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Moby mischt sich in die Politik ein.

US-Wahlkampf

Popstar Moby wirbt für die Demokraten

US-Popstar Moby ergreift Partei - für die amerikanischen Demokraten. Er hält es für eine "kapitale Sünde", wenn ein Entertainer nicht öffentlich zu seiner Meinung steht. Im Interview wettert er gegen "acht schreckliche Bush-Jahre".

Köln (dpa) ­ Mit einem Plädoyer für die demokratischen Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Barack Obama will sich US-Popstar Moby von der unpolitischen Haltung vieler amerikanischer Künstler distanzieren.

"Leider gilt es als kapitale Sünde, wenn ein Entertainer in den USA öffentlich zu seiner Meinung steht", sagte der Musiker und DJ im Interview der dpa. Moby sprach über die Chancen für einen Politikwechsel im Weißen Haus nach "acht schrecklichen Bush-Jahren", die Alltagsängste der Amerikaner und die Doppelmoral im US-Showgeschäft. Der 42-jährige frühere Techno-Guru war unlängst zu Gast in Köln, um sein neues Album "Last Night" vorzustellen. Erscheinungstermin ist der 28. März.

Nicht nur als Künstler, auch als politischer Aktivist gelangten Sie in den vergangenen Jahren häufig in die Medien. Im Präsidentschafts-Wahlkampf 2004 haben Sie sogar mit dem Demokraten John Kerry auf der Bühne musiziert. Welchem Bewerber halten Sie diesmal die Treue?

Moby: "Ich liebe Hillary Clinton. Barack Obama ist aber ebenso fantastisch. Mit jedem der beiden wäre ich sehr glücklich. Allein die historische Bedeutung, demnächst vielleicht eine Frau oder einen Farbigen als Präsidenten vereidigen zu können, ist enorm. Beide sind sehr klug, und sie wären sicher gute Präsidenten. Die acht Bush-Jahre waren schrecklich. Jetzt kann es eigentlich nur besser werden."

Gibt es denn keinen, den Sie im Zweifelsfall bevorzugen würden?

Ich bevorzuge denjenigen, der gewinnen kann. Wenn man sich Clintons und Obamas Gesetzesinitiativen und die politischen Inhalte ansieht, fällt auf: Da gibt es kaum einen größeren Unterschied.

Aber was halten Sie davon, dass Bill Clinton zuletzt so massiv in den Wahlkampf eingegriffen hat?

Natürlich nichts, dieser Schuss ging komplett nach hinten los. Sie schickten ihn nach South Carolina, um Stimmung gegen Obama zu machen - und Obama gewann mit mehr als 50 Prozent! Es war einfach unanständig, dass ein zweifacher Präsident so nachtritt. Aber jeder Demokrat versucht nun einmal zu gewinnen. Egal, was wir dafür tun müssen: Wir wollen einen demokratischen Präsidenten.

Beteiligen Sie sich noch immer an denselben Anti-Bush-Kampagnen, die Sie vor vier Jahren persönlich mitorganisiert haben?

Ich arbeite nach wie vor mit verschiedenen Organisationen zusammen, die gegen Bush sind. Aber Gott sei Dank gibt es ja die Regel, dass kein Präsident häufiger als zweimal antreten darf. Bush ist Geschichte. Da ergibt es keinen Sinn mehr, gegen ihn zu kämpfen. Zuletzt hatte er eine Zustimmungsquote von 25 Prozent, niemand in den Vereinigten Staaten traut ihm noch. Zum Glück können wir uns also zurücklehnen und die Tage zählen, bis er aus dem Amt scheidet.

Auf Ihrer Website haben Sie Bushs letzte Rede zur Lage der Nation als ein unglaubwürdiges "Nicht-Ereignis" kritisiert...

Bushs Verhalten ist absolut sinnlos. Er scheint jemand zu sein, der Spaß daran hat, anderen Leuten auf die Nerven zu gehen. Nachdem er 2000 zum ersten Mal gewählt worden war, holte er all diese Hardcore-Republikaner in seine Regierung. Und nun, kurz vor dem Auslaufen seiner zweiten Amtszeit, versucht er, sich als gemäßigt darzustellen und seinen Platz in der Geschichte zu sichern. Aber ich bin sicher: Die Geschichte wird mit Abscheu auf ihn zurückblicken.

