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Polizei erschießt 16-Jährigen: Reul (CDU) warnt vor Vorverurteilung

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Von: Moritz Serif

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NRW-Innenminister Herbert Reul
NRW-Innenminister Herbert Reul äußert sich zum Polizeieinsatz.  © David Young/dpa/Archivbild

Ein Polizist erschießt einen 16-Jährigen mit einer Maschinenpistole. NRWs Innenminister Herbert Reul meldet sich zu Wort.

Dortmund - Ein Polizist hat einen psychisch auffällige 16-Jährigen in Dortmund erschossen, der ein Messer bei sich trug. Insgesamt waren es elf Beamtinnen und Beamte, die beteiligt waren. Herbert Reul, CDU-Innenminister, warnt vor Vorverurteilungen und pauschaler Kritik.

„Ich erlebe jetzt im Moment Menschen, die wissen genau, wie der Ablauf in diesem Fall war und wer da was falsch gemacht hat“, kritisierte Reul am Donnerstag im WDR5-Morgenecho. „Ich weiß das noch nicht. Und ich habe garantiert im Moment mehr Informationen als manch anderer.“

Dortmund: Reul verspricht Aufklärung

Reul versprach, dass der Fall „hundertprozentig aufgeklärt“ werde. „Ich lasse da nichts liegen“, kündigte er an. „Aber es muss fair zugehen.“ Am Montag hatte ein Polizeibeamter laut Staatsanwaltschaft vor einer Jugendhilfeeinrichtung in Dortmund mit einer Maschinenpistole sechsmal auf einen 16-jährigen Senegalesen geschossen. Fünf Schüsse trafen den Jugendlichen an Bauch, Gesicht, Unterarm und Schulter. Er starb im Krankenhaus.

„Es ist immer klug, dezidiert die Fakten zu analysieren“, sagte Innenminister Reul. Dafür gebe es eine unabhängige Justiz, die Polizei, die von einer anderen Behörde mitprüfe, und zukünftig einen unabhängigen Polizeibeauftragten. „Dieser Polizist, der am Ende geschossen hat, wird am Ende betrachtet wie jeder andere Bürger, der geschossen hat“, sagte der CDU-Politiker. Über die Ermittlungen entscheide am Schluss die Staatsanwaltschaft. Er rate allen, sich diesen Fall genau anzuschauen.

Kriminologe kritisiert Polizeieinsatz: „Warum eine Maschinenpistole?“

Der Bochumer Kriminologe Prof. Thomas Feltes kritisierte den Polizeieinsatz in Dortmund. „Warum wurde dort eine Maschinenpistole eingesetzt? Das ist überhaupt nicht nachvollziehbar“, sagte Feltes. Die Maschinenpistole (MP) sei vor allem für Amoklagen gedacht, nicht für Einsätze gegen psychisch auffällige Jugendliche.

In der Dortmunder Nordstadt, einem sozialen Brennpunkt, sei die Polizei „nicht gerade für Zurückhaltung bekannt“, ergänzte Feltes. Er kritisierte, dass in den Köpfen der Polizisten die Maxime fest verankert sei, „das Problem jetzt und sofort zu lösen“. In solchen Fällen sei es aber oft besser, die Lage zu stabilisieren und sich, wenn möglich, zurückzuziehen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Laut Staatsanwaltschaft wird mit Blick auf den Polizeibeamten, der auf den Jugendlichen geschossen hat, der Anfangsverdacht der Körperverletzung mit Todesfolge geprüft. Die Entscheidung darüber, ob Anklage erhoben oder das Verfahren eingestellt wird, werde einige Wochen dauern. (mse/epd/dpa)

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