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Hüben Slubice, drüben Frankfurt (Oder). Dazwischen liegen Corona-Welten.
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Hüben Slubice, drüben Frankfurt (Oder). Dazwischen liegen Corona-Welten.

Corona

Polens Tanz auf der dritten Welle

  • Ulrich Krökel
    VonUlrich Krökel
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Polen lockerte seine Corona-Regelungen zu früh – und wollte sie dann nicht zurücknehmen. Aus Angst vor Umsatzeinbußen Nun droht der gesundheitliche Notstand.

Die dritte Welle der Corona-Pandemie trifft Polen mit der Wucht eines Tsunami. Zwar stieg die Zahl der Neuinfektionen schon seit Mitte Februar. Am Mittwoch jedoch schoss sie von knapp 10 000 auf mehr als 17 000 in die Höhe. Am Donnerstag meldeten die Behörden 21 045 weitere Infektionen. Und das Schlimmste dürfte noch kommen. „Den Scheitelpunkt der dritten Welle erwarten wir erst in zwei, drei Wochen“, warnte Gesundheitsminister Adam Niedzielski.

Fachleute projizieren bereits eine nochmalige Verdoppelung der Infektionen bis Ostern. „Es sieht so aus, als ob die neue Welle durch die Decke geht“, mahnte Ärztekammer-Mitglied Pawel Grzesiowski. Kommt es so, dürfte das chronisch unterfinanzierte Gesundheitssystem seine Belastungsgrenze bald überschreiten. Aktuell sind schon zwei Drittel der Klinikbetten belegt, die für die Behandlung von Covid-19-Fällen vorgesehen sind. Eine ähnliche Quote gilt für die genutzten Beatmungsgeräte.

Die Wucht der dritten Welle ist vor allem das Resultat politischer Entscheidungen. Mitte Februar entschloss sich die Regierung probeweise zu Lockerungen des Lockdowns. Einkaufszentren durften zunächst für zwei Wochen wieder öffnen, ebenso Museen, Kinos, Theater und Hotels. Zwar blieb die Zahl der zulässigen Kundschaft und Besuche auf 50 Prozent beschränkt. Das änderte aber nichts an dem Ansturm der Menschen. Gleich am ersten Öffnungswochenende erlebte Polen im beliebten Wintersportort Zakopane seinen „Ischgl-Moment“. Menschen drängten sich vor den Skiliften und in Einkaufstraßen. Sie tanzten und tranken, sangen und schunkelten.

Minister Niedzielski bewertete denn auch das Verhalten seiner Landsleute als „dumm und verantwortungslos“. Wider besseres Wissen aber nahm die Regierung die Lockerungen nach jener Testphase nicht zurück, obwohl die Impfkampagne ähnlich schleppend anlief wie in Deutschland und immer öfter Fälle mutierter Virusvarianten auftraten. Lediglich in einigen der am stärksten betroffenen Regionen wurden die Regeln wieder verschärft. Von Montag an gilt das auch in der Woiwodschaft Masowien mit Warschau und im Lebuser Land an der Grenze zu Brandenburg und Sachsen.

Wichtigster Grund für die frühen Öffnungen war die Sorge vor irreparablen wirtschaftlichen Schäden. Selbst eingefleischte Kritiker der rechtsnationalen PiS-Regierung in Warschau räumen ein, dass der Handlungsspielraum der Verantwortlichen eng ist. „Polen ist weniger wohlhabend als Deutschland und kann den Unternehmen viel weniger Mittel zur Verfügung stellen“, sagt etwa der liberale Publizist und Kulturmanager Basil Kerski, der das Europäische Solidarnosc-Zentrum in Danzig leitet. Tatsächlich hat die deutsche Regierung etwa siebenmal so viel Geld für Wirtschaftshilfen lockergemacht wie die polnische. Der Preis für die Öffnungen ist allerdings hoch. An die 46 000 Menschen starben in Polen bislang an Covid-19.

Gemessen an der Bevölkerung sind das fast 50 Prozent mehr Todesfälle als in Deutschland. Und der Abstand dürfte sich vergrößern. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag in Polen am Donnerstag bei 245,5 gegenüber 69,1 beim westlichen Nachbarn. Angesichts dessen dürfte die Bundesregierung Polen demnächst komplett als Hochrisikogebiet deklarieren. Die angrenzenden Bundesländer bereiten sich unter Hochdruck auf Verschärfungen des Grenzregimes vor. Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg haben bereits „auf Vorrat“ strenge Einreisebestimmungen beschlossen. Sollte Polen Hochrisikogebiet werden, sollen beispielsweise Grenzpendler:innen alle 48 Stunden einen negativen Corona-Test vorlegen.

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