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Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski (r.) bei Gesprächen mit seinem Amtskollegen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Sikorski Polen

Polen wartet auf neue Enthüllungen des Lauschangriffs

Die neuen Enthüllungen des polnischen Nachrichtenmagazins "Wprost" könnte die polnische Regierung weiter in Bedrängnis bringen. Diesmal sollen die Abhörprotokolle Außenminister Sikorski zeigen.

Das polnische Nachrichtenmagazin "Wprost" will am Montag erneut brisante Aufnahmen des Lauschangriffs auf polnische Politiker veröffentlichen. "Das polnisch-amerikanische Bündnis ist nichts wert. Totaler Bullshit", soll Außenminister Radoslaw Sikorski dem ehemaligen Finanzminister Jacek Rostowski gesagt haben, wie polnische Medien am Sonntag aus einer Vorabveröffentlichung des Magazins zitierten. "Wir haben Konflikte mit den Deutschen, mit Russland, und wir tun so, als sei alles super, weil wir den Amerikanern einen Gefallen tun. Totale Verlierer."

Eine "Wprost"-Sprecherin sagte am Sonntag in einer Fernsehdiskussion, das Gespräch sei Ende Januar oder Anfang Februar geführt worden.

Eine Regierungssprecherin wollte zu den Vorabberichten keine Stellung nehmen. Einen Kommentar werde es erst nach der Veröffentlichung des neuen "Wprost"-Artikels am Montag geben. Ein Anwalt des Magazins hatte der Staatsanwaltschaft bereits am Samstag das Material mit den illegal aufgezeichneten Aufnahmen übergeben. Die "Wprost"-Journalisten hatten sich zuvor geweigert, die Aufnahmen auszuhändigen, so lange nicht sicher war, ob die Anonymität ihres Informanten garantiert war.

"Wprost"-Herausgeber Michal Lisiecki twitterte am Sonntag, das Treffen von Sikorski und Rostowski habe in einem Restaurant in der Nähe des Warschauer Außenministeriums stattgefunden. Dieses Restaurant ist auch bei Warschauer Diplomaten beliebt für Geschäftsessen. Quelle der Informationen sei ein Geschäftsmann.

"Wprost" hatte am vergangenen Montag mit dem Abdruck eines illegal aufgezeichneten Gesprächs zwischen Innenminister Bartlomiej Sienkiewicz und Nationalbankchef Marek Belka die Abhöraffäre bekannt gemacht. Dabei ging es unter anderem um eine von Belka geforderte Entlassung Rostowskis und Unterstützung der Nationalbank bei der Haushaltskonsolidierung. Die Affäre brachte die Regierung von Donald Tusk in eine schwere Krise.

Vorzeitige Wahlen in Polen werden nicht mehr ausgeschlossen. Der nationalkonservative Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski will am Montag mit den übrigen Oppositionsparteien Gespräche über ein Misstrauensvotum gegen Tusks Regierung führen. Leszek Miller, Chef der Linkspartei SLD, appellierte am Sonntag an Tusk, selbst die Vertrauensfrage zu stellen.

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