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#Pimmelgate um Andy Grote: Ermittlungen eingestellt – Erfolg für Twitter-Nutzer

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Von: Tim Vincent Dicke

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Andy Grote (SPD), Senator für Inneres und Sport in Hamburg, gibt in seinem Büro in der Innenbehörde ein Interview.
Andy Grote (SPD) fühlte sich durch einen „Pimmel“-Spruch beleidigt. © Marcus Brandt/dpa

Er nannte den Hamburger Innensenator einen „Pimmel“: Die Staatsanwaltschaft stellt nun die Ermittlungen gegen den Twitter-User ein.

Hamburg – Nimmt die schier endlos anmutende Geschichte rund um das #Pimmelgate also vielleicht doch ein Ende? Die Generalstaatsanwaltschaft in Hamburg hat nun angekündigt, dass sie die wegen des Vorwurfs der Hassrede im Internet von Innensenator Andy Grote (SPD) angestrengte Untersuchung nicht weiter verfolgen wird.

Wegen fehlenden öffentlichen Interesses an einer Strafverfolgung sei das Ermittlungsverfahren bereits im März eingestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Samstag (30.07.2022) in Hamburg mit. Zuvor hatte das Hamburger Abendblatt berichtet.

#Pimmelgate um Andy Grote: Hausdurchsuchung wegen Tweet

Angefangen hatte die Kontroverse, die als #Pimmelgate bundesweit Schlagzeilen machte, mit einem etwas schlüpfrigen, aber sonst eher harmlosen Post auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Im Mai 2021 schrieb ein User einen an Grote gerichteten Tweet mit den Worten „Du bist so 1 Pimmel“. Die Worte, die der Innensenator wohl als derart ehrverletzend und skandalös empfand, um gegen sie mit harten Bandagen zu kämpfen, kamen als Reaktion auf einen Tweet von Grote, in dem er Menschen als „ignorant“ bezeichnete, die trotz Corona im Schanzenviertel gefeiert hatten.

Der bizarre Hintergrund: Grote selbst hatte zu Beginn der Pandemie seine neuerliche Berufung zum Innensenator unter Missachtung der Corona-Regeln in einer Kneipe gefeiert und dafür eine Geldbuße zahlen müssen.

Der Innensenator sah sich durch die Wortwahl beleidigt und stellte einen Strafantrag. Die Staatsmacht griff ungewöhnlich hart durch – und so stand im September plötzlich die Polizei in der Wohnung des mutmaßlichen Urhebers. Mit mehreren Beamten führte diese eine Razzia bei dem „Pimmel“-Kriminellen durch. Der twittere daraufhin: „Heute Morgen um 6.00 gab es eine Hausdurchsuchung. 6 Beamt*innen in der Wohnung. Gesucht wurde das Gerät, mit dem „du bist so 1 Pimmel“ unter einen Tweet von Andy Grote geschrieben wurde. Sie wissen, dass zwei kleine Kinder in diesem Haushalt leben. Guten Morgen, Deutschland.“

#Pimmelgate: Kritik an Vorgehen der Polizei

Tausende Menschen kritisierten die Aktion im Netz unter dem Hashtag #Pimmelgate als völlig unverhältnismäßig und überzogen. Insbesondere in Hinblick auf die Tatsache, dass gegen tatsächlich menschenverachtende Hetze in sozialen Netzwerken nur mehr schlecht als recht vorgegangen werde, so die Kritik vieler.

Der Vorfall kochte hoch und sogar die Washington Post berichtete über die Angelegenheit. Im Anschluss an die Hausdurchsuchung lieferten sich einige Hamburgerinnen und Hamburger Scharmützel mit der Polizei. So wurden in der Nähe von Grotes Wohnung auf St. Pauli Aufkleber mit der Aufschrift „Andy, Du bist so 1 Pimmel“ entdeckt, die wiederum mühsam von dazu verdonnerten Beamten entfernt werden mussten.

#Pimmelgate und die unschönen Folgen für Andy Grote

Eines Samstags entschieden sich dann Freunde des P-Worts dazu, die Botschaft noch prominenter herauszubringen. Auf ein meterhohes Plakat an der Außenwand des linken Zentrums Rote Flora sprayten sie „Andy, Du bist so 1 Pimmel“. Tags darauf überpinselte die Staatsgewalt den Spruch mit schwarzer Farbe – woraufhin eine neue Aktion folgte und dieser nur wenige Stunden später an derselben Stelle wieder zu sehen war. Doch die Beamten wollten den Kleinkrieg nicht verlieren und überstrichen das Plakat erneut.

„Pimmelgate“-Plakat
Auf dem Plakat an der Roten Flora im Schanzenviertel steht „Andy, Du bist so 1 Pimmel, tritt zurück“. © Bodo Marks/dpa/Archivbild

Neben diesen grotesken Begleiterscheinungen brockte die Causa rund um das #Pimmelgate Andy Grote aber auch reale unschöne Folgen ein. Es habe sich „vieles an Häme und Aggressivität entladen, bis in das Private“, sagte er der Zeit. „Wenn meine Frau nach Hause kommt und feststellt, dass jemand seine Exkremente vor unserer Toreinfahrt hinterlassen hat, ist das schon grenzüberschreitend. Ich bin auch ganz froh, dass unser Sohn noch nicht zur Schule geht und noch nicht lesen kann“, so der Hamburger Innensenator. (tvd/dpa)

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