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Freiwillige in Wuhan verteilen Lebensmittel an die Bewohner der Stadt.

Ursprung des Coronavirus

Pekings Propaganda-Offensive

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Chinas Regierung und die Staatsmedien stützen eine Verschwörungstheorie zum Virus-Ursprung in den USA.

Was wie eine krude Verschwörungstheorie klingt, ist Chinas neues Gegennarrativ im globalen Propagandakampf um den Ursprung des Virus: Demnach leiden die Vereinigten Staaten bereits seit Monaten unter einer Corona-Epidemie mit potenziell Tausenden Toten. Doch bis vor kurzem konnte die Regierung in Washington dies verschleiern, indem sie die Kranken als Grippefälle erfasst. Die Verbreitung solcher Erzählungen wird aktiv gefördert von der Regierung in Peking und den Staatsmedien.

Am Donnerstag publizierte die „Renmin Ribao“, Zeitung der Kommunistischen Partei, über ihren sozialen Medienkanäle einen einminütigen Videoclip. Darin räumt der Leiter des amerikanischen Zentrums für Seuchenprävention ein, dass sich einige Grippetote posthum als Coronavirus-Infizierte herausgestellt haben. Seither werden die Spekulationen unter Chinas Internetnutzern weiter angefeuert, ob nicht die USA für das Virus zu Verantwortung zu ziehen seien.

Dass sich solche „Fake News“ online schnell verbreiten, legt die Einseitigkeit der Zensurbehörden offen: Diese löschen normalerweise umgehend „Gerüchte“ und verhaften die Autoren – im Übrigen auch wenn es sich bei den „Gerüchten“ um nachweisliche Tatsachen handelt, etwa dass die Regierung das Auftreten des neuen Coronavirus über Wochen verschwiegen hatte. Bis zum heutigen Tage wird etwa ein Magazin-Interview mit der Ärztin Ai Fen Fei aus Wuhan zensiert, in dem sie von ihrer Entdeckung des Sars-ähnlichen Virus berichtet. Nachdem sie ihre Vorgesetzten unterrichten wollte, wurde sie jedoch abgemahnt.

Bei der aktuellen Verschwörungstheorie handelt es sich jedoch nicht nur um eine Desinformationskampagne gegen den Erzrivalen USA. Der Gründer der Peking-kritischen „China Digital Times“, Bill Bishop, schreibt in seinem Newsletter, es bahne sich die erste globale Rezession an, die durch Missmanagement der Kommunistischen Partei zu Stande gekommen ist. Deswegen forciere die KP „die Idee extrem stark, dass das Virus nicht aus China stammen könnte“.

Die Zeitleiste jener Kampagne ist ausgeklügelt: Am 27. Februar behauptete zunächst der Epidemiologe Zhong Nanshan, dass das Coronavirus zwar zuerst in China aufgetreten sei, aber nicht unbedingt aus China stammen müsse. Daraufhin stiegen die staatlichen Medien ein und forderten eine Entschuldigung der USA. Schlussendlich legten Regierungsvertreter nach, darunter Chinas Botschafter in Südafrika und ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums auf Twitter.

Lange Zeit hieß es, dass das Virus erstmals auf einem Markt in Wuhan auf den Menschen übertragen worden ist. Nun berichtete die relativ unabhängige „South China Morning Post“ aus Hongkong, dass sich der erste Covid-Fall bereits bis zum 17. November zurückverfolgen lässt. Fakt ist: Mit 100 prozentiger Sicherheit lässt sich der Ursprungsort des Virus bislang nicht bestimmen, doch dass dieser aus der Region Hubei stammen muss, darüber herrscht breiter Konsens.

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