaten einigten sich auf den Dollar als Leitwährung, mit Bindung an den Goldpreis und festen Wechselkursen. Das System funktionierte gut 20 Jahre. Der Weltwährungsfonds, der Lücken in den nationalen Zahlungsbilanzen überbrückt, sogar bis heute.

Die Gründung der Vereinten Nationen war ebenfalls 1944 von den USA, Großbritannien, Frankreich, der Sowjetunion und China verabredet worden. In der Nachfolge des Völkerbundes sollte die UNO den Weltfrieden sichern - doch so richtig traute man sich nicht: Im tonangebenden Sicherheitsrat beanspruchte jedes der fünf Gründungsmitglieder ein Vetorecht. Bis heute exklusiv.

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