Pentagon dämpft Hoffnungen auf eine baldige Festnahme Saddams

US-Truppen durchsuchen Dörfer in der Umgebung von Tikrit / Irakischer Regierungsrat wählt ersten PräsidentenDie US-Soldaten in Irak haben am Mittwoch die Fahndung nach dem gestürzten Staatschef Saddam Hussein fortgesetzt. Sie durchsuchten zahlreiche Dörfer in der Umgebung von Saddams Geburtsstadt Tikrit. Mehr dazu im Dossier Irak nach dem Krieg

BAGDAD / WASHINGTON, 30. Juli (ap/rtr/dpa). Teile der irakischen Bevölkerung werten ein am Dienstag von einem arabischen Sender ausgestrahltes Tonband als Beleg dafür, dass die beiden Söhne Saddam Husseins, Udai und Kusai, tatsächlich vergangene Woche getötet worden sind. Auf dem Tonband sagt ein Stimme, die angeblich von dem früheren Diktator stammen soll: "Ich trauere vor Euch um den Tod von Udai und Kusai. Sie starben alle als Märtyrer im Namen des Heiligen Krieges." Am Ende versichert der Sprecher: "Amerika wird besiegt werden!" Der US-Geheimdienst CIA bezeichnete das Band am Mittwoch als "höchstwahrscheinlich" authentisch, wie CNN meldete.

Auf der Jagd nach dem früheren Herrscher aus Bagdad können sich die US-Einheiten seit dem Tod von Udai und Kusai auf immer bessere Hinweise stützen, betonte Generalleutnant Norton Schwartz am Mittwoch. Die Truppen, die von Spezialeinheiten des US-Militärs unterstützt würden, gingen jedem Hinweis nach. Das Pentagon dämpfte allerdings die Erwartungen, dass Saddam bereits in den nächsten Tagen gefunden werden könnte. "Wir sollten uns nicht ausschließlich auf Saddam Hussein konzentrieren", warnte Schwartz. Ob der frühere Staatschef lebend gefangen genommen werde oder getötet, hänge letztlich von seinem Verhalten hat, sagte ein Pentagon-Sprecher.

Die arabische Zeitung Al-Hayat berichtete, Saddam trage inzwischen Tag und Nacht zwei Sprengstoffgürtel um seinen Körper, die von der Brust bis zu den Oberschenkeln reichten. Er wolle damit verhindern, dass einmal seine Leiche im Fernsehen ausgestellt werden könnte.

Nach Erkenntnissen der US-Soldaten beteiligen sich offenbar ausländische Guerillakämpfer an den Anschlägen auf die alliierten Truppen. Im Norden Iraks seien Granaten mit Raketenantrieb gefunden worden, die mit Zeitzündern verdrahtet worden seien. Solche Waffen würden sonst von Rebellen in Afghanistan verwendet, meldete das US-Militär. Generalstabschef Richard Myers sprach im pakistanischen Fernsehen vor allem von Söldnern aus Syrien, die in Irak kämpften.

Erster Präsident des irakischen Regierungsrats ist der Sprecher der islamischen Dawa-Partei, Ibrahim el Dschafari. Einen Monat lang wird er dem 25-köpfigen Gremium vorstehen, dann wird ihm der Schiite Ahmed Chalabi, Führer des Irakischen Nationalkongresses, folgen. Im Oktober soll dann Ijad Allawi, Generalsekretär des Irakischen Nationalabkommens, dem Rat für einen Monat vorstehen.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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