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Kim Jong Un besucht eine Einheit der koreanischen Bürgerarmee.

Nordkorea

"Pjöngjang wünscht sich einen Friedensvertrag"

Nordkorea verspricht, sein Nuklearprogramm einzustellen - wie schon so oft in der Vergangenheit. Gescheitert sei ein Friedensabkommen aber immer an den USA, sagt Paik Hak-soonde vom südkoreanischen Thinktank Sejong im Interview.

Nordkorea verspricht, sein Nuklearprogramm einzustellen - wie schon so oft in der Vergangenheit. Gescheitert sei ein Friedensabkommen aber immer an den USA, sagt Paik Hak-soonde vom südkoreanischen Thinktank Sejong im Interview.

Professor Paik, Nordkorea hat gegenüber den USA versprochen, sein Nuklearprogramm bis auf weiteres einzustellen, im Gegenzug für umfangreiche Lebensmittellieferungen. Wie kam es zu dieser überraschenden Einigung?

Beide Seiten haben praktische Gründe, auf einander zuzugehen. In den USA herrscht Präsidentschaftswahlkampf, und Barack Obama hat die Vision von einer nuklearwaffenfreien Welt zu einer Säule seiner Außenpolitik gemacht. Da will er sich von den Republikanern nun nicht vorwerfen lassen müssen, er habe zugelassen, dass in Nordkorea so etwas wie ein neues Pakistan entsteht, eine weitere unkontrollierbare Atommacht. Ein neuer nordkoreanischer Nukleartest mitten im Wahlkampf wäre für Obama ein Albtraum. Außerdem ist es den USA mit diesem bilateralen Abkommen gelungen, den Rivalen China unter Druck zu setzen. Die Chinesen sind ja eigentlich die engsten Verbündeten der Nordkoreaner und werden nicht glücklich sein, dass sie bei dieser Entscheidung außen vor geblieben sind.

Und was sind Nordkoreas Motive?

Für die Nordkoreaner ist die Nuklearfrage eng mit dem noch immer nicht beendeten Koreakrieg verbunden. Grundsätzlich wünscht sich Pjöngjang einen Friedensvertrag mit den US und eine Normalisierung der Beziehungen. Denn solange dieses Problem ungelöst ist, kann Nordkoreas Regierung auch ihre anderen Probleme nicht in den Griff bekommen und eine Strategie für die Zukunft entwickeln.

Demonstriert Nordkoreas neuer Herrscher Kim Jong-un also bereits einen anderen Politikstil als sein im Dezember verstorbener Vater Kim Jong-il?

Um das zu bewerten, ist es noch zu früh. Auch Kim Jong-il hat sich um eine neue Strategie bemüht, nur ist er nicht sehr weit damit gekommen. Aus nordkoreanischer Sicht ist die Lage wirklich sehr vertrackt: China ist Nordkoreas einziger Verbündeter, aber wenn die Nordkoreaner dieser einseitigen Abhängigkeit entkommen wollen, haben sie keine andere Wahl, als mit Ländern wie den USA, Südkorea oder Japan zu kooperieren. Dass Pjöngjangs neue Führung aber schon jetzt eine solche Initiative startet, zeigt immerhin, dass sie sich innenpolitisch sicher im Sattel fühlt.

Aber ist es nicht die blanke Not, die Nordkorea dazu treibt, Lebensmittelhilfen einzutreiben? Das Regime hat seinem Volk schließlich versprochen, dass zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung im April ein „Zeitalter der Prosperität“ anfangen werde.

Dass Nordkorea seine Versorgungsprobleme nicht aus eigener Kraft lösen kann, ist der Regierung schon lange klar. Deshalb sind Lebensmittellieferungen schon seit Anfang der 1990er ein fester Bestandteil der Nukleargespräche. Allerdings ist diese Unterstützung für die Nordkoreaner nicht nur eine Frage praktischer Notwendigkeit. Sie sind gegenüber den USA sehr misstrauisch und suchen deshalb immer nach Anzeichen von gutem Willen und der Bereitschaft, ihr Land ernst zu nehmen. Deshalb ist es gut, dass Obama bereit ist, in einer positiven Weise auf die Nordkoreaner zuzugehen. Wenn Washington bereit ist, Pjöngjang als Partner zu akzeptieren und dem Regime eine friedliche Koexistenz zuzusichern, ist ein Friedensabkommen möglich.

Aber wie steht es um die Ernsthaftigkeit der Nordkoreaner? In der Vergangenheit haben sie mehrfach zugesagt, ihr Nuklearprogramm einzustellen, ihre Versprechen aber immer wieder gebrochen.

So wird das häufig gesehen, aber wenn man sich die Geschichte des ganzen Konflikts ansieht, muss man zugeben, dass es zuerst die USA waren, die ihre Versprechen nicht gehalten haben.

In den 1990ern hatten sie den Nordkoreanern einen Leichtwasserreaktor versprochen, diesen dann aber nicht geliefert.

Genau. Kim Jong-il war damals offenbar wirklich bereit, sein Nuklearprogramm aufzugeben, wenn die Amerikaner ihm helfen, sein Energieproblem zu lösen. Dass die USA ihn dann im Stich gelassen haben, hat die Verhandlungsbereitschaft nachhaltig beschädigt. Wenn dieser Konflikt tatsächlich gelöst werden soll, dann sind die Nordkoreaner also nicht die einzigen, die Vertrauen schaffen muss.

Interview: Bernhard Bartsch

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