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Der peruanische Präsident Ollanta Humala.
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Der peruanische Präsident Ollanta Humala.

Neuordnung

Peru rückt nach links

  • Wolfgang Kunath
    VonWolfgang Kunath
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Der neue Staatschef Ollanta Humala gibt sich gemäßigt und hat Politiker aller Lager in sein Kabinett berufen.

In Peru tritt am heutigen Donnerstag Ollanta Humala als Staatschef an. Der linke Nationalist hat sich seit der Wahl Anfang Juni um ein gemäßigtes Profil bemüht und Liberale bis Konservative für wichtige Ministerämter berufen. Dennoch verspricht er soziale Reformen.

Um sich seine Equipe nicht zerreden zu lassen, hat sich der 49-jährige Humala mit den Berufungen Zeit gelassen. Erst in der Woche vor dem Nationalfeiertag, dem 28. Juli, an dem Perus Präsidenten traditionell den Amtseid leisten, gab er bekannt, wen er mit den wichtigsten Ämtern seiner Regierung betrauen will: vornehmlich Mitte-rechts-Politiker, die das haben, was Humala fehlt, nämlich Regierungserfahrung.

Humalas Ministerpräsident wird der Unternehmer Salomón Lerner Ghitis, ein aus bescheidenen Verhältnissen aufgestiegener Millionär, der schon bei der Wahl 2006 an Humalas Seite auftrat, als der noch einen deutlich radikaleren Kurs steuerte und damit scheiterte. Der 65-jährige Lerner arbeitete bereits in der linken Militärregierung vor 40 Jahren mit und hatte seitdem immer wieder hohe Ämter inne.

Zum Finanz- und Wirtschaftsminister bestellte Humala den 42 Jahre alten Luis Miguel Castilla, einen früheren Weltbank-Mitarbeiter, der als liberales Aushängeschild des neuen Kabinetts gilt.

Überraschend und von ähnlicher Signalwirkung ist die Berufung des Ökonomen Julio Velarde als Zentralbank-Chef, ein Job, den er bereits unter der Vorgänger-Regierung von Mitte-rechts-Präsident Alan García innehatte.

Auch Minen- und Energie-Minister Carlos Herrera bleibt im Amt, eine äußerst wichtige Position in einem Land wie Peru, dessen beeindruckendes Wachstum – neun Prozent letztes Jahr – vornehmlich auf den Bergbau zurückgeht.

Mit Susana Baca, 67, bekleidet zudem erstmals eine Angehörige der afroperuanischen Minderheit ein hohes Regierungsamt. Die in ganz Lateinamerika bekannte Sängerin wird Humalas Kultusministerin.

Die Frage ist freilich, ob Humala bei so vielen Verbeugungen vor der Wirtschaft die Erwartungen derer erfüllt, die ihn gewählt haben – die arme, ländliche Bevölkerung, die vom Boom der Rohstoff-Wirtschaft nichts oder höchstens die haarsträubenden ökologischen Folgeschäden abbekommen hat. Seine Antrittsrede am Donnerstag dürfte darüber Auskunft geben, wie er mit einem Mitte-rechts-Kabinett eine Mitte-links-Politik machen will. Immerhin: Seinem politischen Vorbild, Brasiliens Präsident Lula, ist genau das gelungen.

Humala hatte die Stichwahl gegen Keiko Fujimori, die Tochter eines früheren Diktators, knapp gewonnen. Zur Wahl stünden nun Aids und Krebs, wetterte der konservative Literatur-Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa, bevor er sich von Humala überzeugen ließ.

Bruder flog nach Moskau

Aber die Versuche, die misstrauische Bevölkerung und die noch misstrauischere Wirtschaft von seiner Mäßigung zu überzeugen, wurden von Humalas Bruder Alexis torpediert. Der flog kurz nach der Wahl nach Moskau, präsentierte sich dort offenbar als Sonderbeauftragter seines Bruders und sprach über Fischereiabkommen, nukleare Zusammenarbeit und Waffenkäufe. Während sich der künftige Präsident zu distanzieren suchte, versicherte die russische Botschaft in Lima, „die peruanische Seite“ habe um die Moskau-Kontakte gebeten. Die Folge: Die Popularität des Noch-nicht-Präsidenten sackte von 70 auf 41 Prozent ab.

Ohnehin weckt die Familie des Wahlsiegers Misstrauen in der Bevölkerung. Deshalb betont Ollanta Humala die Distanz zu den Seinen und fordert sie öffentlich auf, den Mund zu halten. Kein Wunder: Vater Isaac Humala vertritt die These, die „kupferfarbene Rasse“ sei allen anderen überlegen, und der ältere Humala-Bruder Antauro sitzt gerade eine 25-jährige Haftstrafe wegen Putschversuchs gegen den früheren Präsidenten Alejandro Toledo ab.

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