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China soll Verbindung zu Putin beenden – Artikel sorgt für Eklat

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Von: Nail Akkoyun

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Enge Verbündete: Wladimir Putin und der chinesische Staatspräsident Xi Jinping. (Archivfoto)
Enge Verbündete: Wladimir Putin und der chinesische Staatspräsident Xi Jinping. (Archivfoto) © Alexei Druzhinin/Imago

In einem Artikel zu China und dem Ukraine-Krieg rät der chinesische Autor, Verbindungen zu Wladimir Putin zu kappen. Eine Reaktion aus Peking folgt prompt.

Peking – Am Samstag, dem 12. März 2022 wurde ein Aufsatz des chinesischen Wissenschaftlers Hu Wei im „US-China Perception Monitor“ (USCPM) veröffentlicht. Darin erörterte der Wirtschaftsprofessor, China* müsse wegen des Ukraine-Kriegs* schnellstmöglich die Beziehungen zu Wladimir Putin* abbrechen. Schnell erreichte der Artikel mehr als eine Million Aufrufe innerhalb und außerhalb Chinas, vor allem dank chinesischen Blogs, nicht-offiziellen Medienseiten und sozialen Netzwerken.

Ebenso schnell reagierte allerdings auch Peking*, indem das Essay als „rücksichtslose und gefährliche“ Hetze kritisiert wurde. Darauf folgten persönliche Angriffe auf Hu sowie das USCPM. Bereits am 13. März, einen Tag nach der Veröffentlichung des Artikels, wurden die Website in China gesperrt.

„Wenn der Regierung oder der Zensur ein bestimmter Artikel nicht gefällt – wie zum Beispiel etwas, das von der chinesischen Financial Times veröffentlicht wurde – sperren sie normalerweise nur diesen Artikel, nicht aber die Website“, sagte Liu Yawei, Direktor des China-Programms am Carter Center in den USA*. Das Vorgehen sei „höchst ungewöhnlich.“

Ukraine-Krieg: Chinas neutrale Haltung sorgt für Verwirrung und Irritation

In dem auf Englisch und Chinesisch veröffentlichten Artikel Hu vertritt die Ansicht, dass Russlands Aufstieg ins Stocken geraten sei und China die Beziehungen zu Putin „so bald wie möglich“ abbrechen müsse, um nicht auf der Verliererseite zu stehen. Sonst sehe man sich künftig einer „weiteren Eindämmung“ durch den Westen gegenüber. Man solle „seine Neutralität aufgeben und sich für die Mainstream-Position in der Welt entscheiden“, schrieb Hu Wei.

Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping* hat seit der russischen Invasion am 24. Februar mit einer schwierigen Position zu kämpfen. China ist ein enger Verbündeter Russlands, will aber nicht die internationale Verurteilung und die wirtschaftlichen Sanktionen teilen. Der Versuch, sowohl die Souveränität der Ukraine zu respektieren, als auch russische „Sicherheitsbedenken“ zu berücksichtigen, und sich damit neutral zu geben, sorgen international eher für Verwirrung und Irritation.

Chinas Haltung zum Ukraine-Konflikt* und der Frage, inwieweit die Regierung bereit ist, Russland* zu unterstützen, sind umstritten. Zuletzt häuften sich Berichte, dass China sogar zu einer militärischen Unterstützung bereit wäre. Peking tat die Behauptungen jedoch als „bösartige“ Desinformation ab. Ein hochrangiger EU-Beamter* behauptet hingegen, dass der EU „sehr zuverlässige Beweise“ dafür vorlägen.

Video: China wirft USA Desinformationskampagne im Ukraine-Krieg vor

China: Großes Interesse am Ukraine-Russland-Krieg – Haltung gilt als „antiwestlich“

Hu gilt als wichtige chinesische Stimme, die die offizielle Linie infrage stellt. Wang Huiyao, Präsident des in Peking ansässigen Thinktanks Center for China und Globalization, sagte gegenüber der New York Times, dass die westlichen Allianzen stärker zusammenwachsen würden, je länger der Krieg andauere. „Das ist nicht gut für China“, resümierte Wang. Der Westen müsse Peking als Vermittler einschalten, um Putin „eine Ausweichmöglichkeit“ anbieten, was wiederum Chinas internationales Ansehen verbessern könnte.

Ein Bild, welches offenbar auch chinesische Staatsmedien aufzeigen wollen. Über Verluste und Angriffe wird neutral berichtet, eine bestimmte Haltung für oder gegen Russland und die Ukraine* wird vermieden. Einem Bericht der britischen Tageszeitung The Guardian zufolge, ist der vorherrschende Blickwinkel allerdings weiterhin „antiwestlich.“

Beobachterinnen und Beobachter erklärten jedoch, dass in den chinesischen Nachrichten vermieden werde, ukrainische Opfer oder Schäden zu zeigen, die Sympathien hervorrufen könnten. Weiter werde noch immer nicht von einer „Invasion“ gesprochen. Nach Angaben des Medienanalysten Doublethink Labs in Taiwan sei auch die Verbreitung von russischer Desinformation und Propaganda verstärkt worden. Generell sei pro-russische Rhetorik in den sozialen Medien häufig zu beobachten.

China und der Ukraine-Krieg: Hoffnung, dass Autor nicht „bestraft“ wird

„Deshalb ist die Stimme von Hu so wichtig“, sagte Liu Yawei. „Wir wissen nicht, wie viel Prozent der Bevölkerung er vertritt, aber er ist eine wichtige Gegenstimme.“ Das Interesse an dem Konflikt sei riesig, in den sozialen Netzwerken werden Videos millionenfach geschaut und häufig kommentiert. Kritische Stimmen, die Sorgen äußern, seien dabei allerdings rar gesät. Vermutlich auch, weil entsprechende Kommentare zensiert werden.

Liu hofft, dass Hu Wei, der sich noch in China aufhält, für seinen Artikel nicht „bestraft“ wird. „Dass Gelehrte ihre eigene Meinung äußern und Debatten zulassen, ist ein sehr wichtiger Charakterzug jeder Großmacht“, sagte Liu. China, als Großmacht, müsse demnach „das Selbstvertrauen haben, eine gesunde, lebendige Diskussion zuzulassen.“ (nak) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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