Walter Wallace Jr.

Unruhen in Philadelphia: Donald Trump droht mit Nationalgarde

  • vonMirko Schmid
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In Philadelphia erschießen Polizisten den 27-jährigen Schwarzen Walter Wallace. Anschließend kommt es zu massiven Protesten. Nun mischt sich auch Donald Trump ein.

  • Ein in den USA viral gehendes Video zeigt, wie zwei weiße Polizisten auf Walter Wallace Jr. schießen, nachdem dieser mit einem Messer in der Hand auf sie zulief.
  • Wallace verstirbt wenig später im Krankenhaus, die Polizisten hatten ihm unter anderem in die Brust geschossen.
  • Der Vorfall in Philadelphia, Pennsylvania, sorgt für landesweite Empörung und reiht sich ein in eine Serie von durch die Polizei getöteten Schwarzen.

Update vom Donnerstag, 29.10.2020, 12.49 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat ein härteres Vorgehen gegen Plünderer nach den Ausschreitungen in Philadelphia gefordert. „Die Unruhen in Philadelphia müssen aufhören. Sie müssen sie beenden“, sagte Trump laut „ntv“ in Las Vegas in Richtung der örtlichen Behörden. Dabei brachte er auch die Entsendung der Nationalgarde ins Spiel. „Wir beobachten das sehr genau und warten auf einen Anruf. Wenn sie Hilfe wollen, sind wir innerhalb einer Stunde da.“

Am Montag (26.10.2020) war es nach den tödlichen Polizei-Schüssen auf den schwarzen Amerikaner Walter Wallace zwei Nächte in Folge zu Ausschreitungen gekommen. Gouverneur Tom Wolf hat laut der Zeitung „The Philadelphia Inquirer“ selbst mehrere Hundert Mitglieder der Nationalgarde aus dem Bundesstaat mobilisiert.

Unruhen in den USA: Polizei erschießt erneut Schwarzen - massive Ausschreitungen in Philadelphia

Erstmeldung vom Mittwoch, 28.10.2020, 16.31 Uhr: Philadelphia/USA - Wieder ist ein schwarzer Amerikaner von Polizisten erschossen worden. Walter Wallace Jr. erlag den Schussverletzungen, die ihm zwei weiße Polizisten beigebracht hatten, wenig später im Krankenhaus. Zuvor war Wallace in Philadelphia mit einem Messer in der Hand auf die Polizisten zugelaufen. Die Beamten forderten ihn mehrfach auf, das Messer fallenzulassen.

Ausschreitungen und brennende Barrikaden: Die Bevölkerung von Philadelphia antwortet wütend auf die Ermordung von Walter Wallace Jr. durch zwei weiße Polizisten

Polizisten töten Walter Wallace Jr. mit insgesamt 14 Schüssen und werden umgehend suspendiert

Der Vorfall in der größten Stadt des Bundesstaates Pennsylvania löste Stunden später massive Proteste gegen Polizeigewalt in den USA aus, in deren Verlauf dreißig Polizisten verletzt und 91 Menschen festgenommen wurden. Den meisten wird vorgeworfen, Plünderungen und Brandstiftungen begangen zu haben. Die Demonstrationen, die von Mitgliedern schwarzer Kirchengemeinden angeführt worden waren, verliefen am späten Dienstagnachmittag (27.10.2020) zunächst friedlich.

Die Familie von Walter Wallace Jr., dessen Mutter und Bruder Augenzeuge seiner Ermordung durch die Polizisten in Philadelphia wurden, erklärte, dass Wallace an einer psychischen Erkrankung leide. Gegenüber den Beamten erheben sie schwere Vorwürfe, unter anderem, weil sie Wallace statt mit nicht-tödlichen Mitteln außer Gefecht zu setzen, erschossen hatten.

Beide Polizisten, die nach offiziellen Angaben jeweils sieben Schüsse abgegeben hatten, wurden nach Ermittlungen der Behörden in Philadelphia umgehend vom Dienst suspendiert. Bezirksstaatsanwalt Larry Krasner kündigte an, dass sein Büro den Vorfall sorgfältig prüfen werde, bevor eine Entscheidung darüber fallen könne, ob eine Anklage gegen die beiden Polizisten ergehe.

Joe Biden und Kamala Harris verurteilen die Ermordung von Walter Wallace Jr.

