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Konfrontation im Pazifik: Bidens Vorgehen erinnert ein wenig an Trump

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Von: Thomas Spang

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Begehrtes Objekt mancher Staaten: ein US-amerikanisches Atom-U-Boot.
Begehrtes Objekt mancher Staaten: ein US-amerikanisches Atom-U-Boot. © picture-alliance/ dpa

Die USA und Großbritannien schließen ein Bündnis mit Australien, das sich gegen China richtet. Dabei geht es auch um Atomtechnik für U-Boote.

Washington D.C. / Peking – US-Präsident Joe Biden telefonierte vergangene Woche mehr als 90 Minuten mit seinem chinesischen Gegenüber Xi Jinping. Analysten halten es für denkbar, dass Biden den chinesischen Präsidenten vorab darüber informierte, was für den Rest der Welt eine faustdicke Überraschung war: das am Mittwoch verkündete Sicherheitsbündnis „Aukus“ zwischen den USA, Großbritannien und Australien, das unter anderem die Lieferung nuklearer Antriebstechnik für australische U-Boote vorsieht.

„Aukus“ steht für die Länderkürzel der drei beteiligten Staaten, die während der teils virtuellen Pressekonferenz aus dem Weißen Haus nicht ein einziges Mal das Wort China in den Mund nahmen. Die Verbündeten verstünden, wie zentral es sei, „Frieden und Stabilität im indopazifischen Raum auf lange Sicht zu sichern“, erklärte Biden den strategischen Vorstoß, bei dem die USA erstmals nukleare Antriebstechnik mit einem anderen Land als Großbritannien teilen.

Pazifik-Bündnis Aukus: Geplant sind acht nuklear angetriebenen U-Boote

Der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Zhao Lijian, nannte die Lieferung von Atomtechnik an Australien denn auch „extrem unverantwortlich“. Die Aukus-Allianz „unterminiert den regionalen Frieden und die Stabilität, beschleunigt das Wettrüsten und schadet den internationalen Bemühungen um die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen“, ließ er mitteilen.

Ausdrücklich hatten Biden, der australische Ministerpräsident Scott Morrison und der britische Premierminister Boris Johnson betont, die U-Boote Australiens würden nicht mit Atomwaffen ausgestattet. Geplant ist der Bau von insgesamt acht nuklear angetriebenen U-Booten.

Pazifik-Bündnis: Frankreich erinnert das Vorgehen „ein wenig an Tump“

Frankreich reagierte verschnupft auf die Ankündigung, weil damit der vorab vereinbarte Verkauf von zwölf dieselgetriebenen französischen U-Booten platzte. Außenminister Jean-Yves Le Drian meinte, das Vorgehen erinnere seine Regierung „ein wenig an Trump“.

Australiens Premierminister Scott Morrison, US-Präsident Joe Biden und Großbritanniens Premierminister Boris Johnson stellten die U-Boot-Pläne in einer gemeinsamen Videokonferenz vor.
Australiens Premierminister Scott Morrison, US-Präsident Joe Biden und Großbritanniens Premierminister Boris Johnson stellten die U-Boot-Pläne in einer gemeinsamen Videokonferenz vor. © Imago

Experten wie Eric Sayers von der Washingtoner Denkfabrik „American Enterprise Institute“ werten die Aukus-Initiative als Versuch Bidens, den von Barack Obama 2011 in Australien angekündigten strategischen „Schwenk nach Asien“ mit Leben zu füllen. „Hier wird ein neues Kapitel in den Beziehungen aufgeschlagen“, sagt Sayers. Präsident Biden sei bereit, „die australischen Verteidigungskapazitäten im sensibelsten Bereich der Hochtechnologie zu stärken“.

Aukus-Allianz: Die militärische Achillesferse Pekings

Im U-Boot-Bereich hängt die Volksrepublik hinterher, was nach Ansicht von Analysten den Aufschrei Chinas erklärt. Die USA zielten mit dem Abkommen auf die militärische Achillesferse Pekings.

So sehr das Timing der Ankündigung der Aukus-Initiative überraschte, so deutlich ist der Zusammenhang zu dem abgeschlossenen Rückzug aus Afghanistan. Präsident Biden hatte diesen vor allem auch damit begründet, US-amerikanische Militärkapazitäten freisetzen zu wollen, die in anderen Teilen der Welt dringender für die Wahrnehmung nationaler Sicherheitsinteressen benötigt würden. (Thomas Sprang)

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