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Der Richter Dariusz Mazur.

Roman Polanski

Polen darf Polanski nicht an USA ausliefern

Polen darf den Filmregisseur Roman Polanski nicht an die USA ausliefern. Das beschließt ein Gericht im polnischen Krakau, nachdem die US-Justiz eine Auslieferung des 82-Jährigen wegen eines Sexualverbrechens in den 70er Jahren beantragt hatte.

Ein Gericht im polnischen Krakau hat sich am Freitag mit einem Antrag der USA auf Auslieferung von Starregisseur Roman Polanski befasst. Gegen 13.30 Uhr erklärte das Gericht, dass Polen Polanski nicht an die USA ausliefern darf. Die USA werfen Polanski vor, im Jahr 1977 die damals 13-jährige Samantha Geimer vergewaltigt zu haben. Der 82-Jährige hielt sich zwar in Krakau auf, blieb aber dem Verfahren nach Angaben seines Anwalts Jan Olszewski aus "emotionalen Gründen" fern.

Der Gerichtssprecherin zufolge haben beide Seiten das Recht, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen. Sollte dem Gesuch letztendlich stattgeben werden, obliegt die endgültige Entscheidung über eine Auslieferung dem Justizministerium in Warschau.

Der Regisseur hatte damals nach seiner Festnahme in den USA gestanden, Sex mit der minderjährigen Geimer gehabt zu haben. Nach 42 Tagen im Gefängnis nutzte er seine vorläufige Freilassung kurz vor Verkündung des Strafmaßes zur Flucht nach Europa: Er hatte gefürchtet, dass die Strafe trotz einer Übereinkunft mit der Anklage höher als vereinbart ausfallen würde. Seine Verteidiger argumentieren nun, das Auslieferungsgesuch sei unbegründet, da es in dem ersten Prozess in den USA zu einer Einigung gekommen war, der auch die Anwälte des Opfers zugestimmt hätten.

Polanski ist polnischer und französischer Staatsbürger. Die USA hatten sich bereits um eine Festnahme des Regisseurs bemüht, als dieser im Oktober vergangenen Jahres zur Eröffnung des Jüdischen Museums nach Warschau gereist war. Schon damals wurde der Regisseur von den polnischen Behörden befragt, durfte aber wieder gehen.

Der Filmemacher war bereits 2009 auf US-Anweisung in Zürich festgenommen worden. Anschließend stand er in seinem Chalet im Schweizer Skiort Gstaad unter Hausarrest, bis ihn die Behörden nach rund zehn Monaten wegen Unklarheiten im Auslieferungsgesuch wieder freiließen.

Der Fall ist inzwischen auch in der polnischen Politik angekommen. Ein Vertreter der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit(PiS), der Siegerin der Parlamentswahl vom vergangenen Wochenende, sprach sich am Donnerstag für Polanskis Auslieferung aus. "Pädophilie ist etwas Böses, das verfolgt werden muss", sagte der ehemalige Justizminister Zbigniew Ziobro, ein enger Vertrauter von Parteichef Jaroslaw Kaczynski, vor Journalisten. Kaczynski selbst hatte während des Wahlkampfs gesagt, er lehne "die Vorstellung ab, dass jemandem die Strafe erlassen werde, weil er ein bedeutender, weltberühmter Regisseur ist."

Polanski dreht zurzeit in Polen einen neuen Film über die Dreyfus-Affäre, die Frankreich im 19. Jahrhundert erschüttert hatte. Der französische Hauptmann Alfred Dreyfus wurde 1894 fälschlicherweise wegen Spionage verurteilt - sein Schicksal wurde zu einem Symbol für Ungerechtigkeit und Antisemitismus.

In ihren vor zwei Jahren veröffentlichten Memoiren bekräftigte Geimer ihre Version, wonach sie von Polanski vergewaltigt worden war. Gleichzeitig aber betonte sie, dass sie dem Regisseur verziehen habe und machte der damaligen Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe: In der kalifornischen Justiz habe es "korrupte Akteure" gegeben, "deren Gier nach Öffentlichkeit ihr Bemühen um Gerechtigkeit übertraf". (afp/dpa)

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