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Jordan Bardella (Mitte).

Frankreich

Le Pens jugendliche Marionette

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Der 23-jährige Jordan Bardella führt die Liste des rechtspopulistischen   Rassemblement National in Frankreich für die Europawahl an – ein Porträt.

Seine Wangen mögen noch etwas rundlich sein, doch mit seiner sonoren Stimme und der athletischen Statur wirkt Jordan Bardella älter als seine 23 Jahre. Wenn ihn die Zeitung „Libération“ dennoch als „Püppchen“ betitelt, dann um ihn als Marionette zu beschreiben, deren Fäden Marine Le Pen in der Hand hält.

Indem die französische Rechtspopulistin Bardella zum Listenführer ihrer Partei für die Europawahlen im Mai machte, behält sie größten Einfluss auf den Wahlkampf. Sie selbst tritt nicht mehr an, da seit 2014 ein Gesetz französischen Politikern die Ämterhäufung verbietet und sie ihren Sitz in der Nationalversammlung behalten möchte. Ihren Rassemblement National (RN) will Le Pen als stärkste französische Oppositionskraft positionieren, möglichst noch vor Präsident Emmanuel Macrons LREM-Partei. Derzeit liegt sie mit 22 Prozent nur knapp hinter LREM.

Bardella ist trotz seines jungen Alters bereits seit sieben Jahren Mitglied der rechtsnationalen Partei, leitete deren Jugendorganisation „Generation Nation“, wurde mit 20 Jahren in den Regionalrat der Hauptstadtregion gewählt und mit 21 Parteisprecher. Dass er in einem sozialen Brennpunkt am Rande von Paris aufgewachsen ist, macht er zu einem Trumpf: „Ich verstehe die Leute und ihre Probleme“, versichert er. Um sie zu schützen, trete er für „wirtschaftlichen Patriotismus“ ein und nennt US-Präsident Donald Trump als Vorbild, sowie für die Kontrolle der Grenzen „nicht mit einer Mauer, aber mit einer Tür, die man schließen kann“. Journalisten begegnet Bardella gelassen und wiederholt Le Pens Slogans aus dem Effeff – manche spotten, er „rezitiere“ seine Chefin wie ein „braver Soldat“.

Aus ihrem Umfeld heißt es, sie könne sich sicher sein, dass er ihr trotz seines Ehrgeizes „nicht das Messer in den Rücken stoßen“ werde. Auf andere RN-Nachwuchstalente trifft das nicht zu – wie ihre Nichte und Ex-Abgeordnete Marion Maréchal, die den Zusatz „Le Pen“ aus ihrem Nachnamen gestrichen und eine Politik-Pause eingelegt hat. Doch das politische Comeback der 29-Jährigen, die mit einem Funktionär der italienischen Lega Nord liiert ist, gilt nur als eine Frage der Zeit. Neben Bardella könne Marine Le Pen ihre junge Rivalin aussehen lassen, als gehöre diese zum alten Eisen, heißt es.

Mit seinem höflichen Auftreten eines perfekten Schwiegersohns passt der 23-Jährige, der sein Geographie-Studium zugunsten der Politik ruhen lässt, bestens in ihre Strategie der „Entdämonisierung“ ihrer Partei, um neue Wählerschichten anzuziehen. Le Pen benannte den ehemaligen Front National um, um ihn vom belastenden Erbe ihres Vaters, des bekennenden Rassisten und Antisemiten Jean-Marie Le Pen, zu lösen. Das Programm beruht allerdings weiter überwiegend auf der Ablehnung von Ausländern.

Nur bei einer Frage nahm der RN eine Wende: Er fordert nicht mehr Frankreichs Austritt aus der EU und der Euro-Zone, für die es keine Mehrheit gibt. Vielmehr arbeitet man auf die Bildung einer möglichst starken rechtspopulistischen und „souveränistischen“ Fraktion hin, unter anderem mit der Lega Nord des italienischen Innenministers Matteo Salvini, den Bardella häufig bewundernd erwähnt. Von einem „Aufwachen des Volkes“ spricht er, der hofft, dank dieses „Aufwachens“ einer der jüngsten EU-Abgeordneten zu werden.

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