Sowohl Aschraf Ghani als auch Abdullah Abdullah wollen sich am Montag zum Regierungschef ernennen lassen.
+
Sowohl Aschraf Ghani als auch Abdullah Abdullah wollen sich am Montag zum Regierungschef ernennen lassen.

Nach Präsidentschaftswahl

Chaos in Afghanistan: Zwei Männer ernennen sich zum Präsidenten

  • Sophia Lother
    vonSophia Lother
    schließen

In Afghanistan wollen sich am Montag sowohl Amtsinhaber Aschraf  Ghani als auch Herausforderer Abdullah Abdullah zum Präsidenten ernennen lassen.

  • Afghanistan steht vor einer innenpolitischen Krise
  • Amtsinhaber Aschraf Ghani und Herausforderer Abdullah Abdullah beanspruchen den Wahlsieg für sich
  • Einen Tag vor Verhandlungen mit den Taliban wollen sich die Kontrahenten vereidigen lassen

Kabul - In Afghanistan droht sich die innenpolitische Krise weiter zuzuspitzen. Gleich zwei Politiker wollen sich am Montag zum Präsidenten des Landes ernennen lassen. Sowohl der bisherige Amtsinhaber Aschraf Ghani als auch der Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah beanspruchen die Mehrheit der Stimmen für sich. 

Afghanistan: Ein innenpolitisches Chaos bahnt sich nach der Präsidentenwahl an

Bereits seit mehreren Monaten wird in Afghanistan über das Ergebnis der Präsidentenwahl vom September 2019 gestritten. Am 18. Februar hat die Wahlkommission den bisherigen Amtsinhaber Ghani zum Sieger erklärt, mit 50,64 Prozent der Wählerstimmen. Sein Herausforderer Abdullah focht dieses Ergebnis an und forderte eine Überprüfung von 300.000 Stimmen, die seiner Ansicht nach ungültig waren. 

Bei der Präsidentenwahl in Afghanistan im September war es zu mehreren Anschlägen gekommen. Ein Selbstmordanschlag auf eine Wahlkampfveranstaltung des Amtsinhabers Ghani in Kabul forderte mindestens 26 Todesopfer. Ghani selbst blieb unverletzt. In der Stadt Kabul tötete ein Selbstmordattentäter mindestens 22 Menschen, Ziel des Anschlags sei eine Einrichtung des Verteidigungsministeriums gewesen.

Die Wahlbeteiligung lag bei 15 Prozent, so gering wie noch nie seit dem Fall des Taliban-Regimes 2001. Nach Berichten von Provinzräten sollen vor allem Frauen den Wahllokalen ferngeblieben sein.

Beide Kontrahenten wollen sich am Montag zum Präsidenten vereidigen lassen

Ein Sprecher des Amtsinhabers Ghani teilte mit: „Laut der Verfassung und dem Wahlsystem wird Präsident, wer die Mehrheit der Stimmen gewonnen hat. Auf dieser rechtlichen Grundlage wird Ashraf Ghani seinen Amtseid ablegen.“ Die Vereidigung von Aschraf Ghani soll im Präsidentenpalast vor hunderten afghanischen und ausländischen Gästen stattfinden.

Sprecher des Herausforderers äußerten sich ähnlich, auch Abdullah plant am Montag eine Zeremonie mit anschließender Regierungsbildung.

Innenpolitisches Chaos in Afghanistan vor wichtigen Verhandlungen mit Taliban

Der Zeitpunkt eines innenpolitischen Chaos könnte schlechter nicht sein. Ende Februar hatten die USA und Vertreter der militant-islamistischen Taliban ein Abkommen über Wege zu einem Frieden in Afghanistan unterzeichnet. Innerafghanische Friedensgespräche sollten nun am zehnten März folgen. Nur einen Tag nach der zeremoniellen Vereidigung des bzw. der Präsidenten.

Um in den Verhandlungen mit den Islamisten zu bestehen, ist Beobachtern zufolge vor allem Einigkeit auf Regierungsseite vonnöten.

slo/dpa

Kommentare