+
Annegret Kramp-Karrenbauer soll den Kanzlerjob übernehmen, findet die Werteunion.

Werteunion

Sehnsucht nach der „guten, alten Zeit“

  • schließen

Die Werteunion propagiert das Leitbild Vater, Mutter, Kinder, ist gegen die Aufnahme von Flüchtlingen und nun begeistert von Annegret Kramp-Karrenbauer.

Mit ihrer Koalitionsdebatte hatte die SPD das Thema gesetzt, Alexander Mitsch musste nur noch aufspringen. Am Freitag twitterte er also, viele in der CDU wünschten sich einen „baldigen Wechsel im Kanzleramt“. Und um sicherzugehen, dass die Botschaft auch wirklich ankommt, legte er am Montag in einem Interview nach: „Es wäre für die Union das Beste, wenn Frau Merkel ihr Amt geordnet und möglichst bald an AKK übergibt.“

Kanzlerinnen-Abgang, bitte zügig. So deutlich war das bisher vor allem von der AfD zu hören. Aber Mitsch ist CDU-Mitglied, stolzer Beisitzer im Kreisvorstand Rhein-Neckar – und Chef der Werteunion. Die wiederum ist ein Kreis konservativer Unions-Anhänger, manche sagen: Unions-Rebellen. Obwohl sie das gar nicht so gerne hören. Man rebelliere ja nicht, sagt der Vize-Vorsitzende Thomas Jahn (CSU) aus Kaufbeuren. „Wir vertreten nur das, was vor 15 Jahren Mainstream in der Partei war.“

Aus Sicht der Werteunion war das die gute, alte Zeit, die Vor-Merkel-Ära. Den „Tendenzen der inhaltlichen Beliebigkeit“, die sich seither bemerkbar gemacht hätten, wolle man einen „frischen, konservativen Geist“ entgegenstellen. So steht es auf der Homepage und diese Haltung kommt an. Inzwischen ist die Werteunion offenbar einflussreich genug, um Kanzlerinnen-Debatten anzuzetteln.

Dabei fing alles klein an. Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, dass sich rund 70 unzufriedene Unions-Anhänger im schicken Palais Hirsch in Schwetzingen bei Heidelberg trafen, um sich zu organisieren. Inzwischen haben sie laut Jahn etwa 5000 Mitglieder, davon vielleicht zehn Bundes- und Landtagsabgeordnete, die allermeisten sind Kommunalpolitiker. Der Zulauf ist groß. „Wir kriegen jede Woche 400 bis 500 Mitgliedsanträge“, sagt Jahn. Was schön sei, aber logistisch ein Kraftakt.

Eine „inhaltliche und personelle Erneuerung“ der CDU hat sich die Werteunion vorgenommen. Mitsch sagt: „Die CDU hat sich von mir weg bewegt.“ Da wo er politisch stehe, sei früher die Mitte der CDU gewesen. Mitsch war lange in der baden-württembergischen Jungen Union aktiv. Er erzählt, er habe damals für den Schutz der Wale gekämpft und für den Nato-Doppelbeschluss.

Die Werteunion propagiert das „Leitbild Vater, Mutter, Kinder“. In ihrem „Konservativen Manifest“ finden sich Sätze wie dieser: „Als dicht besiedeltes Industrieland ist Deutschland ungeeignet zur Aufnahme von Asylbewerbern und Flüchtlingen.“

Zuletzt kamen zwei prominente Unions-Haderer dazu. Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen und der Politologe Werner Patzelt, dem manche ein wenig zu viel Verständnis für AfD und Co. attestieren. Andere stehen der Vereinigung nahe, ohne dabei zu sein. Gesundheitsminister Jens Spahn etwa oder Friedrich Merz, den die Werteunion gerne als CDU-Chef gesehen hätte. Es kam dann anders.

In der Bundes-CDU sagen viele, die Werteunion sei nicht relevant. Doch nachdem Kramp-Karrenbauer im Rennen um den Parteivorsitz gesiegt hatte, gab sie Signale in Richtung der Enttäuschten: Sie sprach von Grenzschließungen und machte einen Witz über das dritte Geschlecht. „Sie bewegt sich geschickt in die richtige Richtung“, stellt Mitsch fest. Angela Merkel hat die Werteunion immer gemieden. Kramp-Karrenbauer traf sich als Generalsekretärin schon früh mit Mitsch. Als „Meilenstein“ wird das auf der Internet-Seite der Werteunion vermerkt.

Mitsch findet, dass Kramp-Karrenbauer den Kanzlerjob durchaus übernehmen könne. Merz solle da dann auch mitmischen, findet er. „Das Duo wäre fast unschlagbar.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion