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Auch die boomende zyprische Tourismusbranche macht sich Sorgen um die Zukunft: Szene am Strand von Larnaca.

Briten auf Zypern

Pfundweise Probleme

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Auf Zypern leben Zehntausende Briten – für sie steht bei einem harten Brexit viel auf dem Spiel.

Auch auf Zypern tickt die Uhr. Und die etwa 70 000 Briten, die dauerhaft hier leben, werden zunehmend nervös. Die 1960 in die Unabhängigkeit entlassene ehemalige britische Kronkolonie pflegt enge Beziehungen zum früheren Mutterland und hat viele kulturelle Eigenheiten übernommen wie den Linksverkehr, Schuluniformen und die Liebe zu „Fish and Chips“. Die Briten bilden die größte Minderheit im EU-Staat „Republik Zypern“ des griechischen Südens, sie stellen rund fünf Prozent der Bevölkerung. Die meisten sind Rentner.

Es gibt zwar keine Brexit-Umfragen unter Zyperns Briten, aber Berichte der Zeitung „Cyprus Mail“ legen nahe, dass die meisten proeuropäisch denken. Kommt es zu einem harten Brexit, steht für die „britischen Zyprioten“ viel auf dem Spiel wie ihr Aufenthaltsstatus oder die Anerkennung offizieller Dokumente. Immerhin kommt die Regierung in Nikosia ihnen weit entgegen und bereitet Anpassungsgesetze vor, die ihnen ein Jahr Übergangszeit für die Klärung des Aufenthaltsrechts einräumen.

Auch die boomende Tourismusbranche macht sich Sorgen, denn rund 40 Prozent der Besucher Südzyperns stammen traditionell aus Großbritannien. Tatsächlich rechnet niemand damit, dass der Rekord von 2018 mit rund vier Millionen Feriengästen in diesem Jahr wieder erreicht werden kann. Aber sollte das britische Pfund weiter abwerten, würde es den Urlaub für Briten sicher noch verteuern.

Neue Visa, neue Versicherung

Die zwei britischen Militärbasen auf Zypern dürften auch bei einem harten Brexit weiterhin bestehen bleiben. Die 253 Quadratkilometer großen Stützpunkte, auf denen rund 3000 britische Soldaten und ihre Familien leben, gehören nicht zum EU-Staat Zypern, sondern sind britisches Staatsgebiet.

Im Parlament wurde aber bereits die Frage aufgeworfen, ob es nicht an der Zeit sei, die alten Verträge aus der Kolonialzeit zu überprüfen und neu zu verhandeln. Auf den britischen Basen sind auch rund 11 000 zypriotische Zivilisten beschäftigt, deren Status bei einem harten Brexit ungeklärt ist. Der britische Hochkommissar für Zypern, Stephen Lillie, sagte auf FR-Anfrage, man habe mit der EU-Kommission und Südzypern eine Einigung erreicht, die den bisherigen Status der Stützpunkte festschreibe. „Für den Fall eines harten Brexit sind wir zuversichtlich, dass wir eine ähnliche Abmachung mit unseren zyprischen Partnern erreichen. Beide Seiten wollen möglichst geringe Einschnitte für alle, die auf den Basen leben und arbeiten.“ Auch die Auslandsbriten könnten im Fall eines geregelten Brexit „ihr Leben auf Zypern im Großen und Ganzen weiterführen wie bisher“.

Lillie räumte aber ein, dass bei einem harten Brexit wohl „einige Unannehmlichkeiten“ auf die Expats zukämen: spezielle Visa, Anpassungen der Krankenversicherung, neue Führerscheine. Man arbeite eng mit der Regierung in Nikosia zusammen, um Härten abzumildern. Lillie sieht jedoch auch Chancen für das bilaterale Verhältnis, selbst bei einem „No Deal Brexit“ – vor allem Freihandelsabkommen, die ohne Zölle und Quoten auskämen und auf einer vertieften Zusammenarbeit beruhten.

Ein besonderes Anliegen der Zyprioten hat Lillie zuvor bereits klar beschieden: London werde auf den berühmten zypriotischen Halloumi-Käse, von dem Großbritannien etwa drei Viertel der gesamten Produktion importiert, keine Einfuhrzölle erheben. „Auch nicht bei einem harten Brexit.“

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