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Die Bundesvorsitzenden der Grünen, Simone Peter und Cem Özdemir, kandidieren nicht mehr.

Grünen-Parteitag

Peter und Özdemir sagen Adieu

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Die beiden Bundesvorsitzenden der Grünen treten nicht mehr an. Beim Parteitag in Hannover gab es einen rührseligen Abschied.

Henning Krause gab seinem Bedauern Ausdruck. Er halte es für falsch, den zweitbeliebtesten Politiker Deutschlands in die zweite Reihe abzuschieben, sagte der Chef der Grünen in Hannover zur Eröffnung des Parteitages – des dritten Parteitages in acht Monaten. Gemeint war Cem Özdemir, der 2008 zum Parteivorsitzenden gewählt worden war und nun zunächst keinen herausragenden Posten mehr hat.

Özdemir und seine Co-Vorsitzende Simone Peter wurden am Freitag verabschiedet. Beide kandidieren nicht wieder. Es war ein rührseliges, aber auch ein politisches Ereignis.

Klaus Töpfer hält Laudatio

Zunächst war Klaus Töpfer an der Reihe. Der ehemalige Bundesumweltminister hielt die Laudatio auf Peter. Er nannte sie „unglaublich sympathisch“ und bekannte, dass er gerne mit ihr lache. Zwar zeigte sich der 79-Jährige als weiterhin „einigermaßen überzeugtes“ CDU-Mitglied. In dem Bestreben nach dem, was Christdemokraten „Bewahrung der Schöpfung“ nennen, ist er sich mit Peter freilich sehr einig. Die sagte, es habe „unglaublich viel Spaß gemacht“, Vorsitzende gewesen zu sein – wenngleich es auch Kraft gekostet habe. Überdies stellte die 52-Jährige klar: „Wir sind eine progressive Kraft. Und wir werden es bleiben.“ Hier sprach noch einmal eine überzeugte Linke – eine, mit der auch der eigene linke Flügel ab und an haderte.

Was aus Peter wird, ist offen. Ein Bundestagsmandat hat sie nicht.

„Mach’s gut. Danke, Cem!“

Nach Töpfer trat ein zweiter Laudator ans Pult: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Er hielt tatsächlich eine Lobeshymne – auf Özdemir. Dieser sei „eines der wichtigsten Rollenvorbilder“ für Migranten. Zugleich habe der Mann aus Bad Urach „eine verdammt gute Erdung“. Viele identifizierten über Özdemir ihre schwäbische Heimat. „Das ist wirklich eine Story.“ Schließlich, so Kretschmann, diskutiere Özdemir „ebenso gern mit Grünen wie mit Nicht-Grünen. Er will draußen wirken und die ganze Gesellschaft erreichen mit grüner Politik.“ Das sei gut. Der Regierungschef schloss: „Mach weiter. Mach’s gut. Danke, Cem!“

Da konnte der scheidende Vorsitzende nahtlos fortsetzen. Er erklärte: „Ich habe mich nie als Teil des linken Lagers verstanden“ – auch weil man da die Widersprüche des eigenen Denkens oft gar nicht mehr wahrnehme. Und er fuhr fort: „Wir sind eine Kraft der linken Mitte. Aber die Türen sind weit offen.“ Jedenfalls seien die Grünen „nicht die, die weglaufen. Die nehmen ihre Verantwortung ernst, auch wenn es schwierig ist.“ Gemeint waren die gescheiterten Jamaika-Sondierungen. Denn: „Alles, wofür wir hier streiten und kämpfen, ist größer als wir selbst.“

Özdemir bekam ebenfalls Standing Ovations. Selbstverständlich war das nicht. Er tat sich mit der Partei nicht immer leicht – und sie nicht mit ihm. Özdemir hat anders als Peter ein Parlamentsmandat und sitzt einstweilen im Auswärtigen Ausschuss. Zwar gelang es ihm nicht, Fraktionsvorsitzender zu werden. Doch könnte der 52-Jährige eines Tages seinen Laudator beerben: Winfried Kretschmann.

Die beiden Vorsitzenden waren sich in der Zeit ihrer Zusammenarbeit übrigens selten grün. Er teilte manchmal in ihre Richtung aus. Am Freitagabend entschuldigte sich Özdemir bei Peter dafür. Er sagte: „Das tut mir leid.“

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