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Theresa May, Premierministerin von Großbritannien, mag die wöchentliche Fragestunde ähnlich gern wie eine Wurzelbehandlung.
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Theresa May, Premierministerin von Großbritannien, mag die wöchentliche Fragestunde ähnlich gern wie eine Wurzelbehandlung.

Fragestunde in Großbritannien

Peinliche Momente

  • Sebastian Borger
    VonSebastian Borger
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Im britischen Unterhaus ist jede Woche Fragestunde mit Premier.

Ohne Zweifel, so hat es Tony Blair seinem Memoirenband „Mein Weg“ anvertraut, seien die allwöchentlichen Fragestunden des Premierministers „die nervenaufreibendsten, peinlichsten, angespanntesten Momente“ seiner Karriere als Regierungschef Großbritanniens (1997-2007) gewesen. Dem Verdikt dürften sämtliche Nachfolger und gewiss auch viele Vorgänger des einstigen Labour-Strahlemanns zustimmen. Die rhetorisch unbeholfene Amtsinhaberin Theresa May, 61, wirkt jedenfalls mittwochs zur Mittagsstunde immer, als habe sie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt vor sich.

Anders als in Deutschland, wo Kanzlerin Angela Merkel sich am Mittwoch erstmals den Fragen der Abgeordneten stellte, gehört „Prime Minister’s Questions“ bereits seit dem 19. Jahrhundert zum Repertoire des Londoner Unterhauses. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste der Regierungschef zweimal pro Woche den Abgeordneten jeweils 15 Minuten lang Rede und Antwort stehen; Blair schnurrte dies 1997 kurzerhand zu einem Termin von 30 Minuten Länge zusammen. Seit 2003 beginnt die Frage-(Halbe)-Stunde stets mittwochs um 12 Uhr. Und stets verfügt der Oppositionsführer über sechs Fragen, der Fraktionschef der drittgrößten Partei im Unterhaus – lange Zeit die Liberaldemokraten, derzeit die schottische Nationalpartei SNP – darf zwei Fragen stellen. Anschließend kommen die Hinterbänkler aller Fraktionen zu Wort, ausgewählt nach dem Zufallsprinzip. Umfragen zufolge ist dies der einzige Parlamentsmoment, den die politisch eher uninteressierte Bevölkerung wenigstens ab und zu wahrnimmt.

Rhetorische Ohrfeigen bleiben am Regierungschef kleben wie Pech. Der frischgebackene Oppositionsführer David Cameron stellte 2005 sein Gegenüber Blair mit einem höhnischen Satz bloß: „Sie waren doch auch mal die Zukunft!“ Blairs Labour-Nachfolger Gordon Brown (2007-10), als erbarmungsloser Kontrollfreak bekannt, musste sich nach einem halben Jahr Amtszeit vom Liberaldemokraten Vincent Cable vorhalten lassen, er habe eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht: „Von Stalin zu Mister Bean“, dem Helden des Komikers Rowan Atkinson. Da lachten selbst viele Abgeordnete der eigenen Fraktion – immer die demütigendste Erfahrung für den jeweiligen Premierminister.

Dementsprechend akribisch lassen sich Regierungschef und Oppositionsführer auf den rhetorischen Schlagabtausch vorbereiten, den Blair als „eine Art modernes geistiges Duell“ beschrieb. Wenn die Antworten immer länger, der Tonfall schrill, die Gesichtsfarbe violett wird, weiß das Gegenüber: Ich bin auf der Siegesstraße. Brown zitterten mal vor Wut die Hände, mal stieg seine sonore Bariton-Stimme auf die Tonlage eines Helden-Tenors. Beim Premier Cameron (2010-16) klangen die Antworten schnell gereizt und rechthaberisch.

Bei aller Aufmerksamkeit auf den allwöchentlichen 30 Minuten – überschätzen sollte man die Bedeutung der Fragestunde nicht, solides Regierungshandeln bleibt allemal wichtiger.

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