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Tödlicher Raketeneinschlag: Polen freut sich über Abwehrsystem-Angebot aus Deutschland

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Von: Tobias Utz, Chistian Weihrauch, Nail Akkoyun, Sandra Kathe, Vincent Büssow

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Die Bundeswehr will die Flugabwehr Polens unterstützen. Dafür soll der Nato-Nachbarstaat Deutschlands neue Raketen und Flugzeuge erhalten.

+++ 14.00 Uhr: Nach dem Angebot von Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD), dem Nato-Partner Polen mit einem Patriot-Abwehrsystem auszuhelfen, hat sich ihr polnischer Amtskollege Mariusz Blaszczak zu Wort gemeldet. Der polnische Verteidigungsminister habe das Angebot mit „großer Zufriedenheit“ zur Kenntnis genommen. Weiter sagte Blaszczak, er wolle vorschlagen, das Abwehrsystem in der Nähe von Polens Grenze zur Ukraine zu stationieren.

Ein Konvoi der Bundeswehr mit Patriot-Raketen beladen. (Archivbild)
Ein Konvoi der Bundeswehr mit Patriot-Raketen beladen. (Archivbild) © Frank Molter

Update vom Montag, 21. November 2022, 11.00 Uhr: Die Bundesregierung reagiert auf den Einschlag von Raketen in Polen. Laut Verteidigungsministerin Christine Lambrecht soll Warschau ein Patriot-Abwehrsystem erhalten. „Wir haben Polen angeboten, es bei der Absicherung des Luftraums zu unterstützen – mit unseren Eurofightern und mit Patriot-Luftverteidigungssystemen“, so Lambrecht gegenüber der Rheinischen Post und dem General-Anzeiger.

Raketeneinschlag in Polen: Ermittlungen vor Ort offenbar abgeschlossen

+++ 18.10 Uhr: Sind die Ermittlungen vor Ort nach dem tödlichen Raketeneinschlag abgeschlossen? Vieles spricht nach Augenzeugenberichten dafür. Einsatzkräfte und Ermittler haben den Ort der Explosion offenbar vorerst verlassen, berichtet der Spiegel und beruft sich dabei auf die Nachrichtenagentur PAP.

Am Ortseingang des Dorfes Przewodow waren demnach keine Polizisten mehr zu sehen. Sie hatten zuvor das Gelände um die Einschlagsstelle gesichert. Auf dem Gelände des Getreidespeichers, den die Rakete traf, waren auch keine Einsatzkräfte und Ermittler tätig. Von offizieller Seite gab es dazu keine Angaben.

Raketeneinschlag in Polen: Russland erhebt schwere Vorwürfe gegen Ukraine

Update vom Sonntag, 20. November 2022, 08.45 Uhr: Aus Russlands Botschaft in Washington DC (USA) kommen nach dem Raketeneinschlag in Polen neue Vorwürfe gegen die Ukraine. Das berichtet das US-Nachrichtenportal Newsweek. Der russische Botschafter Anatoly Antonov sagte gegenüber dem Portal: „Die ukrainischen Behörden flehen Washington nicht nur an, mehr militärische Hilfe zu leisten, sondern versuchen auch, einen militärischen Konflikt zwischen der russischen Föderation und der Nato zu provozieren.“

Polen wiederum hat nach dem Raketeneinschlag im Zuge des Ukraine-Kriegs damit begonnen, die Grenze zur russischen Enklave zu sichern. Soldaten stellten am Grenzverlauf Zäune auf und verlegten Stacheldraht.

Raketeneinschlag in Polen: Russland reagiert empört auf Entscheidung Warschaus

+++ 18.01 Uhr: Russland hat empört auf die Entscheidung von Gastgeber Polen reagiert, dem russischen Außenminister Sergej Lawrow die Teilnahme am bevorstehenden OSZE-Gipfel zu verweigern. Der Schritt sei „beispiellos und provokativ“, erklärte das Außenministerium in Moskau am Samstag. Polen habe damit der Glaubwürdigkeit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) „irreparablen Schaden zugefügt“. Polen hatte nach dem Raketeneinschlag im eigenen Land Lawrow die Einreise zum OSZE-Gipfel verwehrt (siehe Meldung um 14 Uhr).

