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Polka, Polska und Bolanda

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Polens Armee wirbt kreativ um die Herzen der Iraker

Von Thomas Roser (Warschau)

"Wir sind keine Besatzungsmacht, Irak den Irakern!" Diese Aussage von Polens Staatspräsident Aleksander Kwasniewski liegt inzwischen ins Arabische übersetzt und tausendfach vervielfältigt im Marschgepäck der polnischen Soldaten, die als Besatzungstruppe von Anfang September an eine "Stabilisierungszone" in Zentralirak kontrollieren sollen. Polen kämpft um das Wohlwollen seiner Schützlinge in Irak. Und damit die Iraker die frohe Freundesbotschaft des Präsidenten aus Warschau auch verstehen, gibt es die Broschüren.

"Wird Aleksander Kwasniewski die Herzen der Iraker erobern?" fragt sich bereits die Tageszeitung Rzeczpospolita. Sie spricht vom "größten Propandafeldzug" in der Geschichte der polnischen Armee. Tatsächlich müssen die Soldaten in Irak nicht nur mit den präsidialen Worten um die Sympathie der Einheimischen buhlen. In ihren Tornistern haben sich die 2200 Militärs auch 8000 Foto-Prospekte über Polen und 10 000 Broschüren über die heimischen Streitkräfte gesteckt. Werbefilme, die über Islam-Tage in polnischen Kirchen berichten, sollen skeptische Iraker die Besatzungsmacht rasch als "Land der Toleranz" schätzen lassen.

Doch ein besetztes Volk lebt nicht vom schönen Propaganda-Wort allein. Während die Kwasniewski-Weisheiten schon bald den Altpapierpreis in der Zonenhauptstadt Babylon zu drücken drohen, dürften Polska-Kugelschreiber und Polska-Bonbons auf den Basaren zwischen Euphrat und Tigris Absatz finden. Geht es nach dem Willen des Verteidigungsministeriums wird auch das T-Shirt mit der Aufschrift "Bolanda" - arabisch für Polen - in Irak bald zum gefragten Artikel.

Selbst in irakischen Tanztempeln könnten neue Töne erklingen. Die Polka soll selbst missmutige Muselmanen zum Hüftschwung inspirieren: "Einige hundert" CDs mit polnischer Unterhaltungsmusik sollen dafür nach Irak geschickt werden.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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