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Partner auch beim Unterschreiben auf Autohauben: Wladimir Putin (2. v. r.) und Xi Jinping (r.).

Strategie

Peking paktiert lieber punktuell

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Für eine Symbiose sind die Interessen Chinas und Russlands wohl zu widersprüchlich.

China ist der kollektive Stargast. Zum Sankt Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum sind mehr als tausend Vertreter aus dem Reich der Mitte angereist. Staatschef Xi Jinping, der mit Abstand einflussreichste ausländische Gast, wurde schon vorher von seinem Kollegen Wladimir Putin im Kreml empfangen. „Präsident Putin ist mein engster Freund“, sagte lächelnd der Chinese. „In den vergangenen sechs Jahren haben wir uns fast 30 mal getroffen.“

Seit der Krimkrise ist Russlands Verhältnis zum Westen gestört, vor allem die USA haben Moskau mit Sanktionen belegt. Donald Trump aber hat auch China einen Handelskrieg erklärt. Kein Wunder, dass Putin und Xi ihre Freundschaft beschwören. „Es gibt objektive Gründe für eine Annäherung, es gibt sogar die Notwendigkeit dazu“, sagt Aschdar Kurtow, Chefredakteur der Zeitschrift „Problemy Nazianalnoj Strategii“ der FR.

Das gilt für Russland wohl mehr als für China. Politisch sind beide Staaten autokratisch, beide Seiten wehren sich gegen westliche Kritik an mangelhaften Freiheitsrechten ihrer Bürger. Aber für eine wirkliche Symbiose scheinen ihre Interessen zu verschieden zu sein. Und die Russen müssen immer wieder feststellen, dass China bei gemeinsamen Geschäften weniger Rücksicht auf den Bündnispartner nimmt als auf den eigenen Vorteil.

Die Chinesen selbst exportieren kaum Rohstoffe. Etwa ein Dutzend chinesischer Hersteller verkaufen inzwischen Pkw nach Russland, am erfolgreichsten ist die Marke Lifan mit 15 000 Fahrzeugen im Jahr. Und rechtzeitig zum Wirtschaftsforum gingen gestern in der neuen Haval-Fabrik bei Tula die ersten Crossover vom Band. Aber solche Anlagen sind eher die Ausnahme. Laut dem Wirtschaftsportal „East of Russia“ betragen Chinas Direktinvestitionen in Russland keine 2,8 Milliarden Dollar im Jahr, 0,8 Prozent des weltweiten Volumens.

Lesen Sie dazu auch: China und Russland - Allianz der Autokraten

Russland seinerseits vollendet in China den Bau eines Atomkraftwerks mit vier Reaktorblöcken, es liefert Waffen, Gasturbinen und Flugzeugtriebwerke, vor allem aber Gas, Öl oder Holz. „Wir exportieren hauptsächlich Rohstoffe, importieren dagegen Elektronik“, sagt Kurtow, etwa Smartphones von Huawei.

China kauft Russlands Gas zu seinen Bedingungen, weigerte sich etwa 2015, die russische Gaspipeline „Sila Sibiri“ nach China mitzufinanzieren. „China besitzt genügend andere Energiequellen, es ist nicht vom russischen Öl und Gas abhängig“, sagt der Petersburger Wirtschaftswissenschaftler Dmitri Trawin. Das Land brauche Märkte, auch Rohstofflieferanten, die politisch keine Scherereien machten, deshalb sei Russland für Peking interessant. Aber es sehe die Freundschaft zu Moskau eher als taktische, denn als strategische Allianz. „Manche Kollegen vergleichen das Verhältnis mit dem von Reiter und Pferd. Wobei China oben sitzt“, sagt Trawin. Russlands Außenpolitik aber sei vor allem Innenpolitik. „Der Westen gilt als Feind, umso mehr benötigt Putin Länder wie China, die man der Öffentlichkeit als Verbündete präsentieren kann.“

Der Dollar bleibt

Die Chinesen paktieren eher punktuell. Bisher lehnten sie es etwa ab, die Krim als Teil Russlands anzuerkennen. In Mittelasien und auf dem Balkan gilt China mit üppigen Wirtschaftsinvestitionen schon als Konkurrenz für die traditionelle Schutzmacht Russland.

Herzlichkeit findet eher bei Gipfeltreffen statt. Putin verkündete am Mittwoch stolz, das gemeinsame Handelsvolumen sei auf mehr als 100 Milliarden Dollar gestiegen. Nur ärgerlich, dass er diese Zahl in Dollar bekannt geben musste, China lehnte Ende 2018 ein Abkommen über die Entdollarisierung des gegenseitigen Handels ab – obwohl die russische Zentralbank zuvor fast 15 Prozent ihrer Barreserven in Yuan umgetauscht hatte.

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