+
Ihre jüngste Schilderung einer angeblichen Bedrohung während eines Besuchs in Bosnien vor zwölf Jahren sollte wohl ihre Erfahrung in der Außenpolitik betonen. Stattdessen entlarvt der US-Sender CBS die Geschichte als maßlos übertrieben.

US-Vorwahlen

"Pinocchio" Clinton?

Hillary Clintons jüngste Schilderung eines Bosnien-Besuchs vor zwölf Jahren entlarvt der Sender CBS als maßlos übertrieben. Die "Washington Post" verleiht ihr dafür den "Pinocchio-Preis" für die grob falsche Beschreibung der tatsächlichen Lage.

Washington (rtr/ap/dpa) - Peinliche Panne für Hillary Clinton: Wegen überzogener und inkorrekter Beschreibungen eines angeblich gefährlichen Besuchs in Bosnien 1996 ist die US- Präsidentschaftsbewerberin unter erheblichen Druck geraten. Die ehemalige First Lady hatte kürzlich im Vorwahlkampf berichtet, sie sei bei der Ankunft im kriegszerissenen Tuzla von Heckenschützen beschossen worden. "Ich erinnere mich, wie wir bei der Landung unter Feuer von Heckenschützen gerieten." Sie habe mit "gesenktem Kopf" über das Rollfeld des Flugplatzes rennen müssen.

Dagegen veröffentlichten US-Fernsehsender später Bilder, auf denen Clinton und ihre Tochter Chelsea lächelnd und entspannt aus dem Flugzeug stiegen. Es habe sogar eine offizielle Begrüßungszeremonie gegeben. Der Bosnien-Krieg sei bei Clintons Besuch bereits vorüber gewesen, in der Region kam es jedoch immer noch zu feindlichen Auseinandersetzungen.

Clinton reagierte darauf mit der Bemerkung, sie habe sich "versprochen", es habe lediglich eine Warnung vor möglichen Heckenschützen gegeben. "Ich sage eine Menge Dinge, Millionen Wörter jeden Tag, wenn ich mich also versprochen habe, so war das einfach ein Irrtum", zitierte sie der TV-Sender CBS. Die Zeitung "New York Times" zitierte einen damals anwesenden US-General, der strikt betritt, dass es Warnungen vor Heckenschützen gegeben habe.

"Pinocchio-Preis" für grob falsche Beschreibung

Vier Wochen vor der möglicherweise entscheidenden Vorwahl in Pennsylvania berichteten US-Medien in großer Aufmachung über den Fall. Die Zeitung "Washington Post" verlieh Clinton einen "Pinocchio- Preis" für grob falsche Beschreibung der tatsächlichen Lage.

Ein Sprecher ihres demokratischen Präsidentschafts-Rivalen Barack Obama wertete die Clinton-Äußerungen als einen weiteren Versuch, ihre politische Rolle als Präsidentengattin größer darzustellen als sie tatsächlich war. "Dies ist eines der zunehmenden Beispiele, in denen Senatorin Clinton ihre Rolle in Außen- und Innenpolitik übertrieben hat."

Angesichts des anhalten Vorwahl-Duells mit dem 46-Jährigen Obama versucht Clinton (60), mehr und mehr ihre angebliche große politische Erfahrung in den Mittelpunkt zu rücken. Dabei verweist sie immer mehr auf ihre acht Jahre an der Seite ihres Ehemannes und Ex-Präsidenten Bill im Weißen Haus. Immer wieder betont sie, sie sei insgesamt 80 Mal ins Ausland gereist und habe als First Lady mit Staatsmännern in aller Welt gesprochen.

Obama hat bisher in den Vorwahlen einen Vorsprung von über 100 Delegierten vor Clinton. Wahlexperten gehen davon aus, dass Clinton auch durch mehrere Siege bei den weiteren Abstimmungen diesen Vorsprung bis zum Nominierungsparteitag Ende August in Denver nicht aufholen kann. In der demokratischen Partei wird ein Patt befürchtet, das die Partei zerreißen könnte und die Chancen der Demokraten bei den Präsidentenwahlen am 4. November schwächt. Für die Republikaner steht John McCain (71) als Kandidat praktisch schon fest.

Ein politischer Judas

James Carville, ein Berater Clintons, griff mit Richardson unterdessen einen prominenten Unterstützer Obamas an. Carville wies im Interview der "New York Times" darauf hin, dass Richardson einst als Energieminister dem Kabinett von Expräsident Bill Clinton angehört habe. Er sprach von einer besonderen Ironie, dass der Gouverneur seine Unterstützung für Obama ausgerechnet in der Karwoche bekanntgegeben habe. Genau so habe Judas Jesus damals für 30 Silberlinge verraten.

Bislang ist das Rennen zwischen den beiden Bewerbern nicht entschieden. Der Senator aus Illinois konnte allerdings bei den Vorwahlen bisher etwas mehr Stimmen der Delegierten auf sich vereinen, die im Sommer den Kandidaten für die eigentliche Präsidentschaftswahl im November küren.

Die nächste Vorwahl ist am 22. April in Pennsylvania. Dann geht es das letzte Mal auf einen Schlag um eine große Zahl von Delegierten. Davor wollen Clinton und Obama am 16. April in einer Fernsehdebatte um die Stimmen der Parteimitglieder und Sympathisanten werben. Den Ausschlag werden angesichts des knappen Rennens aber wohl die fast 800 sogenannten Super-Delegierten geben, die sich nicht bei Vorwahlen festlegen müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion