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Polen

Frau stirbt bei Risikogeburt: Proteste in Polen gegen rigides Abtreibungsgesetz

  • VonMirko Schmid
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Die rechtskonservative Regierung in Polen hat Abtreibungen stark eingeschränkt. Nach dem Tod einer Frau gehen die Menschen deswegen auf die Straße.

Warschau – Die rechtskonservative PiS-Regierung in Polen ist strikt gegen Abtreibung. Nun wird der stark durch ein christlich-dogmatisches Weltbild geprägten Administration von Zehntausenden vorgeworfen, am Tod einer jungen Frau mitschuldig zu sein. Dabei handelt es sich um die 30-jährige Izabela, die während der Geburt verstorben war.

Ihr Tod wäre wohl zu verhindern gewesen, hätte die PiS-Regierung das bereits zuvor rigide beschränkte Recht auf eine Abtreibung nicht noch weiter eingeschränkt. Zuvor war eine Abtreibung in drei Fällen möglich: Im Falle einer durch ein Verbrechen wie eine Vergewaltigung zustande gekommenen Schwangerschaft (die Nachweispflicht liegt hier beim Opfer), im Falle einer unmittelbaren Lebensgefahr der werdenden Mutter durch die Schwangerschaft und im Falle eines dauerhaften Schadens des Fötus.

Das maßgeblich von der PiS-Regierung eingesetzte Verfassungstribunal hatte die letzte Möglichkeit zuletzt ersatzlos gestrichen und so weiter dazu beigetragen, die Möglichkeiten eines rechtskonformen Schwangerschaftsabbruches weiter einzuschränken. Kritiker:innen bemängeln, dass eine Abtreibung in Polen im aktuellen Rechtsrahmen de facto nahezu ausgeschlossen sei. Vielerorts ist in Polen zu hören, dass Ärztinnen und Ärzte aus Angst vor einer Strafverfolgung zögerten, einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen.

Menschen leuchten mit ihren Handy-Taschenlampen, um gegen das restriktive Abtreibungsgesetz zu protestieren. Einige Demonstranten halten das Portrait einer Frau hoch, die in der 22. Schwangerschaftswoche an einem septischen Schock gestorben ist.

Polnische Rechts-Regierung schränkt Abtreibungen ein, Frau stirbt bei Geburt

Genau das könnte Izabela zum Verhängnis geworden sein. Sowohl ihre Familie als auch ihre Anwältin Jolanta Budzowska betonen, dass bereits frühzeitig festgestellt worden sei, dass die Schwangere nicht genügend Fruchtwasser gehabt habe. Dennoch hätten die Mediziner:innen gezögert, die Schwangerschaft abzubrechen, um Izabela das Leben zu retten. Budzowska bekräftigte: „Die Ärzte haben den Tod des Fötus abgewartet. Der Fötus ist tot, die Patientin ist tot, septischer Schock.“

Gegen die behandelnden Ärzte wird seitens der Staatsanwaltschaft ermittelt, solange die Untersuchungen andauern, sind sie suspendiert. Das polnische Gesundheitsministerium verwehrt sich gegen eine Verurteilung der Regierung. „Es sollte klar betont werden, dass Ärzte keine Angst davor haben dürfen, offensichtliche Entscheidungen zu treffen, die auf ihrer Erfahrung und dem verfügbaren medizinischen Wissen beruhen“, ließ das Ministerium wissen.

In ganz Polen demonstrieren Menschen gegen strikte Abtreibungsgesetze der extrem rechten PiS-Regierung

Dies ändert nichts daran, dass Frauenrechtsgruppen im Fall Izabela vom ersten Opfer des seit einem Jahr geltenden De facto-Abtreibungsverbotes sprechen. Gemeinsam mit vielen Tausend Menschen, unter ihnen der ehemalige EU-Ratspräsident und Oppositionsführer Donald Tusk, gingen verschiedene dieser Gruppen in Warschau auf die Straße. Auch in anderen polnischen Städten wie Breslau, Danzig, Posen und Bialystok kam es zu Demonstrationen.

Die geltende Gesetzeslage führt dazu, dass in Polen eine hohe Dunkelziffer illegal vorgenommener und im Allgemeinen als zum Teil lebensgefährlich eingeschätzter Abtreibungen vorgenommen werden. Auf weniger als 2.000 legale Abtreibungen jährlich sollen rund 200.000 Abtreibungen kommen, die entweder vorbei am offiziellen Gesundheitssystem oder im Ausland vorgenommen werden. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Czarek Sokolowski

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