Ulrich Finckh setzte sich gegen die Benachteiligung der Kriegsdienstverweigerer ein.

Pazifismus

„Pimpf, Pfarrer, Pazifist“

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Ulrich Finckh, der „Papst der Kriegsdienstverweigerer“, ist mit 91 Jahren in Bremen gestorben.

„Vaterlandsverräter“, „Drückeberger“, „Feiglinge“: So wurden Kriegsdienstverweigerer gelegentlich verunglimpft, als in der Bundesrepublik noch die allgemeine Wehrpflicht galt. Mindestens einer hielt immer zu ihnen: der evangelische Pastor Ulrich Finckh, auch „Papst der Kriegsdienstverweigerer“ genannt. Von 1971 an war er ein Jahrzehnt lang ehrenamtlicher Bundesgeschäftsführer der „Evangelischen Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer“ und 32 Jahre lang Vorsitzender der Bremer „Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen e.V.“, kurz „Zentralstelle KDV“ genannt. Der parteilose Pazifist engagierte sich hartnäckig für die Rechte von Verweigerern und Zivildienstleistenden, prangerte immer wieder deren Benachteiligung gegenüber Soldaten an und warb für die Abschaffung der Wehrpflicht. Jetzt ist der gebürtige Schwabe mit 91 Jahren in Bremen gestorben.

Seine Lebensgeschichte, die er in der Autobiographie „Pimpf, Pfarrer, Pazifist“ auf 280 Seiten zusammengefasst hat (Donat-Verlag 2018), gibt auch einen Überblick darüber, wie sich in Deutschland der Umgang mit Krieg und Frieden gewandelt hat. 

Ulrich Finckh: Seine Lehre war unbedingter Pazifismus

1927 in Heilbronn geboren, wuchs er in Danzig, Stolp (Pommern), Mannheim und Düsseldorf auf. In der Nazi-Zeit lebte er laut Autobiographie „in einer Welt zwischen Hakenkreuz und Kreuz“: als „Pimpf“ in der Hitlerjugend, aber auch als Bibelkreis-Teilnehmer. Gegen Kriegsende musste er als jugendlicher Luftwaffenhelfer und dann noch als Wehrmachtssoldat dienen - samt US-Kriegsgefangenschaft.

Seine Lehre aus dem Grauen war unbedingter Pazifismus. „Solange Politik mit Militär gemacht wird, gibt es keinen Frieden“, lautete sein Credo.

Nach seinem Theologiestudium in Marburg, Mainz und Göttingen hatte Finckh eigentlich genug zu tun: als Pfarrvikar in Wiesbaden, dann als Gemeindepastor im rheinhessischen Mettenheim, als Studentenpfarrer in Hamburg und ab 1970 wieder als normaler Gemeindepastor, diesmal in Bremen. Aber seine Leidenschaft galt der Durchsetzung des Grundrechts auf KDV. Dass Verweigerer eine „inquisitorische Gewissensprüfung“ ablegen mussten und dass der Zivildienst einige Monate länger dauerte als der Militärdienst - dagegen protestierte er immer wieder. Vielleicht trug auch sein Engagement dazu bei, dass schrittweise die Gewissensprüfung abgeschafft und 2011 auch die Wehrpflicht ausgesetzt wurde.

Neben der hartnäckigen Lobbyarbeit berieten Finckh und seine Mitstreiter unzählige Verweigerer bei der Vorbereitung auf ihre Gewissensprüfungen oder begleiteten sie sogar zu den Anhörungen. Zwischendurch kümmerte sich der „Zivi-Pastor“ auch um besondere Einzelschicksale, zum Beispiel von inhaftierten „Totalverweigerern“, die weder Militär- noch Zivildienst ableisten wollten.

Ulrich Finckh: Unbeugsam und unbequem, aber nie verbohrt

Im Laufe der Jahre engagierte sich Finckh zusätzlich in der Gustav-Heinemann-Initiative oder in der Humanistischen Union, die ihn 1984 mit dem Fritz-Bauer-Preis auszeichnete. So unbeugsam und unbequem er auch war: Er wirkte nicht verbohrt, lachte viel und pflegte einen freundlichen Ton.

Knapp vier Jahre nach seiner Ehefrau Elisabeth Finckh starb der 91-Jährige jetzt an Altersschwäche. Fast bis zuletzt verfolgte er noch aufmerksam das politische Geschehen, wie ein Weggefährte am Mittwoch der FR erzählte. Finckh hinterlässt fünf erwachsene Kinder und mehrere Enkel.

Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms, würdigte ihn mit den Worten: „Er war ein unbequemer, aber wichtiger Mahner für eine friedliche Welt. Seine Stimme wird fehlen.“

Die Todesanzeige seiner Familie bringt sein Leben so auf den Punkt: „Aufgewachsen in Diktatur und Krieg, stritt er sein Leben lang für Frieden und Menschenrechte.“

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