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Polizeifahrzeuge in Quebec in der Nähe einer Moschee, die Ziel eines Terroranschlags wurde.
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Polizeifahrzeuge in Quebec in der Nähe einer Moschee, die Ziel eines Terroranschlags wurde.

Kanada

Polizei geht von nur einem Moschee-Attentäter aus

  • Jörg Michel
    VonJörg Michel
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Kanada gilt als Musterland für Integration. Ausgerechnet dort nimmt ein Angreifer eine Moschee ins Visier und tötet sechs Menschen. Premier Trudeau wird Angriffe von Rechts abwehren müssen – nicht zum ersten Mal.

Bei einem Anschlag auf eine Moschee sind am Sonntagabend in der frankokanadischen Stadt Québec sechs Menschen beim Gebet erschossen und acht schwer verletzt worden. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau sprach in einer ersten Stellungnahme von einer „terroristischen Attacke auf Muslime“.

Nach Angaben der Polizei wurden nach der Tat zwei Verdächtige festgenommen. Einer sei in der Nähe der Moschee verhaftet, ein anderer etwa eine halbe Stunde später nach einer Verfolgungsjagd aufgegriffen worden. Über die Identität der Personen, deren mögliche Motive und die Hintergründe der Tat gab die Polizei bis zum frühen Morgen keinerlei Auskunft. Einen der Männer behandelt die Polizei dann aber bald als Zeugen und spricht nur noch von einem mutmaßlichen Täter.

Laut Augenzeugen waren gegen acht Uhr abends zwei maskierte Personen mit Waffen in die Moschee im Québecer Vorort Ste-Foy eingedrungen. Einer der Angreifer war nach Angaben der Zeitung „Le Soleil“ mit einem Kalaschnikow-Gewehr bewaffnet.

Zu diesem Zeitpunkt waren rund 40 Menschen in dem Gotteshaus, die meisten von ihnen Männer. Im Obergeschoss des Gebäudes hatten sich auch einige Frauen und Kinder aufgehalten.

Der Premierminister der französischsprachigen Provinz Québec, Philippe Couillard, sagte auf einer Pressekonferenz am Montag, es gebe bisher sehr wenige Informationen über die zunächst zwei festgenommenen Männer. Beide studierten an der bekannten Laval-Universität in Québec, einer von ihnen soll marokkanischer Herkunft sein, wie Radio Canada unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtete.

Politik der offenen Türen

Premierminister Trudeau, der eine liberale Einwanderungspolitik vertritt, verurteilte die Tat scharf: „Muslimische Kanadier sind ein wichtiger Teil unseres nationalen Gefüges und diese sinnlosen Gewalttaten haben keinen Platz in unserem Land, in unseren Gemeinden und unseren Städten.“

Der Anschlag trifft Kanada hart, und das nur einen Tag, nachdem Trudeau demonstrativ betont hatte, Flüchtlinge aus aller Welt seien in seinem Land willkommen. Das Statement war von vielen als Kritik an der neuen restriktiven Visa-Politik von US-Präsident Donald Trump gewertet worden.

Kanada vertritt weiter eine Politik der offenen Türen und hat bislang etwa 40 000 Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen, deutlich mehr als die Vereinigten Staaten. Die Integrations- und Einwanderungspolitik Kanadas gilt international als vorbildhaft. Zugleich sind die Waffengesetze des Landes ungleich schärfer als die der USA. Nicht zuletzt deswegen kommt es deutlich seltener zu Massenschießereien oder gar folgenschweren Anschlägen. Dennoch war auch Kanada in den letzten Jahren nicht vor fremdenfeindlichen oder islamistischen Vorfällen gefeit. Besonders in der überwiegend frankokanadischen Provinz Québec kommt es seit Jahren zu Problemen.

Im vergangenen Jahr war vor derselben Moschee, in der jetzt Menschen erschossen wurden, der Kopf eines Schweins gefunden worden. 2013 wurde ein muslimisches Gotteshaus in der Provinz Saguenay mit Schweineblut beschmiert. Das Schwein gilt im Islam als unreines Tier, dessen Fleisch nicht gegessen werden darf.

Andererseits begingen muslimische Kanadier Attentate im eigenen Land, etwa 2014, als binnen weniger Tage zwei Täter in Ottawa und Québec drei Soldaten erschossen. Nach Québec sind in den vergangenen Jahren relativ viele Muslime eingewandert, die meisten von ihnen kamen aus Ländern Nordafrikas. In der weitgehend säkularisierten Provinz führte das mitunter zu Problemen. So verbannte die ehemalige separatistische Regierung Québecs den Gesichtsschleier Niqab aus Teilen des öffentlichen Lebens, wogegen Muslime scharf protestierten.

Bei der letzten kanadischen Parlamentswahl 2015 hatte der ehemalige Premierminister Stephen Harper versucht, mit antiislamischen Tönen in Québec zu punkten, und vorgeschlagen, Bürger sollten sogenannte „barbarische kulturelle Praktiken“ über eine Telefon-Hotline an den Staat melden. Das Tragen eines Niqabs wollte er landesweit einschränken. Große Teile der Bevölkerung hielten nichts von den Vorschlägen, Harper wurde abgewählt. (mit dpa)

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