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Panzer und andere Militärfahrzeuge stehen schon für die Feierlichkeiten am 4. Juli in Washington bereit.

Independance Day

Pjöngjang am Potomac

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Donald Trump nutzt den Unabhängigkeitstag zu einer Show für das Militär – und sich selbst.

Normalerweise ist der 4. Juli in den USA ein patriotisches, aber heiter-entspanntes Ereignis. Überall wehen weiß-rot-blaue Fähnchen, bei feierlichen Veranstaltungen werden Neu-Amerikaner eingebürgert, und abends schaut man beim Barbecue die Fernsehübertragung des Open-Air-Konzerts aus Washington. Doch dieses Jahr ist alles anders. Donald Trump persönlich hat die Regie übernommen, und passend zu seiner jüngsten Reise richtet der US-Präsident den Unabhängigkeitstag eher im Nordkorea-Stil aus.

„Wir werden Panzer draußen haben“, kündigte Trump an: „Das wird ein Spektakel wie kein anderes sein.“ Damit dürfte er Recht behalten. Nicht nur wird gerade vor dem Lincoln Memorial ein großes Podest für eine Präsidenten-Rede errichtet. Erstmals werden auch die Air Force One und die Kunstflugstaffel der Navy über die National Mall und den Potomac-River donnern. Doch das reicht Trump noch nicht: Zusätzlich hat er nach einem Bericht der „Washington Post“ mehrere Tarnkappenbomber, eine Hubschrauberstaffel und 60 Tonnen schwere Panzer angefordert, die er offenbar neben dem Memorial aufstellen lassen will.

Den Höhepunkt des Abends soll ein Feuerwerk bilden, bei dem eine riesige Flagge und die Buchstaben „USA“ an den nächtlichen Himmel gebrannt werden. Hunderte Soldaten werden bei der millionenteuren Militär-Show im Einsatz sein, die Parkverwaltung befürchtet schwere Schäden, und der zivile Flugverkehr über Washington muss für zwei Stunden komplett eingestellt werden.

Kleinkram, findet Trump, zumal es einen ganz besonderen Höhepunkt gibt: „Eine Ansprache ihres Lieblingspräsidenten, mir.“ Normalsterbliche werden die Rede freilich nur auf Leinwänden verfolgen können. Der Bereich vor dem Lincoln Memorial wird für Ehrengäste sowie Trumps Familie und Freunde abgesperrt. Auch die republikanische Partei vergibt VIP-Tickets.

Das alles erinnert an eine mit Steuergeldern finanzierte Mega-Wahlkundgebung, wie sie Trump regelmäßig überall im Land abhält. Entsprechend verärgert sind die oppositionellen Demokraten. „Trump missbraucht den Nationalfeiertag zur Feier seiner eigenen Person“, protestiert Gerald Connolly, ein Abgeordneter aus Virginia. Die Hauptstadt selbst hat ganz praktische Sorgen. So könnte die Arlington Memorial Bridge dem Gewicht der Panzer auf Tiefladern statisch nicht gewachsen sein. Schwere Schäden auf den ohnehin von Schlaglöchern gezeichneten Straßen sind absehbar. „Danke, aber keine Panzer!“, twitterte die Distriktverwaltung mit einem symbolischen Verbotsschild für Kettenfahrzeuge.

Auch hohe Militärs sollen nach Informationen der New York Times wenig begeistert von der Trump-Show sein. Sie fürchten eine parteipolitische Instrumentalisierung. Zudem argumentieren sie, dass die USA, die mehr für ihre Verteidigung ausgeben als China, Saudi-Arabien, Indien, Frankreich, Russland, Großbritannien und Deutschland zusammen, ihre Stärke nicht öffentlich demonstrieren müsse. Schließlich warnte das Verteidigungsministerium schon vor zwei Jahren vor Schäden für die Infrastruktur. Damals hatte der Präsident nach einem Besuch des Bastille Day in Paris eine Militärparade abhalten wollen. Das Vorhaben wurde schließlich aus Kostengründen abgesagt.

Dieses Mal aber will sich Trump nicht stoppen lassen. Ein kleines Problem gibt es trotzdem: Für die Waffenschau am Donnerstag hat er „brandneue Sherman-Panzer“ angekündigt. Dummerweise wurde das im Zweiten Weltkrieg genutzte Kettenfahrzeug bereits Mitte der 1950er Jahre ausgemustert.

Die Demokraten

Joe Biden, US-Präsidentschaftsbewerber der Demokraten,ist nach der ersten TV-Debatte mit seinen Rivalen in Umfragen abgesackt. Laut einer am Montag vom Nachrichtensender CNN veröffentlichten Umfrage bleibt der frühere Vizepräsident zwar an der Spitze des demokratischen Bewerberfelds. Seine Zustimmungswerte sanken demnach aber von 32 Prozent Ende Mai auf jetzt 22 Prozent.

Senatorin Kamala Harris konnte im Gegenzug deutlich zulegen. Sie steht laut der CNN-Umfrage nun mit 17 Prozent auf Platz zwei.

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