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Tausende Frauen demonstrierten 2016 vor dem polnischen Parlament für das Recht auf Abtreibung.

„Abortion Without Borders“

Polen: Hilfe für ungewollt Schwangere bei der Abtreibung

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Polen hat eines der restriktivsten Abtreibungsgesetze der EU. Doch Frauen, die eine Abtreibung planen, können künftig auf ein EU-weites Netzwerk zählen - auch finanziell.

Polen - Aktivistinnen und Aktivisten aus vier EU-Staaten haben sich in Warschau zu einem Bündnis zusammengeschlossen, das ungewollt schwangere Frauen in Polen bei sicheren Abtreibungen unterstützt. Alle Gruppen arbeiten bereits seit mehreren Jahren zusammen, jetzt wollen sie mithilfe des Netzwerks „Abortion without Borders“ – zu deutsch „Abtreibung ohne Grenzen“ – ihre grenzüberschreitenden Strukturen professionalisieren. In Polen gibt es jetzt eine zentrale Hotline für  hilfesuchende Frauen. Nach einer ersten Beratung werden sie an jene Gruppen im Netzwerk vermittelt, die in ihrer individuellen Situation am besten helfen können. Außerdem ist geplant, künftig Schwangerschaftsabbrüche zu finanzieren, wenn die betroffenen Frauen selbst nicht genug Geld haben.

Polen mit einem der repressivsten Abtreibungsgesetze der EU

Die Aktivistin Justyna Wydrzynska von der polnischen Organisation „Kobiety w Sieci“ (Frauen im Netz) sagte am Mittwoch in Warschau: „Dieses neue Projekt wird es uns ermöglichen, mehr Menschen zu erreichen, insbesondere diejenigen, die es sich nicht leisten können, für die Abtreibung zu bezahlen.“

Polen hat eines der repressivsten Abtreibungsgesetze der EU. Schwangerschaftsabbrüche sind lediglich bei medizinischer Indikation oder nach Vergewaltigungen legal – und selbst dann dürfen Ärzte sie aus Gewissensgründen ablehnen. Auch Menschen, die Frauen bei einer Abtreibung unterstützen, müssen mit Strafen rechnen. Gerade in ländlichen Gebieten ist es für Polinnen deshalb schwierig, sich neutral zu informieren oder Zugang zu Abtreibungsmedikamenten zu bekommen. Immer wieder suchen Frauen Hilfe in sogenannten Kellerkliniken, die sich an der Not der Betroffenen bereichern.

Reisen ins Ausland

Schon seit einigen Jahren unterstützt „Kobiety w Sieci“ deswegen hilfesuchende Frauen. Die Organisation sagt, sie informiere „vorurteilsfrei“ über verschiedene Optionen des Schwangerschaftsabbruches. Wenn nötig, organisieren die Aktivistinnen zusammen mit ihren Partnerorganisationen wie "Ciocia Basia" oder "Women Help Women" kurze Reisen nach Deutschland, Großbritannien oder in die Niederlande, um die Abtreibungen dort in seriösen Kliniken durchführen zu lassen. Doch bislang mussten die Frauen die Kosten von rund 400 bis mehr als 1000 Euro stets selbst tragen.

Mara Clarke vom britischen Abortion Support Network hat jahrelange Erfahrung bei der Unterstützung von Frauen in Irland, wo erst 2018 das Abtreibungsverbot aufgehoben wurde. Sie sagt: „Sich keine Abtreibung leisten zu können, sollte nie der einzige Grund sein, warum jemand ein Kind bekommt.“

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