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Jeder Wald fängt mal klein an: Am Rande der Wüste Gobi forstet China derzeit eine riesige Fläche zur „Großen Grünen Mauer“ auf.

Wüste Gobi

Peking lässt die Steppe ergrünen

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Um das Klima zu schützen, will China die Wüste Gobi aufforsten. Trotzdem hat das Land noch einen weiten Weg vor sich.

Das „Reich der Mitte“ ist der Einheizer der Welt. China mit seinen knapp 1,4 Milliarden Einwohnern hat die USA – historisch die Nummer eins unter den CO2-Emittenten – bereits 2008 auf diesem Platz überholt. Heute ist das Land vor allem wegen der intensiven Kohlenutzung für rund ein Drittel des globalen Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich – das ist mehr als die USA und die EU zusammen.

Doch China trauen Klimaexperten am ehesten zu, eine Kehrtwende einzuleiten und sie auch umzusetzen – dank seiner „Green Transition Strategie“, die im Rahmen der Fünf-Jahres-Pläne umgesetzt werden soll. Im Pariser Weltklimaabkommen hat Peking zugesagt, den CO2-Ausstoß maximal noch bis 2030 anwachsen zu lassen und dann zu reduzieren. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass dieser Punkt bereits früher erreicht werden könnte – laut Forschern der chinesischen Nanjing University sogar schon zwischen 2021 und 2025.

Peking hat 2017 ganz offiziell einen Plan gegen „Klimaverschmutzung“ aufgelegt – unter anderem eine Folge der Smog-Katastrophen, die laut Regierung 1,6 Millionen vorzeitige Todesfälle auslösten. „Wir wollen ein schönes Land aufbauen und zur globalen Sicherheit beitragen“, sagte der mächtige Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Wie konsequent China ökologische Vorhaben umsetzt, wenn sie einmal als richtig erkannt wurden, zeigt das Projekt der „Großen Grünen Mauer“, das bereits seit Ende der 1970er Jahre läuft. Das Ziel: Riesige Teile der Wüste Gobi werden wieder aufgeforstet. Insgesamt wurden bereits 45 Millionen Hektar neu bewaldet – eine Fläche größer als Deutschland. Die Wüste hatte sich durch Abholzung in den Jahrzehnten davor stark ausgebreitet. Dort soll nun bis 2050 ein 4500 Kilometer langer und 100 Kilometer breiter grüner „Schutzwall“ entstehen. Peking will bis 2050 umgerechnet 13,6 Milliarden Dollar in das Projekt stecken. Rund 313 Millionen Menschen haben dadurch Arbeit gefunden, Landflucht und Wanderarbeiter-Bewegung wurden gebremst. Ökologisch ist die Bilanz ebenfalls sehr positiv: In der Region Peking, so groß wie Bayern, aber mit 130 Millionen Einwohnern, gibt es praktisch keine Sandstürme mehr. Die Biodiversität ist in der „grünen Mauer“ wieder im Aufschwung, und – wichtig fürs Weltklima – der wachsende Wald speichert große Mengen Treibhausgase.

Zugleich treibt China den Ökostrom-Ausbau voran wie kein anderes Land. Mehr als ein Drittel der entsprechenden Kraftwerke weltweit entsteht laut der Internationalen Energieagentur dort. 2017 hat das Land so viele neue Anlagen installiert wie es in Deutschland insgesamt gibt. Und auch der Ausbau der Windenergie schreitet voran. Bei der Umstellung auf Elektromobilität ist China ebenso Vorreiter.

Präsident Xi tönte vollmundig: „Wir werden energiesparende und umweltfreundliche Industrien fördern. Wir treiben die Energiewende voran – hin zu sauberen und hoch effizienten Energiequellen“. Trotzdem ist es bis zu diesem „grünen China“ noch ein weiter Weg. Immer noch wird rund die Hälfte aller Kohle weltweit in dem Land verbrannt, und das Gros der chinesischen Wirtschaft ist nach wie vor abhängig von dieser klimafeindlichsten Energiequelle. Solange das so bliebe, sei „nicht von einer nachhaltigen und signifikanten Reduzierung der Emissionen auszugehen“, meint Jan Steckel von Berliner Klima-Thinktank MCC. Um dies zu ändern, brauche es beherztes politisches Handeln und einen höheren CO2-Preis.

Am Freitag (29.11.2019) ist weltweiter Klimastreik. Viele Artikel aus Hessen, Deutschland und der Welt finden Sie in unserem Klimaticker.

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