+
Das Protestcamp auf dem Münchener Rindermarkt am Samstag.

Asylbewerber Hungerstreik München

Polizei räumt Protestcamp

Im Morgengrauen stürmen Polizisten in München das Camp von ausländischen Flüchtlingen, die sich seit Tagen im Hungerstreik befanden. Ein letzter Vermittlungsversuch soll in der Nacht gescheitert sein. Mehrere der Asylbewerber schweben in Lebensgefahr.

Im Morgengrauen stürmen Polizisten in München das Camp von ausländischen Flüchtlingen, die sich seit Tagen im Hungerstreik befanden. Ein letzter Vermittlungsversuch soll in der Nacht gescheitert sein. Mehrere der Asylbewerber schweben in Lebensgefahr.

Seit einer Woche befanden sie sich im Hungerstreik, viele von ihnen haben seit Tagen nichts getrunken. Ziel der rund 50 ausländischen Flüchtlinge war die Anerkennung ihrer Asylantenanträge.

In der Nacht zum Sonntag haben Polizisten dann das Camp der Asylbewerber auf dem Rindermarkt in München gestürmt. "Das Kreisverwaltungsreferat hat die Versammlung aufgelöst, 44 Patienten sind mit dem Rettungsdienst auf zwölf Krankenhäuser verteilt worden", sagte Stadtsprecher Stefan Hauf der Nachrichtenagentur dpa. "Es war ein sehr schwieriger Einsatz", so Hauf. Die Polizei habe eine Sitzblockade aufgelöst. Der Gesundheitszustand der Hungerstreikenden sei kritisch gewesen. Die Polizei sperrte den Rindermarkt ab und räumte das Lager. Mitarbeiter der Stadt bauten am Morgen die Zelte ab.

Zuvor hatten die Asylbewerber aus Asien und Afrika angekündigt, ihren lebensgefährlichen Hungerstreik fortsetzen zu wollen. Konkret: Sie wollten sich zu Tode hungern.

Erreichen wollten die Flüchtlinge damit den Schutz vor politischer Verfolgung und "menschenwürdigen Aufnahmebedingungen". Zu den konkreten Zielen gehören die Abschaffung der Lagerunterbringung und der Lebensmittelpakete sowie die Aufhebung der Residenzpflicht, die die Bewegungsfreiheit der Asylsuchenden in Deutschland einschränkt. In Bayern seien die Bedigungen für Asylbewerber laut der Menschenrechtsorganisation "Pro Asyl" am schlechtesten.

Die Flüchtlinge im Münchener Camp stammten vor allem aus dem Iran, Afghanistan, Äthiopien, Syrien und Sierra Leone.

Mehrere Vermittlungsversuche gescheitert

Mehrere Vermittlungsversuche seien gescheitert, bestätigte ein Sprecher der Stadt München. Ein Vermittlungsversuch des früheren SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel und des ehemaligen CSU-Politikers Alois Glück war in der Nacht gescheitert.

"Das Kreisverwaltungsreferat hat die Versammlung aufgelöst, 44 Patienten sind mit dem Rettungsdienst auf zwölf Krankenhäuser verteilt worden", sagte Stadtsprecher Stefan Hauf der Nachrichtenagentur dpa. Die Räumung habe um 5 Uhr begonnen und sei nun abgeschlossen.

Die Flüchtlinge befanden sich seit einer Woche im Hungerstreik und weigerten sich seit Dienstag auch zu trinken, was innerhalb weniger Tage zum Tod führen kann. Seit Beginn der Aktion waren nach Angaben der Behörden 35 Flüchtlinge kollabiert. Einige seien zum Teil mehrfach in die Klinik gebracht worden. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass der Krisenstab von Stadt und Staatsregierung Tote in München verhindern will.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte sich mit Ude bei einem Krisentreffen in der Staatskanzlei auf den Vermittlungsversuch verständigt. Der Landtagswahlkampf sollte angesichts des Ernsts der Lage zurückstehen. Ude tritt bei der Wahl im September als SPD-Spitzenkandidat gegen
Seehofer an. (dpa, ah)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion