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Screenshot der Wikileaks-Seite.

Wikileaks

Pentagon fordert Dokumente zurück

Es klingt beinahe putzig, was Pentagon-Sprecher Geoff Morrell verlangt: „Wir wollen alles, was Wikileaks hat, zurückhaben und wir wollen, dass Wikileaks alle Kopien löscht.“ Das Verteidigungsministerium hat also noch immer nicht begriffen, wie das Internet funktioniert.

Von Patrick Beuth

Es klingt beinahe putzig, was Pentagon-Sprecher Geoff Morrell verlangt: „Wir wollen alles, was Wikileaks hat, zurückhaben und wir wollen, dass Wikileaks alle Kopien löscht.“ Die Rede ist von den rund 76.000 größtenteils geheimen Dokumenten aus dem Afghanistankrieg, die Wikileaks vor knapp zwei Wochen veröffentlicht hat, sowie von den 15.000 weiteren Dokumenten, die die Whistleblower-Plattform noch zurückhält, weil deren Inhalt das Leben von Informanten gefährden könnte.

„Wir verlangen, dass sie das Richtige tun“, so Morrell weiter. „Wenn das Richtige nicht gut genug für sie ist, werden wir uns überlegen, was für Alternativen wir haben, um sie dazu zu zwingen, das Richtige zu tun.“

Der Ton wird also schärfer – zuvor hatten Militärs und Politiker aus beiden großen Lagern in den USA schon teils drastische Maßnahmen gegen Wikileaks gefordert: Julian Assange, Sprecher der Plattform, gehöre verhaftet, der in Kuwait festgesetzte angebliche Informant Bradley Manning exekutiert, Wikileaks vom gesetzlich garantierten Informantenschutz ausgenommen.

Der neue Vorstoß des Pentagon aber zeigt vor allem eines: Das Verteidigungsministerium hat offenbar noch immer nicht begriffen, wie das Internet funktioniert. Die Dokumente sind im Umlauf, es ist unmöglich, sie wieder aus der Welt zu schaffen. Nicht nur der Spiegel, der Guardian und die New York Times, die diese Dokumente analysiert und die Ergebnisse gleichzeitig veröffentlicht haben, sind in Besitz der Unterlagen. Sie dürften mittlerweile auch tausendfach von wikileaks.org und zahlreichen Mirrorseiten („Kopien“ von Wikileaks, die bei zu hohe Zugriffszahlen als Alternative bereit stehen) heruntergeladen worden sein. In den ersten Tagen nach der Veröffentlichung der Dokumente habe Wikileaks „im Mittel eine Million Zugriffe pro Stunde“ gehabt, sagte Wikileaks-Sprecher Daniel Schmitt der Frankfurter Rundschau. „Die verstehen offenbar weder das Internet noch unser Projekt. Das ist Stimmungsmache - ein Versuch, die Öffentlichkeit über plakative Aussagen in die Irre zu führen.“

Kritiker werfen Wikileaks vor, mit der Veröffentlichung der Dokumente das Leben von Soldaten und Informanten zu gefährden, weil deren Namen und verschiedene andere Details darin enthalten sein. Wikileaks widerspricht: Alle Dokumente würden auf eine mögliche Gefährdung hin geprüft, gegebenenfalls editiert - und bisher sei niemand nach der Veröffentlichung nachweislich zu Schaden gekommen. Auf die Äußerungen von Geoff Morrell hat Wikileaks bisher nicht reagiert.

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