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Israelische Medien bewerteten die Lage nach dem erneuten Schlaganfall von Ministerpräsident Ariel Scharon als dramatisch. "Mit der gebotenen Vorsicht - es scheint als sei die Ära Scharons an der Spitze Israels an ihr tragisches Ende gelangt", kommentierte "Haaretz". Die größte Zeitung des Landes, "Jedioth Ahronoth", titelte: "Die letzte Schlacht."

Politische Ära Scharon vor dem Ende

Israels Ministerpräsident nach Schlaganfall weiter unter Narkose / Krisensitzung des Kabinetts / Parlamentswahl findet wie geplant stattIsrael ist in Sorge um Ariel Scharon: Der israelische Ministerpräsident wird nach seinem zweiten Schlaganfall weiter unter Narkose gehalten. Nach einer nächtlichen Not-Operation konnten Ärzte die Hirnblutungen des 77-Jährigen stoppen. Sein Zustand sei stabil, aber ernst, so ein Arzt. Eine Rückkehr Scharons auf die politische Bühne scheint ausgeschlossen. Mehr dazu im dpa-Thema des Tages. Dossier: Der Kampf ums Heilige Land

Jerusalem (ap). Der israelische Ministerpräsidenten Ariel Scharon bleibt nach seinem schweren Schlaganfall vorerst weiter unter Narkose. Nach einer nächtlichen Notoperation teilte Klinikdirektor Schlomo Mor-Josef am Donnerstag in Jerusalem mit, dass der 77-Jährige mindestens 24 Stunden lang in diesem Zustand gehalten werde. "Die Situation ist immer noch ernst, aber stabil", sagte der Arzt.

Nach dem Schlaganfall übernahm Scharons Stellvertreter Ehud Olmert die Regierungsgeschäfte. Es sei allen klar, dass der 77-Jährige seine Arbeit nicht mehr weiterführen könne, sagte ein Kabinettsmitglied. "Das ist ein schwerer Tag", sagte Olmert zu Beginn einer Krisensitzung. Ein Minister sagte, es gehe jetzt vor allem um Stabilität und Kontinuität. Generalstaatsanwalt Meni Masus beschloss während der Kabinettssitzung, dass die für den 28 März angesetzte Parlamentswahl nicht verschoben werde.

Den Ärzten der Hadassa-Klinik in Jerusalem gelang es am Donnerstagmorgen, die Hirnblutung des Patienten zu stoppen. Danach wurde er auf die Intensivstation der Neurochirurgie gebracht und künstlich beatmet. Die fortgesetzte Narkose soll den Druck im Gehirn niedrig halten und die Rekonvaleszenz unterstützen.

Der Regierungschef hatte am Vorabend plötzlich über Unwohlsein geklagt, als er sich noch auf seinem Landsitz im Süden der Wüste Negev befand. Er wurde sofort mit einem Krankenwagen nach Jerusalem gefahren. Während der etwa einstündigen Fahrt sei es dann zu dem Schlaganfall gekommen, sagte der stellvertretende Klinikdirektor Schmuel Schapira.

Scharon hätte sich am Donnerstag einer Herzoperation unterziehen sollen. Diese wurde notwendig, nachdem der Patient vor eineinhalb Wochen einen leichteren Schlaganfall erlitten hatte. Als Ursache wurde ein kleines Loch im Herzen ausgemacht, das mit einem Katheter geschlossen werden sollte.

Die schwere Erkrankung Scharons fällt in eine Zeit des politischen Umbruchs. Im Streit über den weiteren Kurs im Konflikt mit den Palästinensern hatte Scharon am 21. November den Likud-Block verlassen und die neue Partei Kadima gegründet. An deren Spitze wollte er sich am 28. März um das Mandat für eine dritte Amtszeit bewerben.

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