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Präsident Ferdinand Marcos Junior: Schule des Schreckens

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Von: Felix Lill

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Ferdinand Marcos Junior ist nun Präsident der Philippinen. Der Sohn des Ex-Diktators lässt dunkle Jahre befürchten.

Manila - Als Rodrigo Duterte aus seinem Amt verabschiedet wird, tragen alle eine Maske, nur einer nicht. Der scheidende Präsident, der mit seiner wüsten Rhetorik und seinen klapprigen Bewegungen selten wie ein Regierungschef der heutigen Zeit gewirkt hat, kommt an seinem letzten Amtstag geradezu staatsmännisch daher. Zur Militärkapelle salutiert der 77-Jährige, verhält sich ruhig und voller Demut gegenüber dem Aufmarsch, der ihm bereitet wird. Nach sechs Jahren gibt der Mann, der die Philippinen brutal und erratisch regiert hat, seinen Posten in geordneten Verhältnissen ab.

Und sein Nachfolger ist der einzige der Anwesenden, die den Gepflogenheiten dieser Feierlichkeiten am Donnerstag nicht folgen. Trotz einer weiterhin komplizierten pandemischen Lage trägt Ferdinand Marcos Junior, auch im Gegensatz zu Duterte, keinen Mund- und Nasen-Schutz gegen Corona. Später am Tag, der ihn als Präsident des 110-Millionenlandes einschwört, gelobt Marcos noch, sich an die Gesetze und die Verfassung zu halten.

Philippinen: Neuer Präsident lässt dunkle Jahre befürchten

Nach einem haushohen Wahlsieg im Mai regiert mit Ferdinand Marcos Junior ein Mann, dessen gleichnamiger Vater einst die Demokratie abgeschafft hat. Ferdinand Marcos Senior leitete von 1965 bis 1986 die Regierung, die Hälfte davon als Diktator, ehe er durch Demokratieproteste zur Flucht gezwungen wurde. Bis dahin hatte sich die Familie in Höhe mehrerer Milliarden US-Dollar am Staat bereichert. Tausende Oppositionelle, Journalist:innen und Aktivist:innen waren verhaftet oder getötet worden.

Erwartet das Land nun etwas Ähnliches? Marcos Junior hat zwar nichts dergleichen angekündigt, sich aber von den Taten des Vaters nie entschieden distanziert. Er respektiere Menschenrechte und liebe sein Land, hat Marcos über die letzten Jahre vermehrt betont. In gewisser Hinsicht könnte dies einen Fortschritt gegenüber dem nun abgelösten Rodrigo Duterte markieren, der schon einmal „fuck human rights“ („scheiß auf Menschenrechte“) schimpfte und sich entsprechend verhielt. Im Namen der Sicherheit warb Duterte mit der Tötung Drogenabhängiger – was dann auch geschehen ist.

Marcos Junior: „Die unglaubliche Gründlichkeit der Marcos’schen Gehirnwäsche“

Marcos Junior gibt sich anders als sein direkter Amtsvorgänger. Er kommt eher wie ein freundlicher Typ daher, der sich gewählt ausdrücken kann und das Volk trotzdem versteht. „Die unglaubliche Gründlichkeit der Marcos’schen Gehirnwäsche“, titelt das Portal „Vera Files“ in diesem Zusammenhang am Donnerstag. Durch hohe Aktivität in sozialen Medien und Fernsehen habe es Marcos über Jahre geschafft, vielen Menschen in den Philippinen eine alternative Geschichte von sich und seiner Familie zu erzählen.

Im Bezug auf Marcos Junior geht es dabei etwa um Universitätsabschlüsse, die es nicht gab und weitere Beschönigungen. Was die Regentschaft seines Vaters angeht, wird nicht etwa von brutaler Herrschaft und Korruption gesprochen, sondern von Vaterlandsliebe, hohem Wirtschaftswachstum. „Ich bin Ihr erster Diener“, erklärte Marcos dann am Donnerstag, kurz nachdem er seinen Amtseid gesprochen hat. Aber das kritische Onlinemagazin „Rappler“ befürchtet, dass unter Marcos Junior Zustände kommen könnten, die dem Kriegsrecht unter Marcos Senior ähneln.

Philippinen: In sechs Amtsjahren von Duterte kamen politische Widersacher ins Gefängnis

Wobei dazu nicht einmal große neue Maßnahmen nötig sein dürften. In den sechs Amtsjahren von Duterte kamen politische Widersacher ins Gefängnis, kritische Stimmen wurden zu Kommunisten erklärt, womit sie im Kontext der Philippinen quasi als Terroristen gelten und verhaftet werden können. Auch die Drangsalierung von Medien hat unter Duterte stark zugenommen. Und Ferdinand Marcos Junior hat sich auch hierzu nicht kritisch positioniert. Vielmehr sind die Familien Duterte und Marcos miteinander befreundet. Duterte bereitete dem 1989 im Exil verstorbenen Marcos Senior ein spätes Heldenbegräbnis. Die neue Vizepräsidentin ist mit Sara Duterte nun die Tochter des abgelösten Präsidenten. So dürfte eine Aufarbeitung etwa der Tötungen Drogenabhängiger und weiterer Personen, die unter der Ägide von Duterte stattgefunden haben, mit der neuen Regierung schwierig werden. Wesentlich mehr deutet auf Kontinuität hin.

In seiner Antrittsrede fand Marcos Junior viel Lob für die Arbeit Dutertes sowie des Vaters. So wirkt schon der Amtsantritt wie ein Vorhaben, das die Reputation der Familiennamen Marcos und Duterte befördern soll. Dafür spricht auch der Ort der Amtseinführung. Seinen Schwur sprach Marcos Junior auf dem Gelände des Nationalmuseums in Manila aus. Einst war hier das Parlament beheimatet, ehe Marcos Senior dies mit der Ausrufung des Kriegsrechts praktisch auflöste und ein Museum daraus wurde. (Felix Lill)

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