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Die deutsche Bischofskonferenz hat mehrheitlich erkannt, dass die traditionelle Lehre der Kirche ein Affront für Homosexuelle ist.

Bischofskonferenz

Petition gegen Ausgrenzung Homosexueller

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Ein Therapeut wendet sich an die deutsche Bischofskonferenz.

Es war eine kleine Broschüre mit Regenbogenflagge auf dem Cover, die den Karlsruher Christof Wagner auf die Barrikaden gebracht hat. Der Psychotherapeut hat eine Online-Petition an die deutsche Bischofskonferenz gestartet. „Die katholische Kirche muss ihre Haltung zu nicht-heterosexuellen Menschen ändern“ lautet ihr programmatischer Titel. „Wir müssen verstehen, dass wir Menschen nicht dazu bringen sollten, tiefverwurzelte Aspekte ihrer eigenen Persönlichkeit zu hassen“, erklärt Wagner im Gespräch mit der FR. „Durch Verurteilung von Homosexualität wird der gesunde Selbstwert von homosexuellen Menschen unterminiert.“

Auslöser war für ihn das 2012 erschienene achtseitige Heftchen des Hilfswerks päpstlichen Rechts „Kirche in Not“, das Wagner kürzlich in einer katholischen Kirche in Bruchsal in die Hände fiel. Darin heißt es: „Obwohl die wissenschaftliche Forschung noch keine eindeutigen Aussagen über die Ursachen und die Entstehung von Homosexualität liefern kann, findet sich in unserer Gesellschaft ein breiter Konsens, dass homosexuelle Neigungen angeboren, unveränderbar und normal seien.“ Dem stehe die kirchliche Sexuallehre in der Interpretation der Herausgeber „klar entgegen“. Demnach liegt homosexuellen Neigungen „ein Mangel in der eigenen geschlechtlichen Identität zugrunde“. Für den Petenten Wagner ist klar: „Das Papier öffnet die Tür zu Interventionen zur Veränderung der sexuellen Orientierung.“

Im Katechismus der katholischen Kirche, dem Anfang der 1990er Jahre unter Federführung des damaligen Kardinals Josef Ratzinger entstandenen offiziellen Glaubensbuch der Katholiken, auf das sich auch die Broschüre beruft, heißt es: Homosexuelle seien „zur Keuschheit berufen“. „Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung“, so der entsprechende Abschnitt weiter, „können und sollen sie sich (...) durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.“

In deutschen Bistümern allerdings gibt es inzwischen eigene Seelsorgsstellen für Schwule und Lesben, die keineswegs dazu angehalten werden, ihre Sexualität zu negieren. Auch die deutsche Bischofskonferenz hat mehrheitlich erkannt, dass die traditionelle Lehre der Kirche ein Affront für Homosexuelle ist. Der angekündigte „synodale Prozess“ will das Thema neu angehen. Und „Kirche in Not“? „Alle unsere Broschüren zum Thema Glaubenskompass unterliegen einem fortlaufenden Redaktionsprozess“, teilte das Hilfswerk auf FR-Anfrage mit. „Darin fließen selbstverständlich auch aktuelle Entwicklungen mit ein.“ Dem könnte Wagners Petition nun weiteren Aufwind geben.

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