Köln

Polizei vermutet Anschlagspläne auf Köln

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Razzia bei gewaltbereiten Islamisten:  Ein Sprengstoffhund schlägt auf Baustelle in der Innenstadt an

Die Kölner Polizei hat nach eigenen Angaben womöglich einen islamistischen Terroranschlag verhindert. Am Donnerstag haben die Ermittler sechs Wohnungen und Geschäftsräume in Düren sowie eine Baustelle in der Kölner Innenstadt durchsucht. Sechs Männer, die der islamistischen Szene angehören sollen, wurden zur Gefahrenabwehr vorläufig in Gewahrsam genommen.

Auf der Baustelle an der Hohen Pforte, nahe des Waidmarkts, wo die beiden Hauptverdächtigen gearbeitet haben, schlug am Mittag ein Sprengstoffspürhund an einer frisch eingezogenen Rigipswand an – bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe war jedoch noch unklar, ob sich dahinter tatsächlich Sprengmaterial befand.

Im Fokus der Ermittlungen steht der deutsch-libanesische Konvertit Wael C. Er sei seit Jahren als Gefährder eingestuft und habe mehrfach vergeblich versucht, in das Gebiet des „Islamischen Staats“ auszureisen, um dort zu kämpfen, berichtete der Chef der Kölner Kriminalpolizei, Stephan Becker. Der 30-jährige Wael C. lebte jahrelang in Berlin und gehörte dort der „High-End-Islamistenszene“ an, so Becker. In der Fussilet-Moschee, wo auch der Berlin-Attentäter Anis Amri verkehrte, hat Wael C. als sogenannter Vertretungsimam gepredigt.

Bei verdeckten Ermittlungen gewann die Polizei nach eigenen Angaben zuletzt den Eindruck, dass sich die Gefahr durch Wael C. zunehmend erhöhe. Vor einigen Tagen bekamen die Beamten mit, wie er sinngemäß gesagt haben soll, er plane den Aufstieg in die höchste paradiesische Stufe des muslimischen Glaubens. „Das kann ein Synonym für ein geplantes Selbstmordattentat sein“, so Becker.

Konvertit gilt als Gefährder

Zudem sei Wael C. diese Woche nach Düren in die Wohnung des zweiten Hauptverdächtigen Timo R. gezogen – ein 21-jähriger deutscher Konvertit, den die Sicherheitsbehörden seit einem Jahr als Gefährder einstufen. Timo R. gilt als höchst labil und gewaltbereit.

Auch bei zwei weiteren der sechs Verdächtigen handelt es sich um deutsche Konvertiten im Alter von 21 und 20 Jahren. Der Jüngere plane, Chemie zu studieren, weil seine Glaubensbrüder dies für eine gute Idee hielten, berichtete Becker. Am Donnerstagmittag nahm die Polizei zudem zwei Arbeitskollegen von Wael C. und Timo R. in Gewahrsam, bei denen anzunehmen sei, dass sie dem „Geflecht“ angehören, so Michael Esser, Leiter der Kriminalinspektion Staatsschutz bei der Polizei Köln.

Ungewiss sei zur Stunde noch, wo, wann oder wie die Verdächtigen womöglich ein Attentat begehen wollten, betonte Polizeipräsident Uwe Jacob. „Aber zu warten, bis wir genug Beweise hatten, war mir zu gefährlich.“ Die Ermittler werten nun mehr als 20 sichergestellte Mobiltelefone der Verdächtigen aus sowie Laptops und eine Festplatte.

In der Dürener Wohnung von Wael C. und Timo R. fand die Polizei zudem Baseballschläger, Messer und eine Flasche mit einer Flüssigkeit, die noch untersucht wird.

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