Weshalb hat Bush im Januar eine Nahost-Reise unternommen, obwohl es kaum eine Aussicht gab, dass diese Mission erfolgreich sein könnte?

Keine Ahnung. Der Effekt zu Hause war auch gleich null. Die internationale Politik ist für viele US-Bürger zu kompliziert und zu weit weg, als dass es sich lohnte, solche Themen zu verfolgen. Vor der letzten Präsidentschaftswahl waren zum Beispiel 50 Prozent der republikanischen Anhänger der Meinung, dass Saddam Hussein für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich ist ...

Kennen Sie den Grund dafür?

Wenn ich über Amerika nachdenke, fällt mir das Bild eines Landes ein, das noch in seiner Jugend steckt. Vor allem in den Kernstaaten haben die Leute einfach nur Angst vor Veränderung. Diese Haltung kann zu einer echten Gefahr werden. Manchmal denke ich, es sollte eine Art Wähler-Test geben: Man hält den Leuten eine Weltkarte hin und bittet sie, auf die Länder zu zeigen, in denen wir Truppen stationiert haben. Wenn sie nicht wenigstens drei solcher Länder zeigen können, sollten sie nicht an die Urne gelassen werden.

Als Sie noch offen Stellung gegen Bush bezogen und Lobby-Arbeit gegen ihn betrieben ­ gab es da auch Angriffe auf Ihre Person?

Und wie! Fragen Sie in den USA Journalisten nach John Lennon oder anderen Leuten, die in den 60ern und 70ern aktiv waren, heißt es: "Ja, das waren Helden." Fragt man die gleichen Leute nach den Engagierten von heute ­ Bono, Sean Penn, Tim Robbins oder meinetwegen auch mir ­, dann stellt sich heraus: Sie hassen uns, obwohl sie meist unsere Positionen befürworten. Leider gilt es als kapitale Sünde, wenn ein Entertainer in den USA öffentlich zu seiner Meinung steht.

Warum geben sich viele US-Künstler und -Intellektuelle traditionell so unpolitisch? Ist das ein spezifisch amerikanisches Phänomen?

Ehrlich gesagt: Das weiß ich nicht. Ich behaupte ja nicht, dass mich niemand aus voller Überzeugung hassen dürfte. Doch es ist verrückt, wie bewusst unpolitisch die Branche sein will. Menschen wie Bono versuchen wirklich, die Welt zu verbessern - er ist ein hart arbeitender Anwalt für die Armen und Schwachen. Erstaunlich nur, dass ihn viele Leute genau deswegen verachten. Das ist doch abwegig.

Politisches Denken im US-Showbiz schadet am Ende mehr, als es nützt?

Wenn ich mich in den vergangenen zehn Jahren darauf beschränkt hätte, mich zu betrinken, ab und zu Drogen einzuwerfen und in Strip-Clubs zu gehen ­ dann würde mich die US-Presse wahrscheinlich lieben. Verbringst du einen Teil deiner Zeit damit, dir Gedanken über Politik zu machen und eine eigene Meinung zuzulegen, verachten dich alle.

Wie sieht Ihre Prognose für die bevorstehenden Monate aus?

Mehrere Dinge stimmen mich optimistisch. Zum einen gefällt mir, dass Bush raus ist. Mir gefällt auch, dass wir die Möglichkeit haben, mit einem weiblichen oder schwarzen Präsidenten Geschichte zu schreiben. Wenn es so weiter geht, werden die kommenden Monate viel Spaß machen. Und wenn wir im November Hillary oder Barack als Sieger haben, wird es eine riesige Party geben. Gewinnt John McCain ­ kein schlechter Typ, aber trotzdem ein alter, weißer Republikaner -, dann werden zumindest wir New Yorker sehr deprimiert sein.

Interview: Jan-Henrik Petermann, dpa

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