+++ 15.46 Uhr: In Polen ist eines der beiden Todesopfer des Raketeneinschlags im Grenzgebiet zur Ukraine mit einem Staatsbegräbnis beigesetzt worden. Die Beerdigung des 62-jährigen Lagerverwalters fand am Samstag in dem kleinen Dorf Przewodow mit einer militärischen Zeremonie statt, wie die Nachrichtenagentur PAP berichtete. Eine Ehrenkompanie des 2. Aufklärungsregiments aus Hrubieszow war angetreten. Bilder des polnischen Fernsehens zeigten große Trauerkränze mit Schleifen in den Farben der polnischen und ukrainischen Flagge.

Polen: Spannungen mit Russland wegen Ukraine-Kriegs

+++ 14.00 Uhr: Nach dem tödlichen Raketeneinschlag am Dienstag (15. November) wachsen die Spannungen zwischen Polen und Russland. So hat Polen der Delegation um Außenminister Sergei Lawrow die Einreise zum OSZE-Gipfel verwehrt. Das russische Verteidigungsministerium bezeichnete diesen Schritt in einem Brief als „beispiellos und provokativ“, wie das polnische Nachrichtenportal Rzeczpospolita schreibt. Demnach appelliert das Ministerium an die übrigen OSZE-Mitglieder, die russische Seite bei dem Streit zu unterstützen.

Das Jahrestreffen der 57 Außenminister der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, bei dem Polen die Präsidentschaft innehat, soll am 1. und 2. Dezember in Lodz stattfinden. Aufgrund der blutigen Vorgeschichte zwischen Polen und Russland ist der ukrainische Nachbarstaat besonders kritisch gegenüber dem Angreifer.

Tödlicher Raketeneinschlag in Polen: Innenminister spricht von „unglücklichem Unfall“

+++ 11.30 Uhr: Der polnische Innenminister, Mariusz Kamiński, hat bekräftigt, dass es sich bei der Rakete, die in Polen zwei Menschen getötet hat, aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Geschoss aus der Ukraine handelte. Zu diesem Zeitpunkt könne er verantwortungsvoll sagen, dass es zu einem „unglücklichen Unfall“ gekommen sei, sagte Kamiński am Samstagmorgen (19. November) im Gespräch mit dem Radiosender RMF FM. Er legte allerdings den Fokus auf die Angriffe aus Russland, die letztendlich zu dem Einschlag in Polen geführt haben sollen.

Der Innenminister sprach außerdem von den ersten Momenten, nachdem der Vorfall bekannt geworden war. „Für jeden von uns war der erste und offensichtlichste Gedanke, dass wir von Russland angegriffen wurden. Es war eine Selbstverständlichkeit für jeden Polen und nicht nur für Polen. Wir mussten sofort mehrere Ereignisszenarien parallel arrangieren.“ Gleichzeitig verteidigte er die bedachte Reaktion der Regierung, der in Polen teilweise vorgeworfen wird, eine öffentliche Äußerung zu lange hinausgezögert zu haben.

+++ 9.09 Uhr: Nachdem mindestens eine Rakete in Polen zwei Menschen getötet hat, fordert Donald Trump Jr. die Reduzierung von Zahlungen an die Ukraine. Auf Twitter schrieb der Sohn des ehemaligen Präsidenten „da es eine Rakete der Ukraine war, die unseren NATO-Partner Polen getroffen hat, können wir wenigstens aufhören Milliarden auszugeben, um sie zu bewaffnen?“ Tatsächlich laufen die Untersuchungen über den Ursprung des Geschosses noch. Die Republikaner um Donald Trump fordern bereits seit längerem weniger Geld an die Ukraine zu senden.

Tödlicher Raketeneinschlag in Polen: Morawiecki sieht Ursache bei Russland

+++ 22.50 Uhr: Auch wenn die Klärung der genauen Umstände des Raketeneinschlags im ostpolnischen Dorf Przewodów noch nicht abgeschlossen sei: Der eigentliche Grund des Unglücks, das zwei Menschen das Leben kostete, sei die russische Aggression gegenüber der Ukraine. Das sagte der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki laut einem Bericht des Nachrichtenportals Ukrainska Pravda in einem Radio-Podcast des Senders Polskie Radio Lublin. Gleichzeitig betonte Morawiecki: „Wenn die Ukraine von Russland besetzt würde, bräuchten wir keinen Krieg zu provozieren. Der Krieg würde von selbst zu uns kommen. Putin wird nicht aufhören, der Kreml wird immer weiter machen. Passiv zu sein wäre Selbstmord für uns.“

