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Gelbe Säcke für Verpackungsmüll und blaue Säcke für Papier liegen auf einem Grünstreifen.
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Das Müllvolumen in Deutschland steigt immer weiter an.

Mehr Pfand und Mehrweg

Bald BigMac auf Porzellan? Kommt der große Fast-Food-Knall? - Vorstoß der Umweltministerin

  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
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Auf verschiedene Weise wird gegen zu viel Plastik und Einweg-Verpackungen gekämpft. Die deutsche Umweltministerin bringt neue Vorschläge ein, die unter anderem für Restaurants wichtig werden.

  • Dem Plastiküberschuss wird seit Jahren von vielen Seiten der Kampf angesagt, doch weiterhin ist der Anteil an Verpackungsmüll in Deutschland hoch.
  • Umweltministerin Svenja Schulze (SPD*) will verstärkt auf Mehrwegprodukte setzen und die Pfandregeln ausweiten.
  • Doch da geht noch mehr, finden etwa die Grünen.

Berlin - Burger- und Sandwich-Verpackungen, Styropor-Schalen für Nudeln und Einweg Coffee-To-Go-Becher: Essen und Trinken zum Mitnehmen bedeutet häufig auch viel Verpackungsmüll. Für viele Restaurants ist dieser Außerhaus-Service aber gerade zu Zeiten des Teil-Lockdown am Ende dieses Corona-Jahrs enorm wichtig, um überhaupt etwas Geld verdienen zu können. Da „To-Go“ also sowieso im Trend liegt, sucht Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) weiter nach einer Möglichkeit, den Umweltaspekt mehr in den Vordergrund zu rücken.

Dass Plastik in den Weltmeeren, in Tieren und in unserer täglichen Umgebung ein Problem ist, ist nicht neu. Viele Organisationen setzen sich seit Jahren für weniger Müll und Verpackungen ein. Unter anderem hat die Europäische Union durchgesetzt, dass ab Mitte 2021 Einweg-Plastikbesteck und Plastik-Strohalme vom Markt verschwinden. Im Supermarkt gibt es heute eher Papiertüten statt dicken Plastiktüten wie früher.

Kampf gegen Plastik: Schulze will Mehrweg-Verpackungen und ausgeweitete Pfandpflicht

Doch es bleibt an vielen Stellen unschön: Überfüllte Mülleimer auf Straßen oder in Parks sind vor allem in Großstädten auch 2020 keine Seltenheit. Und das, obwohl viele Bäckereien und Cafés mittlerweile Mehrweg-Pfandbecher für Kaffee und andere Getränke anbieten. Ab 2022 soll das aus Sicht von Schulze Pflicht werden. Auch bei Speisen müsse nachgebessert werden. Deshalb sollen Anbieter von To-Go-Gerichten ebenfalls verpflichtend eine Mehrweg-Verpackung anbieten, sodass der Kunde selbst entscheiden kann - und zwar ohne Aufpreis bei dem Mehrwegprodukt. Zudem soll die Pfandpflicht auf alle Einweg-Plastikflaschen und Getränkedosen ausgeweitet werden, das heißt zum Beispiel auch für Saft, Wein oder Spirituosen gelten.

Doch der Gesetzesentwurf sieht auch Ausnahmen vor. Wenn ein Geschäft sowohl höchstens drei Mitarbeiter als auch eine Fläche von höchstens 50 Quadratmeter hat, dann soll es reichen, auf Wunsch den Kunden die Produkte in mitgebrachte Mehrwegbehälter abzufüllen. Der Verkauf von Essen auf Tellern oder in Alufolie gewickelt ist ebenso ausgenommen wie Pizzerien, die Pizza im Karton verkaufen. Denn das Ziel ist in erster Linie die Vermeidung von Plastikmüll.

Deshalb ist auch gutes Recycling von Plastik nötig. Dafür soll festgeschrieben werden, dass neue PET-Flaschen aber 2025 zu einem Viertel aus recyceltem Plastik bestehen müssen, sagte Schulze im SWR. Der Verbrauch von Verpackungen in Deutschland steigt Jahr für Jahr an: Nach Angaben des Umweltbundesamtes fielen 2018 insgesamt 18,9 Millionen Tonnen Müll an.

Plastik/Umweltministerium: Kommt das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode?

Dass das Verpackungsgesetz in Deutschland reformiert werden muss, hängt mit einer EU-Richtlinie zusammen. Teilweise geht Schulzes Vorhaben aber darüber hinaus. Ihr Staatssekretär, Jochen Flasbarth, ist „ganz zuversichtlich“, dass der Vorschlag in der Koalition mit der Union durchkomme. Laut Plan könnte das Gesetz schon im Sommer 2021 in Kraft treten, vorher müssen jedoch das Kabinett und der Bundestag zustimmen.

Die Grünen* im Bundestag fordern, noch weiter zu gehen. Nötig sei etwa mehr Mehrweg auch bei Lebensmittelverpackungen im Einzelhandel und bei Versandverpackungen. Von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wiederum gab es Lob, aber ebenfalls weitere Forderungen: „Es ist ein erster richtiger Schritt, Fast-Food-Ketten und Kaffeeverkaufsstellen zu verpflichten, wieder verwendbare Mehrweg-Becher und Essensboxen für To-go-Lebensmittel anzubieten“, sagte Vize-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Es brauche aber eine verbindliche Mehrwegquote. „Zudem müssen die negativen Umweltauswirkungen von Einwegbechern durch eine Abgabe im Preis spürbar werden“, mahnte sie - Mehrweg werde für die Verbraucher nur Standard, wenn Einweg deutlich teurer sei.

Die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Judith Skudelny, bezeichnete den Vorstoß der Bundesministerin sogar als „Farce“ und kritisierte nicht nur die Anschaffungskosten für Gastronomen: „Auf einmal zählt das Argument der Hygiene-Unsicherheit bei Mehrweg-Behältern nicht mehr, was gerade in einer Pandemie* äußerst fragwürdig ist.“ Schulze wisse allerdings ohnehin, dass das Gesetz in dieser Legislaturperiode nicht mehr umgesetzt werde, zeigte sich Skudelny überzeugt. (cibo mit Material von dpa und AFP) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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