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Die Frankfurter Rundschau hat Wählerinnen und Wähler in ganz Deutschland angerufen, um zu erfahren, was sie von der Politik erwarten ? und was sie von ihr halten.
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Die Frankfurter Rundschau hat Wählerinnen und Wähler in ganz Deutschland angerufen, um zu erfahren, was sie von der Politik erwarten ? und was sie von ihr halten.

FR-Serie "Vor-Wahl"

"Politiker rühren sich erst, wenn es eine Lobby gibt"

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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FR-Serie "Vor-Wahl", Teil 2: Für die Rostockerin Marie Heidenreich wiegt das Thema Verkehr besonders schwer.

Marie Heidenreich ist 28 Jahre alt und lebt in Rostock. Die Wissenschaftsjournalistin, die sich auf Meeresforschung spezialisiert hat, geht „immer“ zur Wahl, „wenn ich es irgendwie einrichten kann“. Und wenn nicht, hat sie „ein furchtbar schlechtes Gewissen. Mir ist das unheimlich wichtig.“

Auf die Frage nach wahlentscheidenden Themen denkt die Biowissenschaftlerin und Kulturanthropologin keine Sekunde nach: „Richtig wichtig ist mir ein funktionierendes Verkehrsnetz, vor allen Dingen für Fahrräder.“ In Rostock fühle sie sich auf dem Rad „wie ein gejagtes Reh“, sagt Heidenreich, die in Münster studiert hat. „Andere Städte lösen das mit den Fahrrädern viel schlauer. Ich finde es einfach verrückt, dass die Politik das nicht stärker unterstützt.“

Deshalb ist natürlich klar: „Wenn eine Partei sagen würde: Wir führen mehr Fahrradstraßen ein, wir verbessern die Radwege, wir schauen, dass Ampeln für Fußgänger und Radfahrer schneller auf Grün springen und nicht der ganze Verkehr nur auf Autos ausgelegt ist – dann würde ich diese Partei sofort wählen.“ Nur, dass sie nach dem Eindruck der Journalistin leider nicht existiert: „Es gibt einzelne Politiker, die wie ich ein persönliches Interesse daran haben. Aber in den Parteiprogrammen spielt das Thema praktisch keine Rolle. Und wenn man etwas opfert, dann immer als Erstes das.“

Heißt das dann nicht, dass sie keine der Parteien wählen kann? „Nein. Ich weiß zwar, dass meine Stimme nicht wahnsinnig viel Einfluss hat. Aber diese kleine Möglichkeit zur Mitsprache, die uns bleibt, auszulassen – das fühlt sich falsch an.“

„Medien haben viel Macht“

Marie Heidenreich hat durchaus das Gefühl, auch zwischen den Wahlen etwas bewirken zu können: „Ich glaube, dass viele Politiker sich erst rühren, wenn sie merken, dass es für ein Thema eine Lobby gibt und dass die öffentliche Meinung in diese Richtung tendiert. Insofern haben Medien sehr viel Macht: Was in den Medien steht, beeinflusst politische Entscheidungen. Und was die Medien nicht berücksichtigen, das interessiert dann auch viele Politiker nicht.“

Über Twitter verfolgt die begeisterte Radlerin die zahlreichen lokalen Volksinitiativen zum Thema: „Ich glaube: Wenn sich viele Bürger zusammentun, dann erreichen sie erst die Medien und dann auch die Politik. Zumindest ist das meine Hoffnung.“ Persönlich beteiligt sich Marie Heidenreich auch an den Aktionen von „Critical Mass“, einer Bewegung, die nach Art eines Flashmobs auf Rädern die Verkehrspolitiker unter Druck zu setzen versucht: „Da fahre ich mit.“

Nun ist es nicht so, dass die junge Frau vor lauter Fahrrad die Welt nicht mehr sähe. „Mindestens genauso wichtig“ ist ihr das Flüchtlingsthema. Hier gehe es um „Politik, die über Leben und Tod entscheidet“, und das Urteil ist eindeutig: „Die Entscheidung, den Familiennachzug auszusetzen, ist so unmenschlich, dass sie einige Parteien für mich bis in alle Zeiten unwählbar macht.“

„Änderungswille nicht da“

Zum Duell Merkel gegen Schulz sagt Marie Heidenreich: „Auch wenn viele jetzt Martin Schulz als Populisten verschreien, kann ich mir vorstellen, dass er gar nicht so ein schlechter Kanzler wäre.“ Allerdings: „Die Leute wissen nicht genau, wofür Schulz steht, mal abgesehen von einem diffusen Gerechtigkeitsbild. Ich kann mit beiden Kandidaten nicht besonders viel anfangen.“ Bei den Wählerinnen und Wählern sei ohnehin „der Änderungswille gar nicht da“, meint die Journalistin.

Viele wollen einfach, dass es keine großen Umbrüche in ihrem Leben gibt und dass es weitergeht wie bisher.“ Und der Kanzlerin „trauen die Leute eher als Schulz zu, Putin, Erdogan und Trump in Zaum zu halten“. 

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