Morawiecki kündigte außerdem an, dass polnische Ermittlungsteams bei Bedarf auch in die Ukraine reisen könnten, um Hinweisen nachzugehen und Spuren zu sichten. Das sagte der Politiker der polnischen Nachrichtenseite RMF24. Für die schnellstmögliche Klärung des Vorfalls arbeiteten die polnischen Teams auch mit internationalen Fachleuten, etwa aus den USA zusammen. Auch mit der ukrainischen Seite wolle man so eng wie möglich zusammenarbeiten, „denn vergessen wir nicht, dass sie heute für Frieden, für Sicherheit, für Frieden in Europa kämpfen, auch in Polen.“

Nach tödlichem Raketeneinschlag in Polen: Sullivan ermahnte wohl Selenskyj

+++ 17.32 Uhr: Nach dem tödlichen Raketeneinschlag in Polen überschlugen sich die Ereignisse. Nur wenige Stunden nachdem er Einschlag bekannt wurde, betonte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Ansprache bereits, dass es sich um eine russische Rakete und einen Angriff handele. Bidens Sicherheitsberater Jake Sullivan soll daraufhin das Gespräch mit Selenskyj gesucht haben. Wie Insider gegenüber CNN berichteten, soll er auch zu einer vorsichtigeren Rhetorik aufgerufen haben. Das Festhalten des ukrainischen Präsidenten soll auch in der polnischen Politik für Verwunderung gesorgt haben, berichtet der Nachrichtensender.

Tödlicher Raketeneinschlag in Polen: Neue Details widersprechen Nato-Verdacht

+++ 15.00 Uhr: Nach dem tödlichen Raketeneinschlag auf polnischem Staatsgebiet rechnet Polens Präsident Andrzej Duda mit weiteren Vorfällen dieser Art. „Leider müssen wir in gewissem Sinne darauf vorbereitet sein, dass sich Unfälle als Folge des Krieges an unserer Grenze wiederholen können“, sagte Duda am Freitag in der ostpolnischen Stadt Rzeszow.

Zwar werde Polen alles tun, um sicherzustellen, dass dies nicht passiere. Doch leider sei es unmöglich, sich vor so einem Ereignis wie dem Raketeneinschlag zu schützen, sagte Duda weiter. Militärexpertinnen und Militärexperten hätten ihm erklärt, dass kein Raketenabwehrsystem in der Lage gewesen wäre, dieses Geschoss auf polnischem Hoheitsgebiet abzufangen, da dafür die Zeit nicht ausgereicht hätte.

Raketeneinschlag in Polen: Kiew und Warschau wollen gemeinsam ermitteln

+++ 12.50 Uhr: Nach dem Raketeneinschlag auf polnischem Staatsgebiet beraten Polen und die Ukraine derzeit nach Angaben aus Warschau über die Einsetzung einer internationalen Ermittlergruppe. Dies sei eine von zwei Möglichkeiten, ukrainische Spezialisten an den Untersuchungen am Absturzort zu beteiligen, sagte der Chef des Büros für Nationale Sicherheit beim polnischen Präsidenten, Jacek Siewiera, dem Sender TVN24.

Der Ukraine sei bereits am Mittwoch in einem Schreiben mitgeteilt worden, dass die polnische Seite die Anwesenheit von Vertretern der ukrainischen Verwaltung an der Einschlagsstelle gestatte, sagte Siewiera. Für eine aktive Beteiligung an den Ermittlungen gebe es zwei juristische Wege. Entweder könne die Ukraine ein internationales Rechtshilfe-Ersuchen stellen oder Polens Generalstaatsanwalt eine internationale Ermittlergruppe einsetzen. „Derzeit hat die ukrainische Seite keinen Rechtsbeistand beantragt; es laufen Gespräche – vielleicht sind sie schon abgeschlossen - über eine internationale Gruppe“, sagte Siewiera.

Raketeneinschlag in Polen: Neue Details bekannt

Update vom Freitag, 18. November, 8.30 Uhr: Nachdem die Nato neue Details zu den Ermittlungen des Raketeneinschlags in der südostpolnischen Ortschaft Przewodow bekannt gegeben hat (s. Erstmeldung), sorgt nun ein Medienbericht aus Polen für Aufregung. Laut Angaben der Zeitung Gazeta Wyborcza soll es eindeutige Hinweise darauf geben, dass das Geschoss aus dem Arsenal der ukrainischen Armee stammt.

Konsultation und Bündnisfall: Das bedeuten Artikel 4 und 5 des Nato-Vertrages

Der Bericht steht zudem teils in Widerspruch zu den Angaben der Nato: Das Militärbündnis hatte laut einem Bericht des Magazins Business Insider erklärt, dass ein technischer Fehler die Selbstzerstörung der Rakete vom Typ „S-300“ verhindert habe. Deshalb sei die Rakete ungebremst auf polnischem Gelände eingeschlagen. Die Gazeta Wyborcza berichtete nun allerdings, die Rakete sei in der Luft explodiert, nachdem sie das Ziel verfehlte. Die Trümmerteile seien anschließend kurz hinter der polnisch-ukrainischen Grenze in der Ortschaft Przewodow eingeschlagen.

