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Die Polizei ist mit Großaufgebot vor Ort.

Hambacher Forst

Polizei räumt erstes Bauwerk der Hambach-Aktivisten

Bewohner der Baumhäuser im Hambacher Forst zur Räumung aufgefordert - Polizei steht mit Großaufgebot bereit ? Scharfe Kritik von Klimaschützern

Die Polizei hat im Braunkohlerevier Hambacher Forst ein erstes Bauwerk der Baumbesetzer abgebaut. Ein Aktivist, der zuvor auf der Plattform oben auf dem Baumstamm saß, sei unmittelbar vor dem Polizeieinsatz am Donnerstag weggeklettert, sagte ein Polizeisprecher.

Die Polizei steht seit Donnerstag am Morgen im Hambacher Forst mit einem Großaufgebot bereit, um die Räumung notfalls zwangsweise durchzusetzen. Das nordhein-westfälische Bauministerium hatte die Stadt Kerpen und den Kreis Düren am Mittwochabend angewiesen, die Baumhäuser unverzüglich zu räumen. Als Grund wurde der fehlende Brandschutz bei den Baumhäusern genannt.

Die Polizei hatte im Vorfeld mit „Zwangsmaßnahmen“ gedroht, sollte die Räumung nicht freiwillig erfolgen. Aufgrund der Baumhöhen bestehe ein besonderes Gefahrenpotenzial für alle, schrieb die Polizei Aachen im Kurzbotschaftendienst Twitter. „Wir möchten nicht, dass Menschen zu Schaden kommen.“ Die NRW-Beamten werden bei dem Einsatz von Polizisten auch aus anderen Bundesländern unterstützt.

Antikohle-Initiative „Ende Gelände“ fordert Stopp

Die Antikohle-Initiative „Ende Gelände“ forderte einen sofortigen Stopp der Räumungsaktion. Sie warf dem Energiekonzern und Tagebaubetreiber RWE vor, den Konflikt um den Erhalt des Hambacher Forstes willentlich anzuheizen. „Der Landesregierung und RWE sind die Argumente ausgegangen, und nun zwingen sie die Kommunen mit einer vorgeschobenen Begründung dazu, ihr dreckiges Geschäft zu verrichten“, kritisierte Sprecherin Karolina Drzewo.

Auch die Umweltorganisation Greenpeace warf der schwarz-gelben NRW-Regierung vor, sich „zum Erfüllungsgehilfen von RWEs brandgefährlicher Eskalationsstrategie“ zu machen. „Während in Berlin die Kohlekommission über eine Kompromiss zum sozialverträglichen Kohleausstieg diskutiert, sieht die Bundesregierung tatenlos zu, wie RWE im Hambacher Forst einen gesellschaftlichen Konflikt maximal anheizt“, erklärte Greenpeace-Sprecherin Gesche Jürgens.

Kanzlerin Merkel soll deeskalieren

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse „jetzt deeskalieren und weitere Räumungen verhindern“, bis die Kommission ihre Arbeit abgeschlossen habe. „Merkel darf nicht zulassen, dass ein möglicher Kompromiss in der Kohlefrage durch eine weitere Eskalation verhindert wird.“

Der Hambacher Forst im rheinischen Braunkohlerevier ist Symbol für den Kampf von Umweltschützern gegen die Kohleverstromung. Der Energiekonzern RWE will dort ab Mitte Oktober hundert Hektar Wald roden, um einen Braunkohletagebau zu vergrößern – dies sei „kurzfristig zwingend erforderlich“, um die Kohleförderung aus dem Tagebau Hambach sicherzustellen, argumentiert der Konzern. (FR mit afp)

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