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Alejandro Toledo bestimmt die Schlagzeilen der peruanischen Zeitungen.

Korruptionsskandal

Peru bittet Trump um Hilfe

Der ehemalige peruanische Präsident Alejandro Toledo ist weltweit zur Fahndung ausgeschrieben. Er soll Bestechungsgelder in Höhe von 20 Millionen Dollar kassiert haben.

Alejandro Toledo wird als der „dicke Fisch“ in einem Korruptionsskandal bezeichnet, der epische Ausmaße annimmt. Aber dieser Fisch ist entwischt. Peru hat nun US-Präsident Donald Trump um Hilfe bei der Ergreifung des per Haftbefehl gesuchten Ex-Präsidenten gebeten. Der aktuelle Amtsinhaber, Pedro Pablo Kuczynski, habe das Thema persönlich während eines Telefonats mit Trump angesprochen, berichtete die Nachrichtenagentur Andina. Die US-Regierung solle die rechtlichen Möglichkeiten für eine Auslieferung überprüfen. Toledo wird in San Francisco vermutet, zuvor hatte Israels Regierung ihm eine Einreise nach Israel verweigert.

Seit Tagen entwickelt sich die Suche mit Hilfe von Interpol zum Krimi: Toledo wird vorgeworfen, Bestechungsgelder in Höhe von 20 Millionen US-Dollar (18,5 Millionen Euro) vom brasilianischen Baukonzern Odebrecht für den Bau der Interoceánica in Peru angenommen zu haben – die Straße verbindet Atlantik und Pazifik über Tausende Kilometer in Südamerika. Odebrecht soll in zwölf Ländern Schmiergelder in Höhe von rund 785 Millionen US-Dollar gezahlt haben, der Skandal bringt ehemalige und amtierende Staatschefs in Lateinamerika derzeit in Bedrängnis.

Toledo bestreitet die Vorwürfe. Er sei Opfer einer „Hexenjagd“, schrieb er bei Facebook. Er sprach von einem politischen „Lynchen“. Der aus sehr armen Verhältnissen stammende Ex-Staatschef – in seiner Kindheit arbeitete er als Schuhputzer – war 2001 mit dem Versprechen an die Macht gekommen, mit der Korruption der autoritären Regierung von Alberto Fujimori (1990-2000) aufzuräumen. Da Toledo und seine Frau enge Kontakte nach Israel pflegen, wurde spekuliert, dass sie dorthin reisen könnten. „Toledo wird nur nach Israel kommen können, wenn seine Angelegenheiten in Peru geklärt sind“, sagte jedoch ein Sprecher des israelischen Außenministeriums.

Mehrere Odebrecht-Manager hatten durch Aussagen in Brasilien das Ausmaß des Skandals ans Licht gebracht. Der Fall droht, ein regelrechtes politisches Erdbeben in der Region auszulösen: Unter anderem Kolumbiens Präsident, Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos, soll im Wahlkampf 2014 Spenden von Odebrecht erhalten haben. Santos versprach eine rasche Aufklärung der Anschuldigungen. (dpa)

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