Dem Bericht der Gazeta Wyborcza nach sollen polnische Behörden zudem relativ früh davon gewusst und die Informationen zurückgehalten haben. Anlass dessen war demnach, dass es noch keine Einschätzung der US-Regierung am Dienstagabend gab. Dies wurde unter anderem dadurch verstärkt, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Polen kommunizierte, dass es sich definitiv um eine russische Rakete handle. Laut Bericht soll Selenskyj geplant haben, die uneindeutige Lage für seine strategischen Ziele nutzen zu wollen. Dafür gibt es jedoch keinerlei Beweise. Dass Selenskyjs Äußerungen auch in Polen für Verunsicherung sorgten, zeigt auch, dass sich der polnische Präsident laut dem Bericht der Gazeta Wyborcza zurückhielt. Er wollte sich demnach bereits am Dienstagabend dazu äußern, dass es sich um eine ukrainische Rakete handle, wurde jedoch von Sicherheitsbehörden gebremst.

Weiterhin heißt es von den Sicherheitsbehörden, dass die Ermittlungen zum tödlichen Raketeneinschlag in Polen noch laufen. Man wolle in den kommenden Tagen neue Einzelheiten nennen.

Raketeneinschlag in Polen: Nato hat neuen Verdacht

Erstmeldung vom Donnerstag, 17. November, 16.00 Uhr: Warschau – Weiterhin herrscht Unklarheit, was und wer tatsächlich hinter dem Raketeneinschlag in Polen steckt. Die Ermittlungen laufen noch. Allerdings werden immer mehr Details bekannt. Laut Angaben des polnischen Justizministers Zbigniew Ziobro wurden Trümmer eines Geschosses am Krater gefunden, welche auf das Flugabwehrsystem „S-300“ hinweisen. Sowohl die russische als auch die ukrainische Armee setzt dieses ein.

Die Nato geht einem Bericht zufolge nun von einem „tragischen Unfall“ aus. Wie das Magazin Business Insider berichtet, sei ein technischer Fehler die mögliche Ursache dafür. Statt die Flugabwehrrakete in der Luft per Fernsteuerung zu zerstören, sei die Rakete weitergeflogen – und auf polnischem Gelände eingeschlagen.

Raketeneinschlag in Polen: Ging Selbstzerstörung schief?

Laut Oberstleutnant Tanel Lelov, Inspekteur der Luftverteidigung von Nato-Mitglied Estland, ist eine Zerstörung der Rakete möglich: „Wenn die abgefeuerte Rakete ihr Ziel verfehlt oder innerhalb einer bestimmten Zeitspanne nicht trifft, zerstört sie sich in der Luft selbst“, sagte er dem estnischen TV-Sender ERR.

Aus der Ukraine gibt es zu diesen Details bislang kein Statement. Präsident Wolodymyr Selenskyj revidierte jüngst lediglich seine Einschätzung, dass definitiv Russland hinter dem Raketeneinschlag in Polen stecke. Er berief sich am Mittwoch auf Berichte des ukrainischen Militärs. Der Kreml wiederum erklärte, Russland habe mit der Sache „nichts zu tun“. „Ich weiß nicht, was passiert ist. Wir wissen es nicht mit Sicherheit. Die ganze Welt weiß es nicht“, erklärte der ukrainische Staatschef am Donnerstag. Dennoch sollen nun ukrainische Fachleute den Krater untersuchen. Sie sind Teil einer internationalen Untersuchung, die den Vorfall weiter aufklären soll.

Die russische Regierung reagierte ihrerseits mit Vorwürfen gegenüber dem Westen. „Wir verstehen, dass unsere Feinde nach einem Vorwand suchen, um den Druck zu erhöhen und dem Pfad der Eskalation zu folgen“, sagte der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. Derzeit werde in einer „absurden und sturen“ Weise versucht, Russland die Schuld zuzuschieben.

Polen: Zwei Menschen sterben bei Raketeneinschlag

Bei dem Raketeneinschlag in der südostpolnischen Ortschaft Przewodow nahe der Grenze zur Ukraine waren am Dienstag zwei Menschen getötet worden. (tu/nak/chw mit dpa/AFP)

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