Bürgerrechtler und Medien kritisieren, dass die örtlichen Behörden in Philadelphia nur spärliche Informationen über die Schießerei liefern würden und der Öffentlichkeit nur relativ wenige Details über die tödliche Schießerei, welche die Stadt erschüttert habe, bereitstellten. Bürgermeister Jim Kenney gab an, dass er mit den Eltern von Walter Wallace Jr. und dessen Frau gesprochen habe und bekräftigte, dass das Video der Schießerei „schwierige Fragen enthält, die beantwortet werden müssen“. Während einer Pressekonferenz wollte er nicht detailliert darauf eingehen, welche Fragen genau für ihn aufgeworfen worden seien. Er sagte lediglich, es sei „sehr ärgerlich, jemanden erschossen zu sehen.“

Walter Wallace Jr. wurde in Philadelphia von zwei weißen Polizisten mit insgesamt 14 Schüssen getötet

Bürgermeister Kenney ergänzte, er sei zuversichtlich, dass die Polizei von Philadelphia untersuchen könne, was passiert sei: „Wir brauchen eine schnelle und transparente Lösung für Mr. Wallace, seine Familie, die Beamten und für ganz Philadelphia“, sagte er während des Briefings.

Die Ermordung im Swing State Pennsylvania knapp eine Woche vor den Präsidentschaftswahlen in den USA stellt erneut Fragen der Rassengerechtigkeit und der Gewalt in den Städten der Vereinigten Staaten ins Zentrum des Wahlkampfes. In einer Erklärung haben der Präsidentschaftskandidat der Demokraten Joe Biden und seine Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris die Ermordung von Walter Wallace Jr. verurteilt.

Donald Trump verurteilt die Menschen, die gegen die Ermordung Schwarzer durch die Polizei demonstrieren

„Wir können nicht akzeptieren, dass in diesem Land eine Krise der psychischen Gesundheit zum Tod führt“, sagten Biden und Harris. „Es macht den Schock, die Trauer und die Gewalt der gestrigen Schießerei umso schmerzhafter, insbesondere für eine Gemeinde, die bereits so viele Traumata erlitten hat.“ Die Demokraten kritisierten aber auch die Unruhen am Montagabend und bekräftigten, dass „Plünderungen kein Protest, sondern ein Verbrechen“ seien.

Präsident Donald Trump hingegen verurteilte die Demonstranten, die gegen die Ermordung von Walter Wallace Jr. auf die Straße gingen und setzte sie mit Randalierern gleich, welche nachts für Chaos auf den Straßen von Philadelphia gesorgt hätten. „Letzte Nacht wurde Philadelphia von Biden-unterstützenden Radikalen zerrissen“, so der Republikaner. „Dreißig Polizisten, Polizisten aus Philadelphia, wurden verletzt, einige schwer. Biden steht bei den Randalierern, und ich stehe bei den Helden der Strafverfolgung. “

Der Tod von Walter Wallace Jr. reiht sich ein in eine Serie von tödlichen Schüssen der Polizei in den USA

Wallaces Tod spiegelt andere Fälle von Polizeigewalt wider, die vor laufender Kamera begangen wurden und einen Sommer der Unruhen und der Bestürzung über die Brutalität der Polizei in den USA ausgelöst hatten. Die Washington Post schreibt, der Fall Walter Wallace Jr. werfe „neue Fragen darüber auf, wie die Polizei mit psychischen Gesundheitskrisen umgeht.“ Laut einer Datenbank der Washington Post, in der solche Vorfälle landesweit verfolgt werden, war Wallace einer von mindestens 804 Menschen, die in diesem Jahr von der Polizei erschossen wurden. Eine von fünf tödlichen Schießereien der Polizei im Jahr 2020 betraf Menschen, die unter psychischen Problemen litten oder sich mitten in einer Krise befanden.

In den Zahlen der Datenbank seien diejenigen nicht enthalten, die auf andere Weise von der Polizei getötet wurden, wie zum Beispiel Daniel Prude, dessen Familie angibt, dass er unter einer psychischen Krise litt, als ihn Beamte in Rochester „festnagelten und ihm eine Kapuze über den Kopf legten“. Diese anhaltende Zahl hat laut der Washington Post „Bedenken hinsichtlich der Reaktion der Behörden auf Menschen mit psychischen Qualen deutlich gemacht“. Es stehe die Frage im Raum, ob der „bewaffneten Polizei“ möglicherweise die für die Bewältigung solcher Einsätze erforderliche Ausbildung fehle.

Walter Wallace Jr., Vater von sieben Kindern, litt an psychischen Problemen und wollte Musiker werden

Walter Wallace Jr. sei „in Krankenhäusern ein- und ausgegangen, seit er ein Kind war“, erklärte ein Mann, der sich als Brandon bezeichnete und Wallace seinen „kleinen Bruder“ nannte. Sobald Wallace seine Medizin bekommen habe, sei er stets „cool“ gewesen. Sam White, ein Cousin des Erschossenen, erklärte, Wallace habe immer Musiker werden wollen. Seine Träume seien jetzt beendet, da er „auf offener Straße ermordet“ worden sei. White schloss mit den Worten: „Psychische Probleme sind real. Depressionen sind real.“ (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © GABRIELLA AUDI/afp

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